The Supernova Era – Cixin Liu

Huch. Liu Cixin hat mit „The Three-Body Problem“ eine der besten SciFi Trilogien geschrieben, die ich jemals las. The Supernova Era, eine Geschichte die auf einem Entwurf von vor 30 Jahren basiert, ist so schlecht, dass dieser Kontrast nur als gutes Argument dafür sehen kann, dass Übung tatsächlich den Meister macht.

Niemand sollte dieses Buch lesen, dementsprechend verrate ich jetzt die gesamte Story, die in der Theorie viel Potential bietet: Eine Supernova sorgt dafür, dass die Erde bestrahlt wird und alle Menschen über 13 in rund einem Jahr sterben werden. Die Menschheit bereitet sich also darauf vor den Planeten an die Kinder zu übergeben.

Das erste Viertel ist interessant genug und beschreibt die Probleme der Erwachsenen, ihren Kindern verschiedene Berufe nahezubringen. Danach geht es allerdings steil bergab.

Die Kinder sind, nachdem alle Erwachsenen gestorben sind, gleichzeitig sehr klug und absolut dämlich. Führen intensive Gespräche über Geopolitik, während sie nur Eiscreme essen wollen.

Ein Viertel des Buches geht es um irgendwelche langweiligen Militäraktionen in der Antarktis, die zu den langweiligsten Dingen gehören, die ich jemals gelesen habe.

Der Schreibstil ist schlimm. Sehr schlimm. Es gibt keinen Spannungsbogen, keine guten Charaktere und keine Momente, die positiv in Erinnerung bleiben.

Am Ende, 30 Jahre nach dem Aussterben der Erwachsenen, stellt sich heraus, dass die Geschichte aus der Sicht einer Person geschrieben wurde, die auf einem anderen Planeten lebt, weil die Kinder offenbar dafür gesorgt haben, dass das Bewohnen anderer Planeten möglich ist. Wie es dazu kam? Wird nicht erzählt.

Hard nope.

★☆☆☆☆

Das Selbsterkenntnis-Triumvirat eines Programmierer-Praktikanten

Seit ungefähr anderthalb Monaten arbeite ich jeden Tag daran endlich Programmieren zu lernen. Mein halbes Leben lang sah ich mich als artsy-aber-schlecht-in-Mathe Person, die niemals in der Lage sein wird komplexen Code zu schreiben. In den letzten zwei Jahren kamen für mich allerdings einige Erkenntnisse zusammen, die das geändert haben.

  1. Ich bin eine analytische Person mit überdurchschnittlich viel Grit, die gut komplexe Probleme auf ihre Einzelteile runterbrechen, strukturieren und iterativ lösen kann.
  2. Durch Digital Minimalism und Deep Work habe ich erkannt, dass mich Dauerbeschallung daran hindert mich auf Aufgaben einzulassen, die mir zwar schwer fallen, mich aber als Person voran bringen würden.
  3. Deliberate Practice als Konzept zu verstehen und anzuerkennen, dass es sich dabei um die objektiv richtige und nötige Form des Lernens handelt, war für mich ein Durchbruch. Meine in Punkt 1 beschriebenen Fähigkeiten sind eine perfekte (theoretische) Grundlage für Deliberate Practice. Da schließt sich der Selbsterkenntnis-Kreis für mich.

In den letzten 10 Jahren sind bestimmt doppelt so viele meiner Programmieren-Lernen-Anläufe gescheitert. Immer mit dem gleichen Ergebnis: Die erneute wehleidige Feststellung, dass ich einfach nicht in der Lage dazu bin.

Zum Glück war das Unsinn. Natürlich kann ich das. Warum auch nicht, mir wird schon nicht das Programmier-Gen fehlen. Ich muss nur bereit sein die Herausforderungen zu strukturieren, ganz unten anzufangen und zu akzeptieren, dass es so lange dauert, wie es eben dauert. Dann muss ich nur noch dranbleiben und nicht aufgeben. Easy.


Dass das so einleuchtend und motivierend klingt ist natürlich eine Falle.

Wenn ich an etwas scheitere, wie zum Beispiel den Unterschied zwischen Structs und Classes zu verstehen und was genau ein Initializer in einer Class eigentlich macht und zu welchem Zeitpunkt und wieso überhaupt so und nicht anders, dann versuche ich mich vom Problem abzulenken und wechsle zu… ja, gibt nichts. Kein Social Media für Marcel, seit Februar. Also zurück zur Herausforderung.

