Marcel schwärmt von Webflow

Vorweg, für alle Zyniker: Dieser Beitrag ist keine Werbung, sondern die aufrichtige Meinung einer Person, die durch das Entdecken eines neuen Werkzeugs plötzlich unglaublich viele neue Möglichkeiten gewonnen hat und begeistert ist.

Seit einigen Jahren begegnete mir immer mal wieder Webflow (Partnerlink) als Name. Weil ich mir zu verschiedenen Anlässen im Laufe der gleichen Zeit immer mal wieder Angebote wie Squarespace und Wix (Ich weiß… aber ich arbeite jeden Tag in einem Tool namens Figma, was soll ich sagen) anschaute, nahm ich an, dass es sich bei Webflow um einen weiteren, mittelmäßigeren Website-Baukasten handelt.

Ich hätte falscher nicht liegen können.

Webflow ist offenbar ein visuelles Interface für HTML und CSS. Alles, was sonst Zeilen von Code wären, sind hier Inputfelder, Regler, Slider und andere interaktive Elemente. Alles, was man sonst nur durch speichern und Browser-Reload sehen würde, sieht man live auf der Canvas.

Theoretisch kann ich HTML und CSS. Praktisch stagnieren meine Fähigkeiten irgendwo in 2010. Durch Webflow habe ich erfolgreich CSS Grids und Flexbox eingesetzt und innerhalb kurzer Zeit eine Seite gebaut, die vorher einfach nicht im Bereich meiner Fähigkeiten gelegen hätte. Und das Ergebnis davon ist Code der, wenn man meinen Webdeveloper-Freunden vertrauen kann, zumindest nicht völlig peinlich ist. Nicht, dass ich riesigen Wert auf die Qualität meines Codes legen würde, wie man an diesem Blog seit 2006 sehen kann.

Weiterlesen

Piranesi – Susanna Clarke

Mir gefallen übermäßig kreative Konzepte meistens nicht besonders gut, weil Makel umso intensiver auffallen. Piranesi hatte eine echte Chance von mir gehasst zu werden, stattdessen habe ich es, trotz seines übermäßig kreativen Konzepts, geliebt.

Das Problem an diesem Buch ist, dass man die beste Leseerfahrung hat, wenn man sich einfach darauf einlässt, ohne vorher etwas darüber erfahren zu haben. So las ich es, weil man mir das Buch entsprechend empfahl und so möchte ich es weitergeben.

Dinge, die ich verraten kann: Es lässt einem mit vielen Bildern und Fragen zurück, beantwortet aber genug um nicht unbefriedigend zu sein. Nur noch eine Sache: Es geht nicht, wie es das Cover vermuten lassen könnte, um Fantasie-Kreaturen. Diese Vermutung hat mich lange vom Lesen abgehalten und ich war froh, dass meine Annahme falsch war.

Kaufen. Lesen. Genießen. Sind auch nur 250 Seiten.

★★★★★

██████░░░░░░ 50%

Berlin ist weiterhin nicht meine Lieblingsstadt, aber mit der allgemeinen Freigabe von AstraZeneca hat sie ausnahmsweise etwas gemacht, das in mir Wohlwollen weckte.

Bekam gestern um 16 Uhr meine erste Ladung. Hatte heute Nacht leichten Schüttelfrost und gerade ein bisschen Kopfschmerzen und Schwindel, aber alles nicht der Rede wert. Ende Juni bekomme ich die zweite Spritze und zwei Wochen danach erkläre ich das offizielle Ende meiner persönlichen Pandemie.

Fühlt sich aktuell noch sehr unwirklich an. Ich ging seit Dezember 2020 stoisch entspannt davon aus, dass sich die Pandemie für mich noch bis 2022 hinziehen wird. Jung, gesund, wenig Gründe das Haus zu verlassen hat mich nicht unbedingt an die Spitze der Priorisierung befördert. Jetzt ging alles plötzlich so schnell und es macht mich sehr glücklich.

The Invention of Nature – Andrea Wulf

Was für ein Buch! Was für ein Typ! Als versierter „Book by the Cover“ Judger, nahm ich The Invention of Nature: The Adventures of Alexander von Humboldt im Buchladen in die Hand, weil ich es hübsch fand, war dann aber vom Klappentext nicht sehr begeistert, weil „Was weiß ich schon über Humboldt, vermutlich so ein alter Sexist und Rassist, der zufällig am richtigen Ort war“ mein erster Gedanke war.

Natürlich kaufte ich es dann, weil mir der „Was weiß ich schon“ und „Vermutlich“ Teil meines Gedankens nicht gefiel und ausgemerzt werden musste.

Großartig! Eine Biografie über Humboldt, die sich liest, als wäre es ein Sachbuch-Abenteuerroman. Was für ein Typ! Was für ein Leben! Offenbar kein Sexist, ganz im Gegenteil. Auch das Gegenteil eines Rassisten. Wie beruhigend für alles, was nach ihm benannt wurde!

Sehr, sehr lesenswert. Bin sehr beeindruckt von der Person Alexander von Humboldts als auch vom Buch selbst. Kurzweilig, gespickt mit spannenden Informationen und Exkursen zu anderen wichtigen Leuten (Napoleon! Darwin! Jefferson!) und sehr bereichernd, wenn man, wie ich, keine Ahnung hat.

