Warum wir Twitter verlassen und eine bessere Alternative nutzen sollten

Für einen Umschwung braucht es verschiedene Personen, die das Gleiche in anderen Worten sagen. Dies ist mein Versuch mit einfachen Worten und wenig Technik-Blabla euch davon zu überzeugen Twitter zu verlassen und eine bessere Alternative aufzusuchen.

So als Mitglied einer menschlichen Gesellschaft hat man ja einige Privilegien, aber auch viele Pflichten. Oft kommen die Privilegien mit einigen Nachteilen für einen selbst, aber auch andere. Diese Nachteile kann man hinnehmen um sein entspanntes Leben zu genießen, oder daran arbeiten sie loszuwerden. Das ist auf viele Bereiche anwendbar. In diesem Post geht es aber um einen, der vergleichsweise unwichtig ist: Social Media.

Facebook, Twitter, Google, mit den Plattformen, die wir benutzen, geht immer auch einher, dass wir implizit mit den Aktionen und Meinungen des Unternehmens dahinter einverstanden sind. Man kann Google Docs nutzen, weil es das beste Tool für den Job ist, aber dann ist man implizit auch cool damit, dass man Google dabei unterstützt in China eine vom Staat zensierte Suchmaschine zu bauen. Gleiche Aussage in kurz: Mitgehangen, mitgefangen.

Der Status Quo

Hier soll es aber um Twitter gehen. Mein favorisiertes Social Network. Mein Account ist 11 Jahre alt, ich habe über 100.000 Tweets geschrieben und einen Großteil meiner Freunde und später auch Kunden über Twitter gefunden. Aber Twitter hat über die Jahre hinweg einige Entscheidungen getroffen, die Leuten wie mir nicht gefallen. Nicht-chronologische Timeline? Klar, ist nicht so super. Werbung im Stream? Auch nicht so toll. Drittanbieter-Apps so sehr kastrieren, dass sie kaum noch zu benutzen sind? Ganz schön arschig. Alles wenig cool, aber man kann damit leben, sind halt Software-Features, die schlechter statt besser werden.

Aber wenn es um den gesellschaftlichen Aspekt geht, der in dem man sich die Frage stellen muss, ob man ein Unternehmen dabei aktiv unterstützen möchte eine Plattform zu bauen, die Rassisten, Sexisten und andere Idioten dabei hilft gezielt das Leben von anderen Leuten zu zerstören, dann hat das eine andere Tragweite.

Selbst, wenn man nicht direkt Opfer dieser grässlichen Gruppen ist, sollte es einem am Herzen liegen, dass im Internet Räume entstehen, die für alle Menschen angenehm sind, die in erster Linie dafür sind, dass sich alle mit Respekt behandeln. Das Problem ist, dass es jeden treffen kann. Selbst, wenn es einen bisher nicht selbst betraf, sollte man daran arbeiten, dass es auch nicht passieren wird. Das ist wie mit Krankenversicherungen. Braucht man nicht ständig, man arbeitet auch für alle anderen mit, aber wenn man es braucht, ist die Lösung da.

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Nazis als UX Problem

Als Product Designer muss man eine Lektion schnell und früh lernen: Gute Produkte entstehen (unter anderem) durch gut getroffenen Entscheidungen. Der Alltag eines Product Designers besteht in erster Linie aus dem Abwägen von Fürs und Widers und einer letztendlich gefallenen Entscheidung für die beste Variante.

Manchmal gibt es schwierige Entscheidungen, bei denen auf beiden Seiten die Vor- und Nachteile ungefähr ausgeglichen sind. Leute, die noch nicht viel Erfahrung im Erstellen wirklich guter Software haben, tendieren an der Stelle dann schnell zu “Das lassen wir den Nutzer selbst entscheiden”. Nachvollziehbar, aber leider fatal. Das führt dazu, dass keine der beiden auf dem Tisch liegenden Varianten vernünftig durchdacht und eingebaut wird. Stattdessen muss der Nutzer am Ende Arbeit investieren und sich für eine von zwei halbgaren Lösungen entscheiden.

Das ist, in 98 % der Fälle, der falsche Ansatz und es lohnt sich meistens die stundenlangen, anstrengenden Diskussionen zu führen, die am Ende eine klare Entscheidung nach sich ziehen.

