Educated – Tara Westover

Wenn Die Schärfsten Gerichte der Tatarischen Küche mich teilweise an meine Kindheit erinnerte, aber in einer Light-Version, beschreibt Educated vieles von dem, was ich auch erlebt habe, aber in der Extremvariante.

Es fühlt sich falsch an zu sagen, dass meine Kindheit Parallelen zu der von Tara Westover aufweist, aber es ist faktisch korrekt. Vieles von dem, was sie empfand und von den Gründen, warum sie es empfand, finde ich auch in meiner Erinnerung. Will gar nicht zu sehr ins Detail gehen, gehört eher in eine Therapie als in einen Blogpost, aber das Buch hat mich stark berührt. Sowohl auf einem Empathie-Level, weil sie schon ziemlich krasses Zeug durchmachen musste, als auch aus ganz albernen Selbstmitleidsgründen.

Am Ende kam sie aus ihrer Situation und ich auch aus meiner. Dieses Buch ist besonders. Vielleicht nur subjektiv, aber ich glaube für jeden.

★★★★★

Daily News & Podcasts

Das Timing für diesen Eintrag könnte kaum besser sein. Vermutlich wird jede/r gerade in der einen oder anderen Form durch Nachrichten entstandene negative Emotionen empfinden.

Wie könnte es auch anders sein. Wortwörtlich jede einzelne Nachrichtenseite hat gerade etwaige Live-Posts, in denen sie jede noch so kleine Entwicklung in der Corona-Krise minutengenau festhalten.
Zeit Online macht das, wie immer visuell ansprechend, ganz toll angereichert mit Infografiken, Graphen, interaktiven Karten, allerhand steigenden Zahlen und allem, was jemand braucht, der informiert sein möchte.

Und sollte man nicht auch informiert sein? Wir befinden uns in einer der größten Krisen der Menschheit! Wen lässt das bitte kalt?

Mich nicht. Seit die Krise anfing, haben mich Nachrichtenseiten, die ich vorher eigentlich nur ein Mal am Morgen öffnete, wieder in ihren Bann gezogen. Mindestens jede halbe Stunde öffnete ich Zeit Online und den Tagesspiegel um mir die aktuellen Entwicklungen und Zahlen anzuschauen. Bis vorgestern, als ich mich an meine Ziele erinnerte und in mich ging um herauszufinden, wie es mir geht. Gestresst. Besorgt. Ängstlich. Beunruhigt.

Als ich darüber nachdachte, welche tatsächlich nötigen Erkenntnisse ich aus den letzten fünf Tagen intensiven Nachrichtenkonsums gezogen habe, fiel mir nicht viel ein. Seit zwei Wochen befand ich mich in sozialer Isolation1, ich weiß, welche Symptome auf eine Ansteckung hinweisen, dass Hamsterkäufe Quatsch sind und die Lage vermutlich noch eine Weile so bleibt. Zu wissen, wo genau wie viele Leute erkrankt, verstorben und genesen sind, ist völlig unnötig.
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  1. Als wäre das nicht sowieso mein Normalzustand.↩︎

When Breath Becomes Air – Paul Kalanithi

When Breath Becomes Air ist eines der Bücher, von denen ich von zehn verschiedenen Personen 10 Mal hörte, dass es sehr lesenswert sein soll. Im Zuge meiner Vorbereitungen zur Selbstisolation kaufte ich es dann endlich und stimme allen Empfehlungen zu.

Tod und Sterben sind Themen, denen ich bisher aus dem Weg ging. Gar nicht wegen einer irrationalen Angst vor beidem, sondern weil ich mich ungerne schlecht fühle. Am Ende des Buches vergoss ich viele Tränen, aber fühlte mich nicht unbedingt schlecht, sondern… emotional berührt. Auf eine gute Art.

Teile des Buches sind sehr detailliert medizinisch. Kalanithi war Arzt, daher ist das wenig überraschend. Anfangs war ich vor den Kopf gestoßen, weil ich mit vielen Begriffen nichts anfangen konnte, aber am Ende verstand ich, dass sie nötig waren um mir ein Gefühl für ihn als Person zu geben.

★★★★★

Twitter, Instagram & Reddit

Teil 5 der Reihe „Digitaler Minimalismus

Auf zynische Art und Weise kann ich dankbar sein, dass während meines großen Selbstexperiments zwei unerwartete Krisen eintraten. In Thüringen gab es eine Landtagswahl, die zu viel Furore führte und auf dem Planeten Erde gibt es eine Pandemie, die alle in Aufregung versetzt.

Beide Themen verfolgte ich nicht auf Social Media. Die Panik anderer, ihre kurzlebigen Meinungen und spontanen Interpretationen der Lage beeinflussen mich nicht. Vor einigen Monaten hätte ich noch gedacht, dass ich damit zu einem uninformierten Menschen werde. Jemand, der die Wichtigkeit dieser Themen nicht versteht. Aber ich lag falsch.

Die Themen sind wichtig. Keine Frage. Thüringen warf spannende Fragen und Herausforderungen auf, die weiterhin ungelöst sind und in Zukunft nur noch komplizierter werden. Keine dieser Fragen wurde durch das große Tohuwabohu auf Twitter gelöst.

