Like a Gull Takes to the Wind

Da bitte, eine skeptische Möwe.

Dass mir alles in Blender unendlich schwer fällt und ich 200 Anläufe für jede Kleinigkeit brauche ist einerseits irgendwie peinlich, andererseits auch genau das, was mich so sehr reizt. Alles ist eine Herausforderung. Die kleinsten Ansprüche erzeugen völlig ungeahnte Schwierigkeiten. Mit dem richtigen Mindset kann man sich also hinsetzen, eigentlich nur kurz etwas probieren wollen und drei Stunden später hat man vierzig Tabs offen und zwanzig neue Sachen gelernt.

Deliberate Practice, ein Konzept, das ich im Zuge von Digital Minimalism kennengelernt habe, ist wirklich eine Art Cheat-Code für das Leben. Wenn man seine Fragen richtig formuliert, ordnet und bereit ist strukturell daran zu arbeiten sie zu beantworten, gibt es gar keine Alternative als Fortschritt. Wenn ich so weitermache wie in den letzten Monaten, gibt es keine Realität in der Zukunft, in der ich nicht einfach gut in 3D-Modeling sein werde. Physikalisch unmöglich. Irgendwie beruhigend.

Wie funktioniert gutes UV-Unwrapping? Wie rigged man ein Model? Wie animiert man etwas vernünftig? Wie zur Hölle funktioniert ein gutes Licht-Setup? Was sind Nurbs? Warum reden alle von Flipped Normals? Wie funktionieren Shader? Alles gleichzeitig überfordernd und eine ganze Welt, in die man eintauchen und was lernen kann. Man muss nur dranbleiben.

Ein fliegendes iPhone

Habe im letzten Monat sehr viel Zeit in Blender verbracht. Viele Experimente sind auf rein experimentellem Level. Wie damals, als ich mir Photoshop beibrachte, verbringe ich in Blender massig Zeit mit dem Beantworten von Fragen. Wie macht man eigentlich? Was, wenn ich das hier mache? Wie funktioniert A, wenn B? Allerdings bin ich jetzt an einer Stelle, wo ich die meisten Sachen zumindest schon mal gehört und gesehen habe und irgendwas brauche, das ich tatsächlich umsetzen kann.

Hatte für dieses Experiment nur diesen leicht veralteten Screen der MindDoc (ehemals Moodpath) App, für deren Konzeption und Gestaltung ich verantwortlich bin. Beste Mental Health App auf dem Markt. Vertraut mir.

Über die Jahre habe ich von mir gelernt, dass es mir leichter fällt Tools zu lernen, als mit diesen Tools tatsächlich etwas zu machen. Man kann kaum scheitern, wenn das Ziel ist ein Werkzeug zu beherrschen. Hammer nehmen, mit genug Geschwindigkeit auf Nagel in senkrechter Position auf Material mit angemessener Dichte schlagen. Fähigkeit: Gelernt! Diese Fähigkeit zu nutzen um ein Haus zu bauen? Ganz andere Fallhöhe. Eine Fallhöhe, mit der ich noch nie gut umgehen konnte.

Der Post-It an meinem Türrahmen, der mich täglich daran erinnert, dass ich für 3D, VR und AR bereit sein muss, lässt aber leider nicht zu, dass es reicht theoretisch etwas zu beherrschen. Ich muss gut werden. Also brauche ich kleine, dämliche Projekte. Wie man einen iPhone-App-Screen in einem stilisierten Smartphone in 3D bauen würde, war so ein Projekt. Kostete mich nur einen gesamten Vormittag. Aber hey.

Chungus Cat

Auf meiner Reise durch die spannende (Wirklich! Ich habe so viel Spaß!) Welt der 3D-Kunst gerate ich von einem „Oh, das ist ja interessant!“ Themen-Loch ins nächste. Diese Katze ist das Ergebnis, das aus der Frage resultierte, wie man eigentlich handgemalte Texturen erstellt.

Antwort: Nicht wirklich in Blender. Es geht, theoretisch, aber praktisch ist es dann für jemanden, der Procreate und Photoshop als digitales Malwerkzeug gewöhnt ist, eher eine Qual. Substance Painter scheint darauf die Antwort zu sein. Ich stümperte mich also durch eine weitere hochkomplexe Software. Die Katze ist süß, technisch allerdings nicht beeindruckend oder sauber. Ich lernte allerdings viel.