Keine Entscheidung zu treffen und den Nutzer entscheiden zu lassen ist auch eine Entscheidung. Die Entscheidung für Variante 3: Wir bauen ein Tool, das der Nutzer sich erst noch vernünftig einrichten muss. Vielen im Product Design Prozess Involvierten ist nicht bewusst, dass sie eine aktive Entscheidung getroffen haben, denn meistens wird sich für “Der Nutzer kann sich das einfach aussuchen!” entschieden, wenn die Beteiligten keinen Bock mehr auf die Diskussionen haben.

Twitter hat aktiv entschieden, dass ihr Social Network ein besseres Produkt ist, wenn Nazis ihre menschenfeindlichen Inhalte dort verteilen und andere Leute belästigen können. Das ist kein Zufall, sondern etwas, das passiert, weil die Macher der Software (Das Design-Team, die Programmierer, die Chefetage und jeder einzelne Mitarbeiter) sich nicht gegen Nazis entschieden haben.

Kann man machen, wenn man auf der Seite von Nazis stehen will.

(Ich hoffe noch immer, dass Twitter sich irgendwann besinnt und dabei hilft die Welt zu einem besseren Ort zu machen, an dem alle Leute akzeptiert werden, die alle Leute akzeptieren. Auch mir fällt es schwer, mich von meinem Twitter-Account zu trennen. Allerdings gebe ich mein Bestes und poste immer mehr Zeug auf Mastodon. Dazu vielleicht später mehr.)

RIP Freelancing (2014 – 2018)

Heute hatte ich meinen ersten Tag in einer Festanstellung, nachdem ich die letzten vier Jahre als Freelancer verbrachte. Bis vor einem Jahr hätte ich nicht gedacht, dass ich jemals wieder fest angestellt sein wollen würde. Alle Gründe für meine Liebe zum Freelancing sind irgendwo hier im Blog erwähnt.

Gigabyte hilft mir tatkräftig bei der Arbeit. Wer mehr Cat-Content sehen will, sollte mir auf Instagram folgen.

Viel hat sich an diesen Gründen auch ehrlich gesagt nicht geändert. Flexible Arbeitszeiten, flexibler Arbeitsplatz, genug Freizeit, spannende Projekte. Das ist alles, was ich mir von meiner Arbeit erhoffe. Mehr, als viele bekommen können, aber Freelancing hat es mir ermöglicht.

Freelancing hat mir auch ermöglicht als einen meiner ersten Kunden Moodpath zu gewinnen. Damals eigentlich nur aus den beiden Gründern bestehend, habe ich das Produkt über die gesamte Dauer meiner Selbstständigkeit gebaut und begleitet. Heute steht hinter dem Produkt eine 20+ Personen Firma, deren neuster festangestellter Mitarbeiter ich bin.

Für meinen Alltag ändert sich nicht wirklich viel, ehrlich gesagt. Wir fanden eine Abmachung, die all meinen Ansprüchen an das Arbeitsleben gerecht wird und alle Seiten sind zufrieden.

Warum?

Ganz leicht: Weil es das Projekt war, das mir in den letzten vier Jahren am meisten Freude brachte. Nach Moodpath-Arbeitstagen hatte ich das Gefühl etwas getan zu haben, das tatsächlich die Welt verbessert. Die beiden Gründer baten mir schon recht früh in unserer… Partnerschaft… an, dass ich fester Teil des Teams werden könnte, aber ich klammerte mich ewig ans Freelancing. Bis ich bei neuen Projektanfragen mir immer öfter die Frage stellte, warum ich an Projekt XY arbeiten wollen sollte, wenn ich auch an Moodpath arbeiten könnte.

Long story short: Heute war mein erster Arbeitstag als festangestellter Mitarbeiter von Moodpath und der Tag war genau wie der gestrige. Nur für den gestern stellte ich eine Rechnung und für den heute bekomme ich irgendwann eine Gehaltsabrechnung.

Jetzt, wo Moodpath offiziell mehr als “nur” ein Kundenprojekt ist, werde ich die Gelegenheit nutzen und in den nächsten Wochen und Monaten hier auf dem Blog wieder mehr über Design und im Speziellen das Design von Moodpath schreiben.

Ich freue mich drauf.

Noch ein neuer Mitbewohner

Nachdem die Katzen ein großer Erfolg waren, der mein Leben ungemein bereichert hat, besonders durch Haare und anderen Dreck, der von kleinen, haarigen Körpern quer durch die Wohnung geschleift wurde, entschied ich endlich einen Staubsaugroboter zu kaufen.