★★★★★

Foundation – Isaac Asimov

Meine Beziehung zu alten SciFi Büchern ist ambivalent. Mal gedanklich beeindruckend und spannend, mal stark überholt und nur noch als ganz witziges historisches Werk von Wert. Foundation ist beides in einem.

Die Geschichte ist fantastisch und gigantisch, spannt sich über hunderte Jahre und Generationen von Menschen, die sich in politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen wiederfinden, die in der Größe beeindruckend sind.

Leider ist das Buch schrecklich langweilig – und wenn wir ehrlich sind, nicht besonders gut – geschrieben. Umso besser gefällt mir, dass bald alle Apple TV+ Serie rauskommen soll, die die Story aufgreift, aber hoffentlich den langweiligen Stil kompensieren wird.

Unrelated Fun Fact: Zu Wool, einer meiner Lieblingstrilogien, kommt vermutlich auch bald eine Apple TV+ Serie! Das wird ein Fest.

Wie auch immer. Foundation, als Buch, war nichts.

★★☆☆☆

11 Tage

Als ich vor 11 Tagen meinen stählernen Körper waschend in der Dusche stand, dachte ich darüber nach, dass ich gerne besser über den Impffortschritt informiert wäre. Dann fragte ich mich direkt, warum ich das eigentlich wollen würde. Dann, warum ich denke, dass ich überhaupt jeden Tag über die aktuellen Nachrichten informiert sein sollte.

Bringt mir gerade nichts, dachte ich beim Abtrocknen und habe seitdem keine Nachrichten mehr gelesen, gehört, oder angeschaut. Alle tatsächlich relevante Informationen wurden durch Gespräche mit Freunden an mich herangetragen. Ich bin weniger, aber nicht schlechter informiert. Was will ich mehr. Ich liebe es.

Seit einem Jahr passieren täglich tausende Sachen, die mich wütend machen. Jeden Tag 2-3 dumme Aussagen von irgendwem. Jeden Tag das unverantwortliche Verhalten vom Großteil der Gesellschaft. Jeden Tag Zahlen, die steigen, sinken, oder gleichbleibend sind. Dazu der ständige Vergleich mit anderen Menschen, Städten, Ländern, Kontinenten.

Man könnte mich dafür kritisieren, dass man nicht die Augen vor der Welt und all ihren Abgründen verschließen darf. Mache ich aber. Vermutlich wird die Welt darauf verzichten können, dass ich weiß, was welche Kanzlerkandidat:innen gesagt haben. Vielleicht ist es okay, wenn die Impfungen langsam mehr werden, während ich nicht täglich über die genauen Zahlen informiert bin. Mein Pandemie-Verhalten ist seit März 2020 das gleiche, weil absehbar war, wie kluges Verhalten aussehen wird. Wenn Wahlen sind, wähle ich Parteien nicht nach dem aktuellen Wahlprogramm, oder Politikern und dem, was sie gerade sagen, sondern übergreifenden politischen Strömungen. Das war schon immer besser als reaktionäre Entscheidungen zu treffen.

Ich optimiere mein Leben für möglichst viel Glück. Wenn mich etwas täglich wütend macht, klingt es wie eine Sache, die kritisch betrachtet gehört. Gerade hilft mir das völlige Ausblenden der Außenwelt dabei, auch die Zielgerade der Pandemie mit guter Laune zu durchleben. Wenn ich mir anschaue, wie es anderen täglich geht, mache ich, in meiner gemütlichen Blase ohne Social Media und Nachrichten, etwas richtig.

Ancillary Justice – Ann Leckie

Ancillary Justice ist eines dieser Bücher, über die man ständig stolpert, wenn man SciFi mag und versucht die aktuell hochgelobten Bücher zu entdecken. Leider gefiel es mir nicht.

Vielleicht ist es der weiße, alte Mann in mir, aber Leckies Versuch ein Universum ohne sprachliches Geschlecht zu erschaffen, ging meiner Meinung nach schief. Ihr Ansatz hat zwei Ebenen: Es gibt Völker, in denen Geschlecht keine Rolle mehr spielt, aber auch welche, bei denen es eine Rolle spielt, aber unabhängig vom biologischen Geschlecht ist. Außerdem sprechen die Charaktere verschiedene Space-Sprachen (allerdings alle ins Englische übertragen), aber einige haben linguistische Geschlechtsformen, andere nicht. Das alles kombiniert führt zu einem Tohuwabohu, das dazu führte, dass ich einige Absätze drei Mal lesen musste, damit ich verstehe, wer sich auf wen beziehen könnte.

Ich verstehe und respektiere den Versuch, habe aber schon erheblich erfolgreichere Varianten von „Gender in Space“ gesehen. Velocity Weapon von Megan E. O’Keefe ist dahingehend erheblich angenehmer und nicht weniger woke.

Dass einer der Charaktere eine AI eines gigantischen Kriegsschiffes ist, die ursprünglich hunderte Menschenkörper steuerte, aber jetzt nur noch in einem einzigen Körper gefangen ist, hilft auch nicht.