Twitter ist nichts als ein digitaler Raum voller Leute mit starken Meinungen. In diesen Raum werden temporär wichtige Themen geschoben, alle rufen ihre Meinung in der Hoffnung andere zu überzeugen oder zumindest intelligent oder witzig zu wirken. Dann kommt das nächste Thema und das vorherige ist vergessen.

Man kann sich einreden – und ich tat das lange – dass Twitter ein wichtiger Bestandteil des öffentlichen Diskurses und dieses Herausposaunen und ständige Konsumieren von Meinungen unglaublich wichtig für die Aufrechterhaltung unserer Demokratie ist. Wenn man das so sagt, klingt das auch richtig gut. Man opfert sich für das größere Wohl! Allerdings ist es schwierig diese Meinung zu haben, wenn man sich die Nutzerzahlen und Zielgruppen von Twitter anschaut. Leute auf Twitter sind der Edgecase. Edgecases die mit Edgecases diskutieren und keine Ergebnisse präsentieren können. Kann man machen, bringt nur nichts.
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The God Game – Danny Tobey

Eine Review, die das Buch als “Like A Black Mirror Episode” beschriebt, ließ mich meine Ohren spitzen. Allerdings ist die Geschichte aus “The God Game” genau das, was es in einer tatsächlichen Black Mirror Folge schon gibt: Was, wenn eine AI Menschen durch Erpressung steuern würde?

Das Buch erzählt eine gute Geschichte mit guten Charakteren. Keine Frage. Kurzweilig und trotzdem umfangreich. Tatsächlich schafft Tobey es sogar technische Konzepte zu beschreiben ohne dabei kostbare Lebenszeit zu verschwenden. Allerdings ist die Geschichte so nah am Konzept der gleichen Black Mirror Folge, dass ich alles ein wenig vorhersehbar fand. War aber gut genug, dass ich Tobey künftig weitere Chancen geben würde.

★★★☆☆

NSA – Andreas Eschbach

Das einzig gute an diesem Buch ist die dahinterliegende Idee. Was wäre, wenn im deutschen Kaiserreich die digitale Revolution schon angefangen hätte und Social Media im zweiten Weltkrieg existierte und von Hitlers Schergen eingesetzt worden wäre?

Nicht mal Millimeter kann dieses Buch durch ihre bezaubernde Schönheit in ein gutes Licht rücken.

Eschbach beschreibt das, mehr schlecht als recht, auf rund 800 Seiten. 500 davon könnte man kürzen, in denen erklärt er lediglich, völlig grundlos, simple technische Konzepte, die der Geschichte nicht helfen. Die anderen 300 wären dann mit hölzernen Charakteren, für die man sich keine Sekunde in irgendeiner Form interessiert und schwachen Storylines gefüllt. Big oof, Andreas.

★★☆☆☆

On Digital Minimalism and Pandemics →

First, check one national and one local new source each morning. Then — and this is the important part — don’t check any other news for the rest of the day. Presumably, time sensitive updates that affect you directly will arrive by email, or phone, or text.

This will be really hard, especially given the way we’ve been trained by social media companies over the past decade to view our phone as a psychological pacifier.

Which brings me to the second part of the solution: distract yourself with value-driven action; lots of action. Serve your community, serve your kids, serve yourself (both body and mind), produce good work. Try to fit in a few moments of forced gratitude, just to keep those particular circuits active.

Cal Newport erklärt, wieso man im Pandemiekontext besonders anfällig für Social-Media-Dauerrefresh-Eskapaden ist und wie man sie umgeht.

On Writing – Stephen King

Dass ich weder Pläne habe Autor zu werden, noch großer Fan von Stephen King bin, merkte ich daran, dass mir dieses Buch wenig gab.

Gigabyte ist der heimliche Star dieses Fotos.

Es war interessant zu erfahren wie einer der bekanntesten Autoren unserer Zeit arbeitet, klar. Die ganzen Fun Facts zu seinen, mir größtenteils unbekannten, Werken waren an mir allerdings stark verschwendet. Weiß jetzt mehr über King als Person und habe auch einige realistische Tipps zu “kreativer” Arbeit daraus mitgenommen. So richtig genossen habe ich die Lektüre allerdings nicht.

★★★☆☆

Conversations With Friends – Sally Rooney

Ugh. “Normal People”, Sally Rooneys zweites Buch, gefiel mir tatsächlich sehr gut. Die Charaktere und ihre Probleme wirkten auf eine besondere Art realistisch und die Geschichte hat mir gefallen.

Hätte ich “Conversations With Friends” vor “Normal People” gelesen, hätte ich es vermutlich besser gefunden und “Normal People” schlechter. Das liegt daran, dass die Bücher und Charaktere sich merkwürdig ähnlich sind. Es wirkt als hätte Rooney nur so fünf Schablonen für Charaktere, die sie nimmt und auf ihre Protagonisten klebt.

Werde vermutlich kein drittes Buch von ihr lesen.

★★☆☆☆

Neue Fähigkeiten

Mich begeistert die Erkenntnis regelmäßig aufs Neue, dass einen – außer Zeitmanagement und fehlende Privilegien – nichts davon abhält neue Fähigkeiten zu erlernen. Sei es ein Instrument, ein Handwerk oder ein Programm. Was wiederum weitere neue Möglichkeiten und Chancen erzeugt.