Im Freundeskreis herumgefragt, fiel meine Wahl auf diesen hier, der jetzt seit knapp zwei Wochen täglich durch meine Wohnung düst. Vorher wurde die Wohnung jedes Jahr mal gewischt und jeden Sonntag gesaugt, das sorgte für einen Zustand, der okay, wenn auch zum Ende der Woche hin nicht unbedingt großartig war. Jetzt wird sie jeden Tag gesaugt und gewischt (der gute Nono, wie ich ihn nannte, hat sogar eine Wischfunktion) und trotz der beiden haarigen Schmutzfinken, war die Wohnung selten sauberer.

Ich musste auch nicht viel für den Roboter optimieren, die meisten Kabel lagen sowieso schon vernünftig hinter Schränken, Kram anderer Art liegt nicht wirklich herum und als die Katzen mal eine Socke von mir verschleppten und Nono sich daran verschluckte, war das auch schnell gefixt.

Tatsächlich bin ich überrascht darüber, wie sehr dieses 460 € Geschöpf tatsächlich mein Leben optimierte. Nach jeder Tour kann man aus seinem Filter genug Haare und Staub holen um sich zu denken, dass es sich total gelohnt hat, das Gerät zu kaufen, was ich niemals erwartet hätte.

Die Katzen haben sich nach einigen Tagen auch an ihren neuen Erzfeind gewöhnt und beäugen ihn zwar manchmal noch skeptisch, schlafen aber meistens einfach durch seine einstündige Säuberungsphase und interessieren sich nur noch für ihn, wenn sie an ihm vorbei in einen anderen Raum müssen.

Zwei Räume muss ich noch manuell saugen: Schlafzimmer, das immer geschlossen bleibt, damit die Katzen nicht erfahren, dass es den Raum gibt und Badezimmer, das aus irgendeinem Grund eine 3-4 cm Kante an der Türschwelle hat, die der Roboter nicht schafft. Wäre auch gruselig sonst, weil das bedeuten würde, dass er springen kann und das möchte ich mir nicht ausmalen.

Bewertung bisher: ★★★★★

24 Stunden in Hamburg

Am Freitag feierte Philipp seinen 30. Geburtstag. Von dem gibt es hier keine Bilder, aber Martin und ich verbrachten 24 schöne Stunden in Hamburg und von fast allem anderen entstanden folgende Schnappschüsse.





Millimeter & Gigabyte

Damals™, als ich noch in Hamburg wohnte und mich an meine erste eigene Wohnung gewöhnte, in der ich wirklich allein wohnte, dachte ich das erste Mal ernsthaft darüber nach vielleicht eine Katze als Lebensbegleitung zu wollen.

Am Ende gab es verschiedenste Gründe warum daraus nichts wurde. Einer der größten vermutlich, dass ich jemand bin, der Dinge gerne ganz oder gar nicht macht. Ein Haustier muss also perfekt vorbereitet und dann durchgezogen werden. Erziehung, Wohnungsoptimierung, eigener mentaler Zustand, absolute Bereitschaft andere Dinge im Leben zu opfern um dem Tier ein gutes Leben zu bieten.

Das ist auch eine Art Perfektionismus, die einerseits hilfreich, andererseits völlig blockierend ist. Darum dauerte es bis letzte Woche Samstag, bis tatsächlich passierte, was ich mir eigentlich schon seit Ewigkeiten wünschte. Meine Freundin und ich wohnen jetzt nicht mehr alleine in unserer Wohnung, sondern haben zwei Mitbewohnerinnen: Millimeter und Gigabyte.

Millimeter

Gigabyte

Ich hatte eigentlich erwartet, dass die beiden die ersten Tage ganz verschüchtert unter dem Sofa verbringen werden. Neue Umgebung, neue Menschen, neues Leben. Das kann schon belastend sein.

Stattdessen öffnete ich die Transportbox und Gigabyte (die Entdeckerin der beiden) trottete heraus und fing an sich alles ganz genau anzusehen. Ecke für Ecke, Raum für Raum, wurde alles beschnüffelt, betastet und ausprobiert. Millimeter immer im Schlepptau, die, so merkten wir seitdem, zwar etwas wilder spielt, aber eher Mitläuferin als Anführerin ist.

Das lief überraschend gut. Die beiden eierten durch die Wohnung, versuchten in Ecken zu gelangen,von denen wir wirklich nicht wollten, dass sie dahin kommen (hinter dem Kühlschrank und der Waschmaschine, Orte an denen sie potentiell stecken bleiben könnten ohne, dass wir sie ohne Probleme wieder herausholen können) und wir stopften diese Ecken mit Dingen, die gerade so herumlagen.