Dazu kommt, dass Leckie offenbar kein Interesse an Spannung hat. Es ist ein Buch voller Dialoge, die sich wild aufeinander beziehen, aber so wirklich passieren tut nichts.

Es gefiel mir nicht, aber war sehr eigenartig. In beiden Auslegungen des Wortes. Auf die folgenden Teile der Serie werde ich verzichten.

★★☆☆☆

Dare to Lead – Brené Brown

Als ich vor einiger Zeit vor der Frage stand, ob ich mehr Personalverantwortung annehmen möchte, kaufte ich eine Handvoll Bücher, die sich grob um Management drehten. Einige davon las ich allerdings nie. In einer Buchmangel-Phase nahm ich mir Dare to Lead vor und… fand es schlimm.

Brené Brown ist sicherlich nicht grundlos eine sehr angesehene Person, die vielen Leuten mit ihrer Arbeit hilft. Dieses Buch ist allerdings nichts anderes als eine Aneinanderreihung von Anekdoten aus ihrem Arbeitsleben und der ständig wiederholten, ach so amerikanischen Erkenntnis, dass man sich verletzlich machen muss, damit ein gutes Miteinander entstehen kann.

Der Schreibstil gefiel mir ebenfalls nicht, weil ich generell ungerne Bücher lese, die sich anfühlen, als würde jemand inspirierende LinkedIn-Einträge abdrucken. Dass selbst das Layout teilweise dafür optimiert ist, dass man die tollen Catchphrases und Trueisms abfotografieren und bei Instagram teilen kann, spricht ebenfalls für sich.

Zwei Sterne, weil ich vermutlich einfach die falsche Person für dieses Buch war. Es gibt Leute, die diesen Stil mögen und oft hören müssen, dass sie offen und ehrlich kommunizieren dürfen.

★★☆☆☆

Breath – James Nestor

Es gibt viele Gründe dafür, dass ich schnell raus bin, wenn etwas auch nur ganz leicht nach Pseudo-Science riecht. Keine Handbreit dem Schwachsinn. Allerdings schafft James Nestor mit Breath, dass ich am Ende wirklich davon überzeugt war, dass die Medizin dem Komplex Atmung nicht genug Aufmerksamkeit schenkte.

In Deep, einem seiner vorherigen Bücher, hat Nestor Extremtaucher begleitet, die ohne Equipment nahezu ewig unter Wasser bleiben können. Darauf aufbauend ist Breath: Wenn Atmung bei diesen Tauchern eine für jeden trainierbare Fähigkeit ist, was kann sie sonst noch beeinflussen?

Ich fand das buch sehr(!) interessant. Teilweise leider etwas schwach, was wissenschaftliche Hintergründe angeht, was Nestor aber gut damit begründet, dass Atmung einfach ein im westlichen Raum missachteter Teil der Medizinhistorie ist. Er bringt aber genug und sehr breit gestreute Beispiele und Theorien an, dass ich letztendlich mit einem Gefühl von „Da kann was dran sein“ aus dem Buch ging.

Lesenswert und kurzweilig.

★★★★★

The Last Emperox – John Scalzi

The Last Emperox ist das Ende der aus The Collapsing Empire und The Consuming Fire bestehenden Trilogie über eine Menschheit, die über weite Teile des Universums verteilt ist und seine Space-Autobahnen verliert.

Bei den ersten beiden Teilen dachte ich noch, dass es nur so langweilig ist, weil die Welt noch aufgebaut wird und gab ihnen in meiner Bewertung Pluspunkte, weil ich mich darauf freute, dass diese Arbeit sich letztendlich lohnen wird. Wenn jemand so viel World- und Characterbuilding betreibt, muss er einen großen Plan verfolgen.

Leider war dem nicht so und ich wäre überrascht, wenn ich mich in einem Jahr noch an große Teile der Geschichte erinnern könnte. Bisschen generisch. Florenz hat es ausführlicher aufgeschrieben und ist meiner Meinung.

★★★☆☆

Originals – Adam M. Grant

Irgendwas an der Infrastruktur meines Buch-Nachschubs holperte und ich stand plötzlich ohne Lesestoff da. In einem Anflug von Verzweiflung, griff ich zu meinem alten Kindle Voyage und fand dieses ungelesene Buch darauf. Warum nicht mal lesen, dachte ich mir.

Hätte ich mir sparen können. Lose aneinandergereihte Anekdoten von erfolgreichen Leuten, die in irgendeiner Form etwas gemacht haben, das „original“ war. Jedes Kapitel fängt mit einer totaaal inspirierenden Geschichte zu einer neuen Person an, die im Rest des Kapitels grob in das übergreifende Themenkonstrukt gepresst wird.

Habe mir ein paar Sachen notiert, die ich interessant fand, aber insgesamt war das nichts.

★★☆☆☆

Recommendation Anxiety

Es fehlt ein Wort für das Gefühl, wenn man ein von YouTube empfohlenes Video zwar sehen, aber nicht für die nächsten Wochen ausschließlich vergleichbare Videos vorgeschlagen bekommen möchte.