Das geht so weit, dass ich vor meinem Computer sitze, an der Aufgabe arbeiten will, die ich mir selbst gestellt habe, für die es absolut keinen Druck von außen gibt und Angstschweiß entwickle. Angstschweiß! Ich sitze da, werde kurzatmig und fühle mich wie ein Versager. Das hatte ich das letzte Mal in Klausuren, für die ich hätte lernen sollen, hätte „Lernen“ nicht so wenig meinem „Mir fliegt das alles zu, guckt mal wie klug ich bin“ Selbstbild entsprochen. Damals konnte ich mit meiner Performance zumindest noch andere enttäuschen. Jetzt ergibt eine Reaktion dieser Intensität keinen Sinn mehr.

An der Stelle kommt dann ins Spiel, dass ich jetzt verstehe, was Deliberate Practice ist. Dieser Angstschweiß (und ich entschuldige mich für die mehrfache Erwähnung irgendwelcher Körpersäfte) ist nichts anderes als ein Zeichen dafür, dass ich vor einer Aufgabe stehe, deren Lösung mich weiterbringen wird. Eine Aufgabe, die aktuell von mir noch nicht genug runtergebrochen wurde, damit sie in mir keine panische Stressreaktion auslöst.

Ich weiß nicht, ob ich gut genug erkläre, was für eine Erleichterung diese Erkenntnis für mich ist. Plötzlich sind diese Stressmomente – die mich vorher zum Aufgeben brachten – Situationen in denen ich mich darüber freue wieder an eine Hürde gestoßen zu sein, die ich mit ein bisschen Aufwand überwinden kann. Danach habe ich eine neue Sache gelernt und bin klüger als vorher.


Das Ergebnis ist, dass ich zum ersten Mal richtige Fortschritte auf meinem Weg zu einem mittelmäßigen Programmierer-Praktikanten mache. Einige Konzepte verstehe ich jetzt mehr als jemals zuvor. Theoretisch könnte ich sogar schon kleine, relativ nutzlose Apps selbst schreiben. Klar, ich bin noch lange nicht da wo ich hin will, aber ich weiß zumindest, dass ich mir den Weg dahin selbst… pflastern kann, statt aufzugeben, wenn eine Kreuzung vor mir auftaucht. Tolle Metapher.

Wie auch immer. Vielleicht werde ich probieren einige Posts zu schreiben, die meinen Fortschritt dokumentieren. Ich glaube, dass es mir helfen könnte, wenn ich hier erwähne, dass ich gerade daran scheitere zu verstehen was @ObservableObject und @ObservedObject wirklich machen, um dann einige Tage später mit der Information um die Ecke zu kommen, dass ich es jetzt verstanden habe.

Verzerrung der Proportionalität

In einer Last Week Tonight Folge über Verschwörungstheorien hörte ich kürzlich das erste Mal vom Proportionality Bias. Ich bin, obwohl das vermutlich viele denken, kein promovierter Psychologe, aber ich glaube, dass sich dieser Bias auch auf unser Verhältnis zu Berichterstattungen auswirkt.

Gestern las ich eine DWDL Meldung, in der stand:

Trotz der Tatsache, dass sich die Katastrophe in Beirut um kurz nach 18 Uhr ereignete, war das nur ein kleines Thema in der „Tagesschau“ um 20 Uhr. Und auch in den „Tagesthemen“ einige Stunden später wurde das Thema nur im Nachrichtenblock abgehandelt. Stattdessen begannen beide Sendungen mit den neuesten Entwicklungen rund um Corona, bei den „Tagesthemen“ mit einem Schwerpunkt auf dem Fußball, wo es bald vielleicht wieder Zuschauer im Stadion geben könnte.

Die ARD entschuldigt sich für diesen vermeintlichen Fehler:

Man hätte das Ereignis aber auch im klassischen Fernsehen besser abbilden müssen, schreibt die Chefredaktion bestehend aus Marcus Bornheim, Helge Fuhst und Juliane Leopold. „Es war eine journalistische Fehleinschätzung.“ Bilder seien auch Nachrichten und der Anspruch sei es, die Zuschauer „zu Augenzeugen bei relevanten Ereignissen“ zu machen. Im Nachhinein sei es schwierig zu erklären, wieso man das am Dienstag in den Sendungen nicht auch gemacht habe. „Denn es war eigentlich so offensichtlich.“

Ich bin nicht der Meinung, dass Zuschauer Augenzeugen relevanter Ereignisse sein müssen. Mindestens als Zuschauer sollte man sich darüber im Klaren sein, dass es nicht nötig ist jede Sache, die groß und relevant wirkt, live miterleben zu müssen. Irgendwie haben wir uns so sehr kollektiv eingeredet, dass ein großes Ereignis automatisch in 24/7 Livestreams resultieren muss, dass mittlerweile sogar die Medienmacher das glauben.