Am selben Tag entdeckten und verstanden sie die Katzenklos, wo ihr Futter und Trinken stehen. Gigabyte ließ sich zwischendurch auch mal streicheln, war aber noch etwas zögerlich. Millimeter hingegen floss wie Wasser durch unsere Hände und wollte am liebsten gar nicht berührt werden.


Am Abend allerdings, als ich auf dem Sofa herumlag, kamen beide langsam angedackelt, legten sich zu mir und nutzten meine bedaumten Hände um einige Streicheleinheiten abzugreifen. Tag 1 lief erheblich besser als gedacht.

Die nächsten Tage wurden nur noch besser. Alle wurden zutraulicher, Gesichter wurden geleckt, Stammplätze gefunden und entwickelt.

Jetzt, nach nur dieser einen Woche, möchte ich die beiden gar nicht mehr missen. Gigabyte, die entdeckt hat, dass sie mir noch näher sein kann, wenn sie sich am Schreibtisch hinter mich zwischen Stuhllehne und Rücken legen kann, Millimeter, die zwar noch immer manchmal eine gewisse Distanz wahrt, aber manchmal dann doch gerne etwas gekrault werden möchte und angetappst kommt. So süß.

Wenn ihr die beiden in Bewegt sehen wollt, folgt mir gerne auf Instagram. Auf meinem Profil ist ein Highlight der letzten Tage und in meiner Story gibt es täglich neue Abenteuer von Millimeter und Gigabyte.

Each act, each occasion, is worse than the last, but only a little worse.

Während über 70 Jahre Frieden es geschafft hat, dass viele Europäer vergessen haben, wie schlimm die Welt für andere teilweise noch ist, verlassen diese ihr zerbombtes Hab und Gut und fliehen in fremde Länder um ein bisschen was vom Frieden abzubekommen. Daraus ziehen wir, als Gesellschaft, für die Krieg nur eine Geschichte von alten Leuten ist, nicht etwa eine Möglichkeit die Welt ein Stück besser zu machen, indem wir Leuten ohne Diskussion ein besseres Zuhause geben, nein. Wir machen daraus seine jahrelange politische Debatte, deren aktueller Stand ist, dass Worte wie “Asyltourismus” Teil des täglichen Sprachgebrauchs geworden sind. Sogar aus den Mündern von gewählten Politikern in der Regierung. Cool cool cool.

Ich fand heute Morgen diesen Text durch diesen Kommentar auf Reddit und hatte das Gefühl, dass es nicht schaden könnte, folgenden Ausschnitt mit der Welt zu teilen:

Each act, each occasion, is worse than the last, but only a little worse. You wait for the next and the next. You wait for one great shocking occasion, thinking that others, when such a shock comes, will join with you in resisting somehow. You don’t want to act, or even talk, alone; you don’t want to ‘go out of your way to make trouble.’ Why not?—Well, you are not in the habit of doing it. And it is not just fear, fear of standing alone, that restrains you; it is also genuine uncertainty.

(…)

But the one great shocking occasion, when tens or hundreds or thousands will join with you, never comes. That’s the difficulty. If the last and worst act of the whole regime had come immediately after the first and smallest, thousands, yes, millions would have been sufficiently shocked—if, let us say, the gassing of the Jews in ’43 had come immediately after the ‘German Firm’ stickers on the windows of non-Jewish shops in ’33. But of course this isn’t the way it happens. In between come all the hundreds of little steps, some of them imperceptible, each of them preparing you not to be shocked by the next. Step C is not so much worse than Step B, and, if you did not make a stand at Step B, why should you at Step C? And so on to Step D.

(…)

And one day, too late, your principles, if you were ever sensible of them, all rush in upon you. The burden of self-deception has grown too heavy, and some minor incident, in my case my little boy, hardly more than a baby, saying ‘Jewish swine,’ collapses it all at once, and you see that everything, everything, has changed and changed completely under your nose.

(…)

Now you live in a world of hate and fear, and the people who hate and fear do not even know it themselves; when everyone is transformed, no one is transformed. Now you live in a system which rules without responsibility even to God. The system itself could not have intended this in the beginning, but in order to sustain itself it was compelled to go all the way.

Milton Mayer: They Thought They Were Free