The Ballad of Songbirds and Snakes – Suzanne Collins

Dieser Text wird Spoiler zum neuen Hunger Games Buch „The Ballad of Songbirds And Snakes“ enthalten. Sowohl zur original Trilogie als auch zur Handlung des aktuellen Buches. Nach dem Bild geht es so richtig los. Dies ist eine offizielle Warnung. Aber vorweg: Ich fand das Buch nicht so wirklich gut.

Das war ja wohl nichts. Die Originalbücher habe ich geliebt. Tolle Welt, tolle Charaktere, tolle Storyline. Die Idee die Hintergrundgeschichte von Präsident Snow zu erzählen, gefiel mir in der Theorie auch. Mir gefällt sogar die Geschichte, die „The Ballad of Songbirds and Snakes“ erzählt. Allerdings wird sie einfach nicht gut erzählt.

Snow ist unsympathisch und ein Psychopath. Keine große Überraschung, wenn man bedenkt, was er später wird. Allerdings macht es keinen Spaß einen Protagonisten zu haben, der irgendwie gleichzeitig Antagonist ist, weil man ihn nie wirklich leiden kann. Trotzdem wirkt es, als würde das Buch versuchen ihn sympathisch wirken zu lassen. Aber natürlich auch nicht zu sehr, damit später nicht zu überraschend ist, dass er allen in den Rücken fällt und ein Arsch ist.

Ich mochte, dass mir mehr von der Welt gezeigt und erklärt wurde. Man erfährt einiges über die Geschichte der Hunger Games und wie Dinge, die man aus den später spielenden Büchern kennt, entstanden sind. Eigentlich eine gute Erweiterung der Welt. Diese spannenden Informationen sind allerdings in einer Geschichte verpackt, die weder spannend, nett oder emotional ist. Jeder Twist ist um drei Ecken zu erwarten, die Sekundärcharaktere sind flach und einige aufgemachte Storylines bleiben einfach unbeendet.

Sehr schade. Vielleicht wird der Film besser.

★★★☆☆

15 Minutes Of Fame

Sollte die deutsche Corona-Warn-App irgendwann dann doch mal rauskommen, werden sehr viele Leute endlich ihre 15-Minutes of Fame genießen, weil sie „Ich habe immer gesagt, dass die nicht funktionieren wird!“ in eine Kamera sagen können. Ungeachtet der Tatsache, dass nicht die App das Problem ist, sondern der Fakt, dass alle irgendwie entschieden haben, dass eine Pandemie vorbei ist, wenn man keine Lust mehr drauf hat.

Why Fish Don’t Exist – Lulu Miller

Lulu Miller ist Host eines sehr guten Podcasts von NPR. Bei Invisibilia berichtet sie in bekannter NPR-Qualität über Geschichten, die in irgendeiner Form mit Psychologie, Wissenschaft und letztendlich immer Menschen zu tun haben.

Letztens war sie zu Gast bei Radiolab, einem meiner Top 3 Podcasts und ich habe, kurz nachdem sie sagte, dass sie gerade ein Buch rausgebracht hat, die Folge gelöscht und das Buch bestellt. Keine Spoiler.

Das Buch als Objekt ist auch wunderschön. Tolle Typografie und Illustrationen am Anfang jedes Kapitels. Erste Sahne.

Das Buch ist wie einer dieser fantastischen Podcasts, die Leute in Deutschland selten kennen, weil sie denken, dass entweder ein mittelmäßiger Moderator Host sein muss, oder es ausreicht, wenn zwei durchschnittlich witzige Personen weiße Männer miteinander über die Themen der Woche reden. Hier ist mein Versuch gute Podcasts und damit dieses Buch zu erklären: Es fängt an mit einer kleinen, interessanten Sache. Im Buch: Typ um 1890 herum sammelt Fische und sortiert sie, bis ein Erdbeben die Fischsammlung, in die er 30 Jahre investierte, zerstörte. Dann wird diese kleine Geschichte mit anderen Dingen verbunden, mit weiteren, völlig unglaublichen, aber tatsächlich wahren Fakten erweitert und am Ende ist man ganz mitgenommen. Weil es so schön, traurig, überraschend oder interessant war.

Das macht Lulu Miller auch in „Why Fish Don‘t Exist“. Es ist ein Mix aus Biografie, Autobiographie, Philosophie und Psychologie, der am Ende an einem Punkt ankommt, der mich tatsächlich anderthalb Tränen hat verdrücken lassen. Eines der besondersten Bücher von allen, die ich bisher las.

★★★★★

Ein Ganzes Leben – Robert Seethaler

Auf Goodreads kritisieren einige Leute dieses Buch dafür, dass der Protagonist keine besondere Figur mit besonderen Erlebnissen und Ansichten ist. Mir gefiel genau das sehr gut.