Wenn jemand sie für 1-2 ETH kaufen möchte, kann ich sie auf einer der NFT Plattformen anbieten. Gar kein Ding.

In der Zwischenzeit – Januar 2021

Der erste Monat des Jahres des vermeintlichen Endes der Pandemie zog schneller an mir vorbei als die Zugluft beim Stoßlüften, würde ich mich mit Leuten in vier Wänden treffen! Zur Feier des neuen Jahres dachte ich mir, dass ich mich an so Monats-Updates versuchen könnte. Allerdings weiß ich nicht, ob mir gefällt, dass die Bücher des Monats keine einzelnen Beiträge mehr sind, sondern nur noch eine Liste am Ende dieser Beiträge. Kommentare mit Meinungen zu diesem Thema werden in die Entscheidungsfindung einfließen.

Eine Lehre des Januars ist, dass ich mehr Spaziergänge machen muss. In 2020 habe ich das sehr gewissenhaft regelmäßig in meinen Alltag integriert. Im Januar fiel mir teilweise, aus Ermangelung an Himmel, die Decke auf den Kopf.

Mein Medienkonsum beschränkt sich in erster Linie auf Bücher, maximal Serien. Filme haben seit dem Ende des Konzeptes Kino keinen Platz mehr in meinem Leben. Allerdings sah ich im Januar endlich Ladybird und war sehr angetan. Bin sowieso Fan von Mumblecore und der Film war damit bei mir an der richtigen Stelle.

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365 Tage ohne Social Media

Heute vor genau einem Jahr habe ich alle Timelines und Social Networks aus meinem Leben verbannt. Damals konnte ich mir, nach über 10 Jahren täglicher Nutzung, nicht mehr vormachen, dass man Social Media nur richtig einsetzen muss, damit es einen wertvollen Beitrag zum Glück im Leben beisteuert. Eine Lüge, die ich vorher, trotz anhaltend schlechter Gefühle, mantrahaft wiederholte.

Es klingt wie eine maßlose Übertreibung, aber es war auf jeden Fall eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Meine echten Freundschaften wurden besser, meine Freizeit wurde erfüllender und meine mentale Gesundheit stabiler. Ich kann mich besser auf meine Arbeit konzentrieren und gleichzeitig besser abschalten, wenn ich gerade nicht arbeite. Ich las fast 100 Bücher in einem Jahr. Ich bringe mir Programmieren bei. Ich fing an zwei Instrumente zu lernen (erfolglos, aber hey), habe mich endlich vernünftig um meine Altersvorsorge gekümmert und schrieb mehr Texte für diesen Blog und mich selbst. Gleichzeitig habe ich keine relevanten Themen verpasst, mich weniger über irgendeinen Blödsinn aufgeregt und viel über mich, und was mir wichtig ist, gelernt. Verrückt, was so alles geht, wenn man die mentale Kapazität freiräumt, die Social Media einnimmt.

Als eine der wenigen Personen, die sowohl Leben als extremer Nutzer, als auch als extremer Nicht-Nutzer von Social Networks geführt hat, gebe ich Letzterem eindeutig die bessere Bewertung. Ich bereue nichts, werde genau so weitermachen und betrachte das als einen beachtlichen Baustein der Tatsache, dass ich noch nie glücklicher war als aktuell.

Eloquent JavaScript: Functions →

Worrying about efficiency can be a distraction. It’s yet another factor that complicates program design, and when you’re doing something that’s already difficult, that extra thing to worry about can be paralyzing.

Auch eine Form von Gut Genug.

Gut genug

Besser als vorher – aber noch nicht perfekt – ist Fortschritt. Konstruktiv gemeinte Kritik, so technisch korrekt sie sein mag, kann destruktiv sein und Rezipient:innen überfordern. Mehr Fortschritt zu erwarten, als jemand aktuell leisten kann, führt zu Stagnation und verhindert ihn.

Finanzielle Transparenz

Nach einem Dutzend, über die Jahre verteilter, erfolgloser Versuche You Need A Budget zu benutzen, scheint es dieses Mal geklappt zu haben. Noch ist es keinen ganzen Monat im Einsatz, aber jedem Cent eine Aufgabe zugeordnet zu haben, verleiht meinen Finanzen direkt eine Übersichtlichkeit und Ruhe, die ich in den letzten 15 Jahren unterbewusst vermisst habe.