Tatsächlich denke ich sogar, dass der Tagesschau-Beitrag – zwei Stunden nach dem eigentlichen Ereignis – absolut angemessen war. Er beinhaltete alles, was zu dem Zeitpunkt bekannt war und dann kam das nächste Thema dran. Manchmal ist selbst eine gigantische Explosion, die zu tragischem Verlust von Menschenleben führt, nur das desaströse Resultat von Fehlern. Kein Attentat, kein Angriff, keine Verschwörung. Ein Fehler von Menschen.
Die Tagesschau, die auf die kritisierte folgte, zeigte ganz gut, dass weiterhin nicht viel zu sagen war. Es wird verzweifelt versucht das Thema zu strecken, indem man relativ fadenscheinig in 1-2 Minuten die geopolitische Rolle von Libanon erklärt. Das ist zwar generell ganz interessant, aber ein relevanter Kontext zur Explosion wurde nicht hergestellt.

Ich weiß, ich weiß, der Wichmann redet wieder über Digital Minimalism, aber diese ganze Geschichte ist ein perfektes Beispiel dafür, dass unser Verhältnis zu ständigen Updates völlig krank ist. Es gibt keine Neuigkeiten und Leute kritisieren Medienmacher dafür, dass sie nur berichten, was berichtet werden kann, was letztendlich in schlechteren, inhaltleeren Berichterstattungen resultiert.

The Test – Sylvain Neuvel

Wenn jemand denkt, dass das hier nicht zu der Liste gelesener Bücher für 2020 zählt, weil es nur 110 Seiten hat, hat die Person sich aber geschnitten. Es zählt. So.

Die Geschichte ist so kurz, dass ich sie nicht groß zusammenfassen will, aber es ist eine Dark-Mirror-esque Kurzgeschichte, in der eine Person einen Einbürgerungstest über sich ergehen lässt, der viele ethische Fragen aufwirft.

★★★★☆

Tabu – Ferdinand Von Schirach

Wenn ich etwas nicht leiden kann, dann sind es möchtegern-tiefgründige Kunstprojekte, die wirken als hätte sie sich irgendein HTK Student in seinem zweiten Semester ausgedacht. Tabu hat, warum auch immer, einen Protagonisten, der Kunst auf diesem Niveau erzeugt und… ugh.

Achtung, ich verrate die gesamte Handlung und den völlig vorhersehbaren Plottwist des Buches: Künstler mit ganz schrecklich bewegter Vergangenheit tut so als hätte er jemanden umgebracht um den Rechtsstaat vorzuführen. Was ist Schuld? Was ist Kunst?? Tragen wir nicht alle eine Maske??? So deep.

War Quatsch.

★★☆☆☆

Hamilton

Mit 11 war ich fest davon überzeugt, dass Harry Potter Unsinn ist und ich es niemals lesen werde. Zwei Jahre später wartete ich um Mitternacht ganz aufgeregt auf die Spezial-Lieferung des vierten Teils. Damals lernte ich, dass man dem Hype manchmal believen darf.

Darum: Disney+ zu abonnieren lohnt sich allein schon, weil Hamilton wirklich so fantastisch ist, wie alle sagen. Habe jede Minute der drei Stunden geliebt und höre seitdem ausschließlich den Soundtrack. Burn ist auch einfach die perfekte, inoffizielle Hymne für Digitale Minimalisten.

Only Human – Sylvain Neuvel

Teil drei der „Themis Files“ Serie. Ehrlich gesagt habe ich keine sehr ausgeprägte Meinung zu diesem Buch. Es ist das Ende der Geschichte aus Teil 1 und 2. Es ist ein okayes Ende und der Weg dahin war auch in Ordnung.