Ein ganzes Leben. Von Anfang bis Ende. Ein Leben, wie es seine realistischen Höhepunkte und Tiefen präsentiert. Nichts davon wirkt bombastisch, alles allerdings echt und greifbar. Geschichten entwickeln nicht nur einen Wert, wenn die Geschehnisse außergewöhnlich sind. Sage ich mal so.

Hat mir gut gefallen. Kurz, präzise, schön. Nichts zu meckern.

★★★★★

032020: Cat Person →

Christoph Rauscher:

When I walk around my neighborhood now, everything seems to be back to normal. The bridges and parks are full of people, the smell of weed and take-away pizza is everywhere. I get invitations to gatherings; people are dating again; and when I hear loud house music from a party in the park, I want to believe that we can all relax and live summer as we were used to. But I don’t think I’m ready yet, to be honest. It doesn’t feel right.

Ja. Geht mir auch so. Und obwohl es moralisch falsch ist, erwische ich mich, wie ich mich an den Anfang der Pandemie zurückwünsche. Nicht weil viele Leute Angst hatten und starben, sondern weil ich die allgemeine Ruhe genossen habe. Oft fühle ich mich von der Welt gehetzt, weil sie mir das Gefühl gibt, dass ich mehr und öfter etwas unternehmen sollte. Dieses Gefühl kommt jetzt wieder. Was insgesamt, so für die Gesellschaft, vermutlich eine gute Sache ist. Für die Marcellschaft eher nicht.

The Creativity Code – Marcus du Sautoy

Eine Mogelpackung in Buchform. Als Sachbuch darüber, inwiefern AI kreativ sein kann verkauft, ist es am Ende mehr ein Buch über Mathematik als alles andere.

Mir ist schon klar, dass es sich bei AI und Algorithmen primär um Mathematik handelt, aber ich hätte nicht erwartet, dass sich ganze Kapitel um die Geschichte von Mathematik, die Entdeckung von Primzahlen und die mögliche Schönheit von Gleichungen und mathematischen Herleitungen drehen.

Nach einem ganz interessanten Anfang habe ich zum Ende hin dutzende Seiten nur grob überflogen.

★★☆☆☆

Ein dreidimensionaler Schriftzug

Heute wollte ich herausfinden, wie man in Blender mit Typografie umgeht. Klingt wieder relativ leicht, allerdings musste ich dafür tatsächlich ein Tutorial gucken und ein Add-On installieren. Was jetzt kein Hexenwerk war, aber halt auch nicht die Definition von selbsterklärend.

Mein Ziel war es einen Schriftzug zu bauen, der grob dem von Thinko ähnlich ist. Hat geklappt, würde ich sagen. War letztendlich auch relativ schnell gemacht. Nach und nach erarbeite ich mir allmählich das nötige Wissen um bald mit den ersten tatsächlichen Interface-Experimenten zu starten.

thiccboi.blend

Sieht nach nichts aus, aber wortwörtlich alles an diesem Ergebnis war ein Kampf. Ich habe viel gelernt und das nächste Mal werde ich deswegen vermutlich nicht fast zwei Tage und 30 Versuche für jeden einzelnen Aspekt brauchen. Bin mit diesem Ergebnis recht zufrieden. Es ist zumindest nicht peinlich. Sogar die Topologie, wie wir professionellen 3D-Artist gerne sagen, ist nicht völlig mies. Der Bart könnte besser sein, allerdings konnte ich meine kreative Vision nicht durch meine Fähigkeiten abdecken, also nutze ich jetzt einen Particle Emitter, der random die Haare anordnet, was zu dieser mittelmäßigen Optik führt.

Mein Interesse an diesem Model hat sich jetzt allerdings auch verflüchtigt und ich bin bereit für neue Abenteuer im dreidimensionalen Raum.

Blogs in deutscher Sprache und Wege zum Glück

Manchmal erhalte ich Leserzuschriften von Leuten, die den gleichen Vornamen haben, wie ich. Pfadfinderehrenwort, dass ich mir nicht selbst E-Mails schreibe. Ehrlich. Und selbst wenn, dann hätte ich mir hier selbst eine interessante Frage gestellt, was sie nicht schlechter machen würde:

Hallo Marcel,

ich habe eine kurze Frage an diesem grauen Vormittag: Hast du jemals irgendwo erklärt, warum du nicht mehr auf Englisch und doch wieder auf Deutsch bloggst, obwohl deine Betriebssysteme auf Englisch sind, du englischsprachige Bücher liest und mit AR doch auch ein ziemlich internationales Thema gefunden hast? Das würde mich wirklich interessieren, weil ich mich einfach nicht entscheiden kann, was sowohl kurz- als auch langfristig die bessere Entscheidung ist.

Danke für eine Antwort,
Marcel

Danke für die Frage, Marcel. Dieser Blog fing auf Deutsch an, war dann ein paar Jahre primär in englischer Sprache verfügbar und ist jetzt offensichtlich wieder deutsch.