Hat leider auch zur Folge, dass ich nach den ersten, etwas detaillierteren Gerüchten zum VR-Headset von Apple den gemunkelten Preis von 900 $ als Sparziel in mein YNAB warf.

Irgendwann 900 $ aus einem großen, undefinierten Haufen Erspartem nehmen und ausgeben: Ganz okay, weil intransparent. Zu verstehen, dass bis Mitte nächsten Jahres 900 $ sparen zu wollen bedeutet, dass ich ab jetzt bis Juli 2022 ein Monatsabo zum Preis von 47,37 $ habe, lässt das allerdings schon ganz anders wirken.

Newsletter? poopemoji.png!

Hier ist eine unbeliebte Meinung: Ich verstehe persönliche Newsletter nicht und finde, dass es weniger davon geben sollte.

Für mich wirkt ein Newsletter, in dem jemand aus seinem Leben erzählt und seine Gedanken teilt, wie ein schlecht gemachter Blog, den ich umringt von Fressnapf-Couponcodes und Paypal-Quittungen lesen muss. Dass ich als Eintrittspreis meine E-Mail Adresse offenlegen muss, ist nicht nur wie eine schlechte Nutzererfahrung, sondern irgendwie auch respektlos.

Versteht mich nicht falsch. Ein privater Newsletter kann eine tolle Sache sein um kleinere Gruppen über das eigene Leben zu informieren. Es gibt keinen guten Grund sein Privatleben online auszubreiten. Aber wenn Leute, die offensichtlich in der Lage sind einen klassischen Blog zu führen, mich überzeugen wollen, dass sie lieber in meinem E-Mail Eingang auftauchen wollen, als in meinem RSS-Reader oder Browser, machen sie das nicht, weil ich mit ihnen gut befreundet bin. Ihre Newsletter sollen wirken, als wären sie kleine Geheimtipps, während die Autoren trotzdem versuchen bei jeder Gelegenheit die Anzahl Abonnenten zu erhöhen.

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Eine zynische Metapher

Irgendwo in der Dynamik zwischen den Katzen, die viel Energie aufwenden um ihr Geschäft zu verscharren und mir, der viel Energie aufwendet um alles mit einer kleinen Schippe zu finden und anderweitig zu entsorgen, ist eine zynische Metapher zum gesellschaftlichen Umgang mit Klimawandel versteckt.

08/15-Online-Aktivismus

Das Argument auf Plattformen wie Twitter, Instagram und jetzt auch Clubhouse anwesend sein müssen, weil sonst nur Leute mit „schlechteren“ Meinungen dort den Diskurs bestimmen, halte ich für einen fadenscheinigen Zirkelschluss. Man muss dort sein, weil man sonst nicht dort ist. Mitreden, weil man sonst nicht mitredet.

Den Wunsch danach etwas in der Welt verbessern zu wollen kann ich respektieren. Ich begrüße ihn sogar! Wenn man aber rational auf die Tatsachen blickt, merkt man schnell, dass ein Social-Media-Account mit einer Handvoll Folgender, die im Schnitt die eigene Meinung teilen, nichts verändern wird.

Die meisten von uns sind durchschnittlich und gehören damit, das liegt in der Natur der Sache, zum Durchschnitt. Die meisten von uns haben keine Bühne, die so groß ist, dass es sich lohnt viel Zeit in sie zu investieren und werden sie auch niemals haben. Das ist eine objektive, mathematische Wahrheit. Ich liebe Fakten dieser Art, weil man sie leicht akzeptieren kann. Es kratzt nur kurz etwas am Ego.

Sobald Akzeptanz für diese Wahrheit einsetzt, bleibt ein deprimierendes Loch der Selbstzweifel. Man kann sich nicht mehr vormachen, dass man etwas konstruktives zur Gesellschaft beiträgt. Positiver formuliert: Zu verstehen, dass der eigene 08/15-Online-Aktivismus 1 vermutlich wenig bringt und keine Energie mehr in diese Plattformen zu investieren, gibt einem neue mentale Kapazitäten darüber nachzudenken, wie man wirklich helfen kann.

