Finanzielle Transparenz

Nach einem Dutzend, über die Jahre verteilter, erfolgloser Versuche You Need A Budget zu benutzen, scheint es dieses Mal geklappt zu haben. Noch ist es keinen ganzen Monat im Einsatz, aber jedem Cent eine Aufgabe zugeordnet zu haben, verleiht meinen Finanzen direkt eine Übersichtlichkeit und Ruhe, die ich in den letzten 15 Jahren unterbewusst vermisst habe.

Hat leider auch zur Folge, dass ich nach den ersten, etwas detaillierteren Gerüchten zum VR-Headset von Apple den gemunkelten Preis von 900 $ als Sparziel in mein YNAB warf.

Irgendwann 900 $ aus einem großen, undefinierten Haufen Erspartem nehmen und ausgeben: Ganz okay, weil intransparent. Zu verstehen, dass bis Mitte nächsten Jahres 900 $ sparen zu wollen bedeutet, dass ich ab jetzt bis Juli 2022 ein Monatsabo zum Preis von 47,37 $ habe, lässt das allerdings schon ganz anders wirken.

Newsletter? poopemoji.png!

Hier ist eine unbeliebte Meinung: Ich verstehe persönliche Newsletter nicht und finde, dass es weniger davon geben sollte.

Für mich wirkt ein Newsletter, in dem jemand aus seinem Leben erzählt und seine Gedanken teilt, wie ein schlecht gemachter Blog, den ich umringt von Fressnapf-Couponcodes und Paypal-Quittungen lesen muss. Dass ich als Eintrittspreis meine E-Mail Adresse offenlegen muss, ist nicht nur wie eine schlechte Nutzererfahrung, sondern irgendwie auch respektlos.

Versteht mich nicht falsch. Ein privater Newsletter kann eine tolle Sache sein um kleinere Gruppen über das eigene Leben zu informieren. Es gibt keinen guten Grund sein Privatleben online auszubreiten. Aber wenn Leute, die offensichtlich in der Lage sind einen klassischen Blog zu führen, mich überzeugen wollen, dass sie lieber in meinem E-Mail Eingang auftauchen wollen, als in meinem RSS-Reader oder Browser, machen sie das nicht, weil ich mit ihnen gut befreundet bin. Ihre Newsletter sollen wirken, als wären sie kleine Geheimtipps, während die Autoren trotzdem versuchen bei jeder Gelegenheit die Anzahl Abonnenten zu erhöhen.


Was könnte es also für Gründe geben? Eine Diskussion mit mir selbst:

„Newsletter sind privater und fühlen sich für mich weniger öffentlich an.“
Verstehe ich, ist aber irrational. Auf der eigenen Webseite den eigenen Newsletter zu bewerben, um eine möglichst große Leserschaft zu erzeugen, wirkt gegen das Ziel weniger öffentlich sein zu wollen. Ein Widerspruch also.

„Newsletter kommen da an, wo die Leser sowieso sind. Niemand nutzt RSS!“
Stimmt. Die Lösung dafür wäre, dass man auf seinem Blog eine Möglichkeit bietet über neue Beiträge durch E-Mails informiert zu werden. Wow. Disruption!

„Es ist leichter einen Newsletter aufzusetzen als einen Blog“
Das wäre ein vernünftiges Argument für all die Leute, die einen Newsletter veröffentlichen, aber nicht wissen, wie man einen Blog schreibt. Allerdings – wenn wir ehrlich sind – sind die meisten Newsletter der Blog-Ersatz von Leuten, die absolut in der Lage wären und waren einen Blog zu schreiben. Mal ganz davon abgesehen, dass es ungefähr zwei Minuten dauert, sich irgendwo einen Blog zu klicken.

„Für Newsletter gibt es ein Monetarisierungskonzept, für Blogs nicht!“
Niemand wird für deine fünf Musik- und Leseempfehlungen zahlen wollen, Thorben. Und selbst wenn: Sicher nicht, ohne vorher vom Mehrwert überzeugt worden zu sein. Wie geht das? Durch gratis Beiträge auf einem Blog.

„Newsletter haben klarere Statistiken und meine Opening-, Click-Through- und Subscriberzahlen sind mir wichtig.“
Örgs.


Ich bin nicht überzeugt, Freunde. Die offizielle Empfehlung meinerseits: Schreibt wieder Blogposts und bietet eine optionale Möglichkeit an, eure Posts als E-Mail abonnieren zu lassen. Es spricht nichts dagegen. Aktuell habt ihr Blogs erfunden, die schlecht benutzbar und respektlos sind. Das kann auch nicht in eurem Interesse liegen.