Als ich damals anfing auf Deutsch zu schreiben blieb mir keine Wahl, ich konnte kein Englisch. Als dann absehbar war, dass mein eigener Anspruch an mich die örtliche und sprachliche Provinz übersteigt, wechselte ich auf holpriges Englisch um besser darin zu werden und die Wahrscheinlichkeit zu steigern, dass internationales Publikum mich als Designer und intelligenten Menschen entdeckt.

Über die Jahre merkte ich, dass ich weder eine berühmte Person im Internet sein möchte, noch ein angesehener Designer in einer der sechs angesagten Tech-Firmen aus Silicon Valley. Angebote gab es, aber meine anfänglichen Versuche in Selbstreflexion ergaben, dass mich das nicht glücklich machen würde. Maximale Leserzahlen, Follower und Reichweite interessieren mich ebenfalls nicht. Nichts davon wird in mehr Glück resultieren.

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Angie McMahon – Pasta →

Als ich vor etwas über einem Jahr diesen Song (und das Video!) entdeckte, passte er gut zu meiner Lebenssituation. Ich habe ihn voll gefühlt, wie wir jungen Leute zu sagen pflegen. Als die magische YouTube-AI ihn mir gerade erneut empfahl, wunderte ich mich, wie er nicht zur Pandemie-Hymne 2020 geworden sein konnte.

Die Entdeckung der Langsamkeit – Sten Nadolny

Wenn man historische Romane als invertiertes Science Fiction betrachtet, kommt man schnell zum Ergebnis, dass sie sich eine Scheibe von der SciFi-Nutzerfreundlichkeit abschneiden sollten.

Bin ich Seefahrer, der Freude daran empfindet wenn ihm hunderte nautische Begriffe um die Ohren geworfen werden? Nein. Bin ich Wissenschaftler aus dem Jahr 2382, der versteht wie ein Space Elevator funktionieren würde? Auch nicht. Aber wenn unbekannte Konzepte in SciFi-Büchern erwähnt werden, dann auf eine Art, die erklärend und faszinierend ist. Historische Romane setzen häufig voraus, dass man sich in der Zeit und Themen zurechtfindet. Was die ersten 100 Seiten von Die Entdeckung der Langsamkeit für mich zu einer Qual machten.

Mal davon abgesehen, dass diese Ausgabe überraschend viele Grammatik- und Tippfehler aufweist, kam ich anfangs so gar nicht in die Geschichte. Seefahrt! Voll spannend. Eine halbe Seite Beobachtungen irgendwelcher Segel, Taue und Bereiche eines Schiffes, die alle ausschließlich mit ihren nautischen Namen erwähnt werden: Nicht so spannend!

Eigentlich ärgerlich. Das Konzept historischer Roman gefällt mir gut. Die gesamte Geschichte dieses Buches basiert auf echten Ereignissen und ich mag, dass man so grobes Halbwissen über Dinge in der echten Welt erfährt, während man gut unterhalten einer Geschichte folgt. Die eigentliche Geschichte des Protagonisten ist auch absolut faszinierend. Die Form hat mir allerdings bis zum Ende nicht gefallen. Erklärt auch, warum ich ganze 9 Tage für dieses 350 Seiten Buch gebraucht habe.

★★★☆☆

Mein erster dreidimensionaler Handjob

Als ich vor einigen Wochen diesen Toot schrieb, entstand er im Kontext meines Auftauchens aus einigen Tagen intensiver Deliberate Practice. Manchmal kommt alles zusammen. Man ist seit Monaten von den 3D Illustrationen begeistert, die Pitch benutzt. Dann findet man sich mit der Tatsache ab, dass AR die Zukunft sein wird. Und plötzlich verbringt man mehrere Tage am Stück in Blender und versucht eine völlig neue Software und Form der Gestaltung zu lernen.

Mein erstes großes Ziel war, in der Lage zu sein eine Hand zu bauen, die grob so aussieht, wie die von Pitch. Für die sind offenbar in erster Linie Anna Kajda und Arek Kajda verantwortlich. Ehre, wem Ehre gebührt.

Das klingt relativ überschaubar, aber wenn man dann das erste Mal vor 3D-Software sitzt und absolut keine Ahnung hat, ist das schon eine Herausforderung, die sich gewaschen hat. Als ich gestern fast den gesamten Nachmittag damit verbrachte, etwaige Versionen von Händen zu bauen, war ich sehr stolz, als am Ende eine Hand zu sehen war, die zumindest eine Ähnlichkeit zu meinem Ziel aufwies. Und, so als Laie, würde ich sagen, dass sie sogar handwerklich gar nicht superschlecht gemacht wurde.

Großen Spaß macht mir das alles. Die reine Tatsache, dass mich außer Konzentration und Fleiß absolut nichts davon abhält dieses völlig neue Skillset zu erlernen, beflügelt mich richtig. Nils hat auch gerade (wieder) angefangen Blender zu lernen und das Tutorial von dem er spricht, war auch mein erstes. Große Empfehlung, wenn man noch gar keine Erfahrung hat und mit 3D Gestaltung anfangen möchte.