Kein Meisterwerk, aber auch nicht nicht schlecht. Eine stabile Qualität, die mich bei der Stange gehalten hat. Alles, was ich über die eigentliche Geschichte sagen könnte, wäre ein zu großer Spoiler, aber insgesamt wird die Frage behandelt: Was wäre wenn unsere Gruppe aus Protagonisten auf etwas alberne Weise auf einen fremden Planeten teleportiert werden würde?

★★★☆☆

Waking Gods – Sylvain Neuvel

Teil zwei der „Themis Files“, wie die Serie offenbar genannt wird. Weiterhin kurzweilig. Weiterhin nicht besonders gut geschrieben, aber voller guter Ideen.

Dieses Mal: Was wäre wenn ein gigantischer Killerroboter in einer der bevölkerungsreichsten Städte Westeuropas auftaucht? Direkt an die Geschehnisse des ersten Teil anknüpfend, mochte ich, wie zwischen geopolitischen Abläufen und privaten Problemen der Charaktere eine Welt entsteht, die machte, dass ich während der Lesepausen weiter darüber nachdenken wollte.

Mehr vom gleichen, was es ein bisschen weniger erfrischend als Teil 1 machte.

★★★★☆

Sleeping Giants – Sylvain Neuvel

Gute SciFi-Geschichten haben meiner Meinung nach zwei Standbeine, die getrennt voneinander ausreichen können um ein gutes Buch zu erzeugen. Das eine ist gute Sprache, das andere sind gute Ideen. Wenn Autoren das kombinieren können: Umso besser.

Sleeping Giants (und die folgenden zwei Teile der Serie) sind nicht besonders gut geschrieben. Aber die Welt und Ideen haben mich so gut unterhalten, dass ich alle drei Bücher in einer Woche las.

In Sleeping Giants findet die Menschheit einen vor 3000 Jahren vergrabenen, gigantischen Roboter, der technologisch weit über alles hinausgeht, was die Menschheit aktuell in der Lage ist zu bauen. Das wirft natürlich Fragen und Machtgefälle auf, die es vorher nicht gab.

Fantastische „Was wäre wenn“ Prämisse in kurzweiligem Dialog-Format aufgeschrieben.

★★★★★

Children Of Ruin – Adrian Tchaikovsky

Der Nachfolger von Children Of Time hat mir auch sehr gut gefallen. Children Of Ruin knüpft an das Ende von Children Of Time an, soweit man das von einer Geschichte, die sich über Jahrtausende erstreckt sagen kann.

Die Menge an abgefahrenen Ideen nimmt auch im zweiten Teil nicht ab. Neben intelligenten Spinnen wird eine Oktopus-Zivilisation und eine weitere Lebensform eingeführt, die ich nicht verraten will. Die daraus entstehenden Schwierigkeiten sind, worum es in diesem Buch geht. Hat Spaß gemacht. Gerne wieder.

★★★★★

52

52 Bücher wollte ich dieses Jahr lesen. Eines pro Woche. Jetzt ist Ende Juli und ich habe Buch 52 gerade zum letzten Mal geschlossen. Zeit für das nächste Ziel auf meiner Eimerliste.

Zwei Faustregeln für ein sorgenfreies Leben

Claudia Henzler für die Süddeutsche Zeitung:

Seit Jahren wird in Erwin Rommels württembergischer Geburtsstadt Heidenheim darüber diskutiert, ob das Denkmal für Hitlers Lieblingsgeneral entfernt werden soll. Nun wurde ein Kompromiss gefunden: Auf das Rommel-Denkmal fällt ein Schatten. Der Heidenheimer Künstler Rainer Jooß konnte den Gemeinderat von seiner Idee überzeugen, den Gedenkstein unangetastet zu lassen, ihm aber ein Gegendenkmal entgegenzusetzen und ihn damit in einen neuen Kontext zu stellen.

Niemand sollte darüber diskutieren müssen, ob ein Denkmal für jemanden, den man als „Hitlers Lieblingsgeneral“ bezeichnen kann noch existieren sollte. Natürlich braucht es dieses Denkmal nicht. Egal ob mit fahrlässig verzögertem künstlerischen Addendum, oder nicht. Eine einfache Faustregel für ein sorgenfreies Leben: Wenn etwas das Lieblings-Wasauchimmer von Hitler war, bauen wir dafür kein Denkmal. Wenn es ein Denkmal für Hitlers Lieblings-Wasauchimmer gibt, entfernen wir es. Würde der Wiese, auf der das Denkmal für Rommel steht, auch visuell helfen.