Eine zynische Metapher

Irgendwo in der Dynamik zwischen den Katzen, die viel Energie aufwenden um ihr Geschäft zu verscharren und mir, der viel Energie aufwendet um alles mit einer kleinen Schippe zu finden und anderweitig zu entsorgen, ist eine zynische Metapher zum gesellschaftlichen Umgang mit Klimawandel versteckt.

08/15-Online-Aktivismus

Das Argument auf Plattformen wie Twitter, Instagram und jetzt auch Clubhouse anwesend sein müssen, weil sonst nur Leute mit „schlechteren“ Meinungen dort den Diskurs bestimmen, halte ich für einen fadenscheinigen Zirkelschluss. Man muss dort sein, weil man sonst nicht dort ist. Mitreden, weil man sonst nicht mitredet.

Den Wunsch danach etwas in der Welt verbessern zu wollen kann ich respektieren. Ich begrüße ihn sogar! Wenn man aber rational auf die Tatsachen blickt, merkt man schnell, dass ein Social-Media-Account mit einer Handvoll Folgender, die im Schnitt die eigene Meinung teilen, nichts verändern wird.

Die meisten von uns sind durchschnittlich und gehören damit, das liegt in der Natur der Sache, zum Durchschnitt. Die meisten von uns haben keine Bühne, die so groß ist, dass es sich lohnt viel Zeit in sie zu investieren und werden sie auch niemals haben. Das ist eine objektive, mathematische Wahrheit. Ich liebe Fakten dieser Art, weil man sie leicht akzeptieren kann. Es kratzt nur kurz etwas am Ego.

Sobald Akzeptanz für diese Wahrheit einsetzt, bleibt ein deprimierendes Loch der Selbstzweifel. Man kann sich nicht mehr vormachen, dass man etwas konstruktives zur Gesellschaft beiträgt. Positiver formuliert: Zu verstehen, dass der eigene 08/15-Online-Aktivismus 1 vermutlich wenig bringt und keine Energie mehr in diese Plattformen zu investieren, gibt einem neue mentale Kapazitäten darüber nachzudenken, wie man wirklich helfen kann.

Warum nicht mal einem Ortsverband der Lieblingspartei beitreten. Sein Wissen in Form von Mentorships oder Kursen vermitteln. Im Tierheim aushelfen. Für alte Leute einkaufen gehen. Tatsächlich konstruktive Arbeit erzeugt ein Glücksgefühl, das weit über das hinausgeht, was Retweets und Hinweise auf sehr lesenswerte Twitter-Threads leisten können. Es ist nur schwer darüber nachzudenken, was man wirklich leisten kann, wenn man ständig von der Sisyphusarbeit des Schreibens von Tweets, dem Aufnehmen von Stories und der Teilnahme an ach-so-wichtigen Clubhouse-Diskussionen abgelenkt wird.

  1. Es gibt natürlich Ausnahmen. Die Wahrscheinlichkeit, dass du – ja, du! – dazu gehörst, ist gering. Wie gesagt. Die meisten von uns sind der Durchschnitt. Solltest du allerdings eine der Ausnahmen sein: Gut. Weiter so.↩︎

Geräuschvoll verlassen

Obwohl ich mir völlig darüber im Klaren bin, dass es mir mental noch nie besser ging, als in den letzten 11,5 Monaten ohne Social Media, geriet ich die letzten Tage – zusammen mit vielen anderen – in den faszinierenden Bann von Clubhaus.

Die App ist genial. Alles ist auf Viralität und Wachstum optimiert, egal ob es ethisch vertretbar ist, oder nicht, Hauptsache es erzeugt Aktivität. Jeder denkt, dass er bei einer Sache dabei ist, die ganz groß sein wird. Jeder fühlt, dass man jetzt dabei sein muss, weil man sonst was verpasst.

Ich auch.

Kurz dachte ich, dass ich unbedingt mit Freunden vor einer unbekannten Öffentlichkeit über vermeintlich relevante Dinge reden müsste. Dachte, dass Clubhouse der Ort wäre, an dem ich mich zu wichtigen Themen zu Wort melden sollte. Am öffentlichen Diskurs teilnehmen! Diskutieren! Austauschen! Verknüpfen!

