Horst Seehofer bereitet Studie zu Rassismus in der Gesellschaft vor →

ZEIT Online:

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) plant eine Studie zu Rassismus in der Gesellschaft. „Eine Studie, die sich ausschließlich mit der Polizei und dem Vorwurf eines strukturellen Rassismus innerhalb der Polizei beschäftigt, wird es mit mir nicht geben“, sagte Seehofer der Bild am Sonntag. „Das wird auch dem Problem nicht im Ansatz gerecht. Hier bedarf es eines wesentlich breiteren Ansatzes für die gesamte Gesellschaft und an diesem arbeiten wir.“

Es wäre schon interessant zu erfahren, wie dieses Theater begründet wird. Wenn man nicht davon ausgeht, dass bei dieser Studie rauskommt, dass zufällig, entgegen jeder Wahrscheinlichkeit, absolut niemand in der Gesellschaft rassistisch ist – und warum sollte man – kommt man schnell zu neuen Fragen. Die zwei wichtigsten: Okay, es gibt Rassismus in der Gesellschaft, was tun wir dagegen? Und: Wir wussten auch vor dieser Studie von einer Häufung rechtsextremer Vergehen in der Polizei und haben es jetzt unnötig aufgeschoben etwas dagegen zu unternehmen, aber vielleicht ja jetzt?

Ich gehöre echt nicht zu den Leuten, die ACAB als ihren Leitfaden für‘s Leben sehen, aber diese Angelegenheit ist schon eine ziemliche Farce. Wenn meine Katzen ein Fellknäuel in den Flur kotzen, fange ich nicht an erst mal die gesamte Wohnung zu wischen.

Highlighted

Viele Leute1 haben mich gefragt, wie ich so viele Zitate im letzten Blogpost abgetippt habe, obwohl ich nur zehn Finger besitze. Tja! Habe ich gar nicht! Ein Trick! Nutzte Highlighted, eine iOS App, mit der man Teile von Buchseiten fotografieren kann, die dann direkt in Text umgewandelt werden. Ganz schön gut.

  1. Niemand↩︎

The Practicing Stoic – Ward Farnsworth

Mein Interesse an Philosophie ist recht pragmatisch. Die eigene Lebenszeit ist stark begrenzt, also will ich so schnell wie möglich erfahren, wie man sich die verfügbare Zeit so gut wie möglich macht. Warum nicht die Vorarbeit von anderen nutzen, die schon vor Ewigkeiten für sich funktionierende Lebensformen und Denkweisen gefunden haben. Man muss das Rad nicht neu erfinden.

Oder wie Ward Farnsworth schreibt:

Life is regrettably short because it does not allow us enough trials to become as wise as we would wish. Stoic philosophy is a compensation – a substitute for time, or simulation of it. Stoicism means to offer the wisdom while skipping the repetition; it tries to get by contemplation some of the lessons, immunities, and other features of character we would acquire naturally if we lived long enough.

Was die stoische Philosophie für mich so besonders macht ist, dass sie sich wunderbar mit meinem bestehenden Bild eines guten Lebens vereinen lässt. Mein Anspruch an ein gutes Leben, ein schönes Miteinander und eine solide emotionale Gesundheit passt perfekt zum Stoizismus und wird durch das, was Leute wie Seneca und Epictetus vor über 2000 Jahren gesagt haben, erweitert und verbessert. Dass diese Ideen seit damals überlebten und noch immer vor Relevanz nur so glühen, lässt mich auch mit einem merkwürdig beruhigten Gefühl zurück.

Mir wird schwer fallen hier zu erklären, wie viel mir „The Practicing Stoic“ mitgegeben hat. So wie mir auch schwer fiel zu erklären, wie sehr die Bücher von Cal Newport mein Leben erweitert haben. Dieses ist nicht mein erstes Buch zu Stoizismus, „How To Be A Stoic“ von Massimo Pigliucci hat mir bereits sehr gut gefallen. „The Practicing Stoic“ hat aber ein gutes Potential meine persönliche Bibel zu werden.

Während des Lesens habe ich auf fast jeder Seite etwas unterstrichen. Mein zustimmendes Nicken, das mit „Ja, genau!“ Gemurmel angereichert wurde, nahm kein Ende und relativ viele Leute mussten damit leben, dass ich ihnen ständig Bilder von Ausschnitten des Buches schickte und diese mit tiefgründigen Erkenntnissen wie „this, so much“, „big mood“ und „!!!!” kommentierte.

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Eingefrorene Arbeitsethik

Gestern sprach ich mit einem Freund über die Frozen 2 Dokumentation und geriet im Laufe des Gesprächs in einen Rant über die dort an den Tag gelegte, völlig unethische Sicht auf Überstunden und das Verhältnis zur eigenen Arbeit.