Gunnar Schupelius für die BZ:

Der Berliner Senat zeigt sich nicht interessiert. Zuständig ist hier Kultursenator Klaus Lederer (Linke). Seine Partei hat wenig Interesse an einem Mahnmal, das die Verbrechen der SED beleuchtet, also ihrer eigenen dunklen Vergangenheit. Die Abgeordnete Simone Barrientos (Linke) formulierte ihre Kritik so: Als ehemalige DDR-Bürgerin wolle sie „nicht als Opfer einer kommunistischen Gewaltherrschaft betrachtet werden“.

Die zweite Faustregel für ein sorgenfreies Leben: Wenn ein Staat Personen politisch verfolgte und Menschen das Leben gekostet hat, spricht nichts dagegen ein Mahnmal aufzustellen, das an diese Gräueltaten erinnert. Leute sind gestorben, Simone. Vielleicht kann man akzeptieren, dass sie „Opfer kommunistischer Gewaltherrschaft“ waren und muss nicht das private, völlig irrationale Gefühl dazu, wie das auf einen selbst abfärben könnte, über die deutsche Erinnerungskultur stellen. Was soll das sein, wenn nicht ein verzweifelter Versuch der „Ostalgie“ keinen Abbruch zu tun.

Small World – Martin Suter

Jemand schrieb mir eine E-Mail und dankte mir dafür, dass er dieses Buch durch meinen Blog gefunden hat. Das wird euch überraschen, weil das hier ja der Eintrag zum Buch ist, ich es dementsprechend vorher noch nicht las. Ja. Hat mich auch überrascht. Muss ein anderer Blog gewesen sein. Das war für mich aber ein guter Anreiz das ganze als versehentliche Empfehlung zu verstehen.

Nicht völlig irrelevant: Das war mein erstes Buch von Diogenes und ich bin vom Objekt ganz angetan. Tolles Format, tolles Papier, tolle Typografie. Hat mir gefallen.

Die Geschichte war okay. Weder hat sie mich gestört, noch hat sie mich sehr mitgenommen. Eine solide Geschichte über einen Mann, der an Alzheimer leidet. Drumherum entspannt sich eine ein wenig fadenscheinige Dramatik mit einem Twist, den ich aus weiter Ferne habe kommen sehen.

★★★☆☆

How the World Thinks – Julian Baggini

Die Unterüberschrift des Buches ist „A Global History of Philosophy“, was eine gute Beschreibung des Inhalts ist. Baggini betreibt „vergleichende Philosophie“ und schaut sich an, wie die Ursprünge und Unterschiede verschiedener Philosophieformen sich aufeinander auswirken.

Dieses Buch ist ein typischer Fall von „schrecklich interessant, aber leider unangenehm“. Ja, ich will wissen, was die indischen, chinesischen, japanischen und türkischen philosophischen Fundamente sind und wie sie herangezogen werden können um unser heutiges Verhalten zu erklären. Nein, ich möchte dabei nicht das Gefühl haben die Doktorarbeit von jemandem zu lesen.

Guter Inhalt. Schlechte UX.

★★★☆☆

Ethics in Geo →

Tom MacWright:

But there’s no question of whether parts of the military and the oil industry use open source geospatial software, they do. We can only wonder whether the most reprehensible parts, like Border Patrol, an organization that had one officer or agent arrested per day from 2005 to 2012, are also using it. Our complicity is limited: without intention, sure, but no longer without knowledge. And until we figure out ethos licensing or something similar, there’s no way to stop it.

Ein perfektes Beispiel für Ruined by Design1 und der Tatsache, dass sich niemand, egal an welcher Stelle irgendeiner Hierarchie, von der Verantwortung freisprechen kann, darüber nachzudenken, was die eigene Arbeit für potentiell negative Auswirkungen in der Welt hat. Das nicht zu akzeptieren ist naiv und man macht sich mitschuldig an allem, was aus der eigenen Arbeit entsteht.

Ich schreibe mir derweil auf meine fiktive „Will ich mich mit beschäftigen“ Liste, die eigentlich nur aus offenen Tabs in Browserfenstern besteht, dass ich ich mich in Ethos Licensing einlesen möchte

  1. Drei Mal kaufen, ein Mal lesen und zwei verschenken. Meiner Meinung nach Pflichtlektüre für jeden, der an irgendwas baut, das von Menschen benutzt wird.↩︎