Heute Morgen wachte ich auf und fühlte mich dumm. Mit offenen Augen in die Dopamin-Falle getappt. Gemessen an meinem letzten Jahr, ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich in 12 Monaten bereuen werde nicht genug Zeit auf dieser neuen, tollen, alles ändernden Plattform verbracht zu haben eher gering.

Clubhouse Adressbücher

Dass ich bei meiner Anmeldung bei Clubhouse1 nicht gemerkt habe, dass einer der Schritte umfasste mein gesamtes Adressbuch mit einer mir unbekannten Firma zu teilen, weist gut darauf hin, dass ich langsam alt werde. Ethisches App-Design sieht anders aus.

  1. Man kann mir dort folgen: @UARRR↩︎

15 Jahre UARRR

Die meisten meiner Meinungen, Ansichten und Prioritäten haben sich seit 2006 zum Glück verändert. Diese Webseite ist allerdings seitdem ein stabiler Bestandteil meines Lebens und ich möchte ihr hiermit zum 15-jährigen Geburtstag gratulieren, den sie Samstag erlebte. 🎂

Der Ladebalken der Hoffnung

Mein Quest eines Tages in irgendeiner Form programmieren zu können, brachte mich in den letzten Wochen zu JavaScript. Nachdem meine intensiven Wochen des iOS-Entwicklung-Lernens mich an einen Punkt brachten, der ausschließlich frustrierend und gar nicht mehr spaßig war, brauchte ich eine einsteigerfreundlichere Alternative, die schneller zu relativ sinnvollen Ergebnissen führen kann.

Um auszuprobieren wie man irgendwelche APIs ansprechen und mit den Daten etwas machen kann, baute ich den Ladebalken der Hoffnung mit fragwürdigem Mehrwert und eindeutig schlechter Code-Qualität. Aber es funktioniert. Glaube ich zumindest. Hat Spaß gemacht, ist jetzt eine Sache in der Welt und ich habe was gelernt. Was will man mehr.

Update: Es gab einen Fehler in der Wokeness der Copy und einen Fehler in der Logik der Berechnung. Beide sind jetzt korrigiert. Danke an den Kommentarbereich für die konstruktiven Hinweise.

Ich habe 87 Bücher in 2020 gelesen

Es wäre einfach zu sagen, dass die Pandemie dafür verantwortlich war, dass ich in 2020 87 Bücher gelesen habe, allerdings war das schon im Dezember 2019 der Plan, nachdem ich von Mai bis Dezember 2019 grob 40 Bücher las und ich habe ihn letztendlich nur durchgezogen. Meine Regale sind jetzt voller Bücher, mein Kopf voll neuer Ideen und auch, wenn es abgedroschen klingt, kann ich jedem empfehlen mehr zu lesen. Auch gerne unabhängig von Neujahrsvorhaben, die sind für Leute, die fiktive Punkte in linearer Zeit brauchen um sich zu besseren Menschen zu machen.

Aus irgendeinem Grund habe ich dieses Google Sheets Dokument erstellt, in dem man alle Bücher vernünftig geordnet ansehen kann. Außerdem habe ich ein bisschen mit Torten- und Balkendiagrammen herumgespielt und ein paar Statistiken aus den Daten gefischt, die ich aber auch in diesem Beitrag in Textform teilen möchte.

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Dust – Hugh Howey

Der große Abschluss der Silo Series. Nach Wool und Shift folgt mit Dust ein Buch, das es tatsächlich schafft die großen Themen, komplexen Zusammenhänge und Charaktere der ersten beiden Bücher zu einem befriedigenden Ende zu führen.

Eigentlich ist es falsch zu sagen, dass Dust die Trilogie beendet. Ich kaufte diese drei Bücher in einem Box-Set und dabei lag ein viertes, ganz dünnes Buch. Auf den 60 Seiten dieses Buches wird ein Ende nach dem Ende von Dust beschrieben. Aber das zählt nicht, weil dieses Büchlein nicht einzeln zu kaufen ist.

Dust beantwortet alle Fragen. Alle. Das mag ich so sehr an dieser Trilogie. Man fängt mikroskopisch an und zoomt immer weiter raus, hat immer neue Fragen, erkennt immer mehr vom Ausmaß der Geschichte, den Hintergründen und nach und nach entdecken sowohl die Charaktere, als auch wir als Leser, wie alles funktioniert und kranken Sinn ergibt.

Fan-tas-tisch.