Als jemand, der jahrelang dachte, dass er unbedingt bei Disney/Pixar arbeiten wollen würde und weiterhin großer Fan der Filme und Produkte ist, kann ich nicht gutheißen, wie mit den Leuten umgegangen wird, die für die Firma arbeiten. Es wird kein Hehl daraus gemacht, dass das Ende von jeder Filmproduktion in durchgearbeiteten Wochenenden und All-Nightern endet. Alle sagen, dass sie total erschöpft sind, aber auch wie sehr sie sich für ihren Job begeistern und es eben dazu gehört, dass am Ende die Zeit knapp wird.

Tut es das denn wirklich? Was bedeutet es, wenn ein professionelles Umfeld nicht aus Fehlern lernt? Entweder niemand bei Disney Animation hat bisher das Muster erkannt und ist jedes Mal neu überrascht, dass zur Produktions-Deadline hin alle ihre gesamte Freizeit opfern müssen, oder es ist allen egal, vielleicht sogar ganz lieb, weil man Geld spart. Ich würde mich jetzt nicht als Experten in Firmenführung bezeichnen, aber hier ist eine Idee: Man schaut auf die letzten Jahrzehnte der Filmproduktion zurück, nimmt den Mittelwert der Extrazeit, die man nicht einberechnet hat und addiert sie zu der Zeitschätzung der Produktionsdauer. Wow.

Klar. Parkinson‘s Law. Aber es ist nicht wirklich ein Gesetz, wenn man sich darum kümmert, dass die Prozesse funktionieren. Wenn Leute ihre Wochenenden, Abende und mentale Gesundheit opfern, läuft etwas falsch. Da kann man noch so ein großer Fan der Filme sein, noch so sehr daran glauben, dass man mit seiner Arbeit die Welt verändert und noch so sehr glücklich darüber sein, dass man seinen Traumjob bekommen hat. Niemandem wird Schaden zugefügt, würde Frozen 3 ein Jahr später veröffentlicht werden.


Abgesehen davon fand ich das Making Of toll. Liebe es Einblicke dieser Art zu bekommen. Tatsächlich mochte ich die Dokumentation so gerne, dass ich sie noch Tage später vermisste.

2001: A Space Odyssey – Arthur C. Clarke

Eigentlich beeindruckend, dass ich nach dem Autounfall, den Dune für mich darstellte, ein weiteres SciFi Buch aus der gleichen Zeit lesen wollte. Zum Glück bin ich so ein halsbrecherischer Daredevil und habe es gewagt.

Irgendwann versuchte ich den Film zu schauen, schlief in einer der endlosen, aber sicher sehr kunstvollen, Szenen ein und versuchte es nie wieder. Popkultur-Diffusion hat mich außerdem jahrelang glauben lassen, dass es eine Geschichte ist, in der es um eine verrückt gewordene AI geht. Das… ist völlig falsch! Wer hätte das Gedacht?!

Gefiel mir. Darf weiterhin als zeitloser Klassiker verstanden werden, ich erlaube es.

★★★★★

Old Man‘s War – John Scalzi

Einige Bücher kann man einfach so wegsnacken, wie wir coolen Kids gerne sagen. Dieses ist eines davon!
Was, wenn alte Leute wieder jung gemacht werden könnten um dann einen intergalaktischen Weltraum-Krieg zu kämpfen? Das beantwortet Old Man‘s War.

Ein perfektes Beispiel für optimales Mittelmaß, das in sich geschlossen perfekte Unterhaltung bietet. Die Story ist völlig in Ordnung. Die Charaktere auch. Die Ideen ebenfalls. Nichts ist herausragend, nichts ist störend und ich freue mich auf Teil 2.

★★★★★

Die Pest – Albert Camus

Dieses Buch hat in erster Linie einen guten Bildwitz geliefert. Die Leseerfahrung hielt sich allerdings in Grenzen.

Eigentlich habe ich erwartet, dass mir Camus einen guten Einblick in Absurdismus gibt, aber am Ende las ich eine Geschichte über eine Stadt, die einen Ausbruch der Pest erlebt und darüber, wie die Bürger damit umgehen. Vielleicht war der philosophische Unterbau für mich zu subtil und ich brauche explizit, dass jemand „Vorsichtig Philosophie!“ ruft, damit ich mitbekomme, wenn es passiert. So blieb für mich wenig hängen. Nach einem halben Jahr Real-Life-Pandemie hatte ich auch, wie ich im Zuge des Buches merkte, irgendwie kein Interesse an Geschichten über Pandemien. Ganz nett, wie viele Parallelen man entdecken kann, aber emotional bin ich mit Pandemien durch. Kann gerne das nächste globale Problem kommen.