Warum nicht mal einem Ortsverband der Lieblingspartei beitreten. Sein Wissen in Form von Mentorships oder Kursen vermitteln. Im Tierheim aushelfen. Für alte Leute einkaufen gehen. Tatsächlich konstruktive Arbeit erzeugt ein Glücksgefühl, das weit über das hinausgeht, was Retweets und Hinweise auf sehr lesenswerte Twitter-Threads leisten können. Es ist nur schwer darüber nachzudenken, was man wirklich leisten kann, wenn man ständig von der Sisyphusarbeit des Schreibens von Tweets, dem Aufnehmen von Stories und der Teilnahme an ach-so-wichtigen Clubhouse-Diskussionen abgelenkt wird.

  1. Es gibt natürlich Ausnahmen. Die Wahrscheinlichkeit, dass du – ja, du! – dazu gehörst, ist gering. Wie gesagt. Die meisten von uns sind der Durchschnitt. Solltest du allerdings eine der Ausnahmen sein: Gut. Weiter so.↩︎

Geräuschvoll verlassen

Obwohl ich mir völlig darüber im Klaren bin, dass es mir mental noch nie besser ging, als in den letzten 11,5 Monaten ohne Social Media, geriet ich die letzten Tage – zusammen mit vielen anderen – in den faszinierenden Bann von Clubhaus.

Die App ist genial. Alles ist auf Viralität und Wachstum optimiert, egal ob es ethisch vertretbar ist, oder nicht, Hauptsache es erzeugt Aktivität. Jeder denkt, dass er bei einer Sache dabei ist, die ganz groß sein wird. Jeder fühlt, dass man jetzt dabei sein muss, weil man sonst was verpasst.

Ich auch.

Kurz dachte ich, dass ich unbedingt mit Freunden vor einer unbekannten Öffentlichkeit über vermeintlich relevante Dinge reden müsste. Dachte, dass Clubhouse der Ort wäre, an dem ich mich zu wichtigen Themen zu Wort melden sollte. Am öffentlichen Diskurs teilnehmen! Diskutieren! Austauschen! Verknüpfen!

Heute Morgen wachte ich auf und fühlte mich dumm. Mit offenen Augen in die Dopamin-Falle getappt. Gemessen an meinem letzten Jahr, ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich in 12 Monaten bereuen werde nicht genug Zeit auf dieser neuen, tollen, alles ändernden Plattform verbracht zu haben eher gering.

Clubhouse Adressbücher

Dass ich bei meiner Anmeldung bei Clubhouse1 nicht gemerkt habe, dass einer der Schritte umfasste mein gesamtes Adressbuch mit einer mir unbekannten Firma zu teilen, weist gut darauf hin, dass ich langsam alt werde. Ethisches App-Design sieht anders aus.

  1. Man kann mir dort folgen: @UARRR↩︎

15 Jahre UARRR

Die meisten meiner Meinungen, Ansichten und Prioritäten haben sich seit 2006 zum Glück verändert. Diese Webseite ist allerdings seitdem ein stabiler Bestandteil meines Lebens und ich möchte ihr hiermit zum 15-jährigen Geburtstag gratulieren, den sie Samstag erlebte. ?

Der Ladebalken der Hoffnung

Mein Quest eines Tages in irgendeiner Form programmieren zu können, brachte mich in den letzten Wochen zu JavaScript. Nachdem meine intensiven Wochen des iOS-Entwicklung-Lernens mich an einen Punkt brachten, der ausschließlich frustrierend und gar nicht mehr spaßig war, brauchte ich eine einsteigerfreundlichere Alternative, die schneller zu relativ sinnvollen Ergebnissen führen kann.

Um auszuprobieren wie man irgendwelche APIs ansprechen und mit den Daten etwas machen kann, baute ich den Ladebalken der Hoffnung mit fragwürdigem Mehrwert und eindeutig schlechter Code-Qualität. Aber es funktioniert. Glaube ich zumindest. Hat Spaß gemacht, ist jetzt eine Sache in der Welt und ich habe was gelernt. Was will man mehr.

Update: Es gab einen Fehler in der Wokeness der Copy und einen Fehler in der Logik der Berechnung. Beide sind jetzt korrigiert. Danke an den Kommentarbereich für die konstruktiven Hinweise.