★★★★★

Shift – Hugh Howey

Der zweite Teil von Howeys Silo Series spielt vor den Ereignissen des ersten, sollte aber auf keinen Fall vor dem ersten Buch gelesen werden.

Wie bereits gesagt, ich will wirklich nicht zu viel verraten, niemand sollte in diese Bücher mit zu viel Vorwissen gehen. Darum nur: Shift gibt einem Antworten auf viele der Fragen, die man beim Lesen von Wool hatte und wirft neue Fragen auf, die man sich selbst zum Leben stellen darf.

Ugh. So gut.

★★★★★

Sechs Koffer – Maxim Biller

Nachdem ich einen witzigen und klugen Artikel von Max Biller las, wollte ich endlich mal ein Buch an den Namen binden. Da er sich gerne kritisch über Literatur von Deutschen auslässt, hatte ich Hoffnung.

Für mich las sich Sechs Koffer wie eine autobiografische Familiengeschichte, in der jemand zwar ein bisschen was, aber nicht zu viel verraten wollte. Am Ende bleibt eine Frage offen, deren Offenheit viele beim Lesen zu stören scheint, aber das ist nicht, was mich nervte. Alles scheint zwischen Wahrheit und Fiktion zu wabern, aber genug Wahrheit zu beinhalten, dass das erzählte Familienkonstrukt merkwürdig kompliziert ist.

Es gab einige Themen und Bilder, die mir gut gefielen. Das generelle Überthema, in dem ein autoritärer Staat dazu führt, dass Familien sich nicht mehr vertrauen können, ist genau mein Ding. Aber blieb in mir das Shrug-Emoji als Reaktion auf diese Lektüre zurück.

★★★☆☆

Wool – Hugh Howey

Eigentlich schaue ich keine Filme zwei Mal, wiederhole keine Serien und auf jeden Fall lese ich Bücher nicht doppelt. Manchmal mache ich Ausnahmen, aber nur wenn es einen guten Grund gibt. Wool (und die beiden darauf folgenden Teile der Trilogie) haben so eine Ausnahme verdient.

Vor fünf Jahren hat mich Wool völlig aus den Socken gehauen, wie man so schön sagt. Es hat im Alleingang meine Begeisterung für Dystopien, postapokalyptische Romane und SciFi geweckt und ich bereue meine zweite Runde durch die insgesamt knapp 1600 Seiten kein Bisschen. Im Gegenteil.

Jede Person, die diese Bücher lesen möchte, sollte im Vorfeld so wenig wie möglich über die Geschichte wissen. So viel darf man aber als Start für wachsendes Interesse in potentiellen Lesern verraten: Die Welt ist untergegangen und eine Gruppe von Menschen lebt in einem Bunker unter der Erde. Wool erzählt die Geschichte dieser Menschen – und noch viel mehr.

Es ist wirklich schwer zu beschreiben, wie sehr mich die Ideen dieser Trilogie begeistern. Wie toll alles vom ersten bis zum dritten Buch zusammenpasst.

Unbedingte Empfehlung.

★★★★★

The Collapsing Empire – John Scalzi

Obwohl ich mit der Old Man’s War Reihe noch nicht durch bin, lächelte mich The Collapsing Empire im Laden an. Jemand in den Kommentaren hier im Blog meinte, dass sie sich darauf freut, wenn ich Scalzis andere Bücher anfange und das ist jetzt passiert.

Tatsächlich liest sich The Collapsing Empire, der Auftakt zu einer, soweit ich weiß, Trilogie, anders als die Old Man’s War Reihe. Weniger locker, sehr viel mehr der Anfang einer breiten Geschichte, deren Fundament gelegt wird, indem einem die 10 primären Akteure vorgestellt werden.

Fand es gut als das, was es ist: Ein spannender Anfang einer hoffentlich komplexen und erfüllenden Geschichte.

★★★★☆

Der Hals der Giraffe – Judith Schalansky

Einige Bücher liest man an einem Tag. Nicht, weil sie so besonders gut sind, sondern weil sie so besonders egal sind.

Der ganze Clou dieses Buches ist, dass es sich um eine relativ verdrossene Biologielehrerin dreht, die ihren Zustand – und den Zustand ihrer Mitmenschen – wie eine Biologielehrerin beschreibt. Einerseits mit einem Blick auf Menschen als das Säugetier, das sie sind, andererseits im direkten Vergleich zu anderen Tieren.

Gab mir wenig. Störte mich wenig.

★★★☆☆