★★★☆☆

Microsoft Surface Duo

Den digitalen Minimalisten in mir reizt am Surface Duo am meisten, dass man es zuklappen kann. Ein Smartphone, das nicht allzeit bereit vor einem liegt, bietet eine inhärente Nutzungshürde, die ich ganz verlockend finde.1

  1. Mal davon abgesehen, dass Android als Betriebssystem für mich weiterhin nicht in Frage kommt und Support der Multi-Screen-Funktionen offensichtlich nur oberflächlich vorhanden ist.↩︎

Hiking with Nietzsche – John Kaag

Ein weiteres dieser Bücher, die einerseits Sachbuch sind und einem ein Thema näher bringen, andererseits ein Form von Autobiografie des Autoren darstellen. Why Fish Don’t Exist und Das Evangelium der Aale verfolgten das gleiche Prinzip und gefielen mir auch sehr gut.

Vermutlich hätte ich mich im Vorfeld mehr mit Nietzsche beschäftigt haben müssen um dieses Buch wirklich zu verstehen. Kaag beschreibt einerseits, wie er mit 19 auf den Spuren von Nietzsche durch die Alpen reiste, andererseits, wie er die gleiche Reise wiederholt, aber mit Frau und Kind als Begleitung. Und wie Nietzsche sie ursprünglich selbst erlebte.

Dabei erklärt er worum es Nietzsche ging, gibt eine grobe autobiografische Abhandlung über dessen Leben und Ansichten und erklärt auf der Metaebene, wie Leute dessen Worte im Laufe der Zeit verstanden und wie er sie selbst einordnen würde.

Mir gefiel es richtig gut. Ich habe viel gelernt und es passte perfekt in meine aktuelle „Was ist eigentlich Philosophie?“ Phase. Aber ich denke, dass jemand, der sich besser mit Nietzsche auskennt, die Feinheiten und Meinungen des Buches besser zu schätzen wissen würde. Ich musste alles einfach als Information aufnehmen und konnte keine Vergleiche aufmachen und mitdenken.

Hat mir trotzdem sehr gefallen. Von vorne bis hinten.

★★★★★

Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins – Milan Kundera

Einige Buchtitel sind so berühmt, dass sie in mir eine völlig grundlose Antipathie gegen das Buch auslösen. Die ist auf nichts außer der Tatsache begründet, dass ich den Titel schon zu oft gehört habe. Zum Glück gibt es Menschen in meinem Leben, die mich dann überzeugen ihnen trotzdem eine Chance zu geben.

Was für ein Roman! Stilistisch wunderschön und besonders. Es gibt einen Erzähler, der ganz ungewöhnlich erzählt als wäre er der Autor des Buches. Es gibt verschiedene Handlungsstränge, die initial stark verschlungen, aber dann abrupt getrennt werden und auch nicht wieder zusammenfinden. Wie gesagt. Sehr besonders. Dass teilweise 10 Seiten am Stück philosophische Gedanken Platz finden, die witzig und intelligent sind, aber nur am Rande zur eigentlichen Geschichte gehören, hat mir auch sehr gut gefallen.

Es geht um Liebe und Freiheit. Darum, dass jede Entscheidung für etwas auch eine Entscheidung gegen unendlich viele Dinge ist, von denen man nicht mal ahnen, kann, dass sie Teil der Entscheidung waren. Und – entgegen der Aussage des Autoren, der aus irgendeinem Grund der Meinung ist, dass es sich hierbei nicht um ein politisches Werk handelt – es geht um Politik. Insbesondere darum, was kommunistische Diktaturen mit Menschen machen und inwiefern im Leid trotzdem ein Leben stattfinden kann, das die einzelnen nicht als Albtraum verstehen.

Fantastisch.

★★★★★

Dune – Frank Herbert

Meine Erwartung war, dass ich Dune lese und dann zu den Personen gehören kann, die endlos davon schwärmen, wie sehr dieses Buch aus 1965 den Weg für moderne Science Fiction bereitet hat. Das ist leider nicht eingetreten.

Anfangs war ich ganz angetan. Sehr dekorative Sprache und teils indirektes Storytelling, das einem erst mehr Fragen als Antworten mitgibt. Erinnerte mich ein bisschen an A Song Of Ice And Fire. Wo letzteres aber mit der Zeit interessanter, komplexer und fantastischer wird, hat mich Dune zum Ende hin so sehr genervt, dass ich die letzten 100 Seiten übersprungen und die Zusammenfassung des Endes auf Wikipedia nachgelesen habe.

  • Die ständigen inneren Monologe sind furchtbar.
  • Die mäandernden Beschreibungen irgendwelcher Felsformationen sind das langweiligste was jemals zu Papier gebracht wurde.
  • Alle Charaktere sind unsympathisch oder völlig verachtenswert. Warum ist die Mutter… so wie sie ist. Ekelhaft.
  • Irgendwie schwingt ein genereller rassistischer Unterton in der Geschichte mit

Das ist alles ärgerlich. Die Welt hat so viel Potential. Eigentlich will ich mehr über alles erfahren, aber der Weg rechtfertigt nicht das Ziel.

Ja. Nee.

★☆☆☆☆