A Day in the Life of an Idiot

Teil 3 der Reihe „Digitaler Minimalismus

Um das Ausmaß meiner Misere zu verstehen ist es vermutlich hilfreich dass ich meinen Pre-Februar-2020 Umgang mit Zerstreuung und ständiger Verbundenheit im Detail beschreibe. Man beachte hierbei, dass ich in der ganzen beschriebenen Zeit eine Apple Watch trage, die mich für jede Nachricht am Handgelenk antippt. Das ist an sich schon völlig verrückt.

  • Mein iPhone weckt mich. Ich nehme es in die Hand, stelle den Wecker aus und verbringe dann 30-45 Minuten damit auf Nachrichten zu antworten, Twitter zu lesen, Instagram zu checken und dann die ersten 50-200 Posts auf Reddit anzuschauen.
  • Dann mache ich einen Podcast an und verlasse das Bett um ins Badezimmer zu gehen. Dort wechsle ich von iPhone Lautsprechern auf den kleinen Bluetooth Lautsprecher im Badezimmer um beim Duschen weiterhin den Podcast hören zu können, den ich nach dem Duschen lauter stelle, weil ich sonst – während ich mir ganze 60 Sekunden die Haare föhne – nicht verstehen würde was gesagt wird.
  • Während ich auf den Wasserkocher warte, den Katzen Futter gebe und mein eigenes Frühstück zubereite, höre ich weiterhin Podcast, refreshe nebenbei Twitter und antworte auf Nachrichten.
  • Frühstück esse ich am Wohnzimmertisch, auf den ich mein iPad stelle um während ich den Podcast pausiere, ein YouTube Video anzumachen, das ich mir beim Frühstück ansehe. Essen fertig, Podcast an, aufräumen.
  • Am Schreibtisch arbeite ich dann so fünf Minuten und checke dann 30 Sekunden Twitter um dann wieder 5 Minuten zu arbeiten. Wenn auf Twitter nichts passierte, schaue ich, ob nicht zufällig eine der Nachrichtenseiten wichtige Breaking News anbietet. Das mache ich seit ungefähr 10 Jahren so und mir ist schleierhaft, wie ich es trotzdem zu einer einigermaßen erfolgreichen Karriere geschafft habe. Wenn ich ins Bad muss (arbeite primär im Homeoffice), mache ich einen Podcast an um den langen weg von knapp 8 Sekunden nicht in Ruhe verbringen zu müssen. Auf dem Klo checke ich dann Twitter, während ein Podcast läuft.
  • Wenn ich das Haus verlasse läuft ein Podcast auf meinen AirPods. Wenn ich an einer roten Ampel anhalte, checke ich Twitter.
  • Wenn ich mich mit Freunden treffe, habe ich die Regel, dass ich keine Person sein will, die ständig auf ihr Smartphone schaut, weil ich das respektlos finde.1 Sobald ich auf dem Heimweg bin, lese ich alles nach, was seitdem passiert ist und habe auch das Gefühl, dass es Zeit wurde, endlich zu checken was in der Welt passierte.
  • Beim Zähne putzen höre ich einen Podcast und checke Twitter. Den Podcast mache ich aus, wenn ich ein Video auf dem iPad anmache, zu dem ich einschlafen will.

In diesen Punkten findet sich keine humoristische Überzeichnung. Alles ist wahr. Trotz allem bin ich irgendwie eine funktionierende und zurechnungsfähige Person. Leute sind mit meiner Arbeit zufrieden und soweit ich weiß, hält mich niemand für einen verrückten, unempathischen Psychopathen. Die Nachteile meines Verhaltens sind ausschließlich für mich zu spüren.

Im nächsten Eintrag der Serie geht es um meinen 3-Phasen-Plan für ein besseres Leben trotz der Existenz von Social Media Technologie.

Alle Einträge zur Reihe Digitaler Minimalismus

Teil 1: Digitaler Minimalismus
Teil 2: Erwartung vs. Realität
Teil 3: A Day In The Life Of An Idiot
Teil 4: Der 3-Phasen-Plan
Teil 5: Twitter, Instagram & Reddit
Teil 6: Daily News & Podcasts
Teil 7: Mein Digitalplan für die Zukunft

  1. Fun Fact: Studien haben bewiesen, dass die Qualität der Gespräche zwischen Personen bereits reduziert wird, wenn nur ein Smartphone nur in Sichtweite ist. Selbst, wenn es nie benutzt wird.↩︎
Hallo, ich bin Marcel, schreibe manchmal Texte, gestalte öfter Digitale Produkte und lebe mit meinen Katzen Gigabyte und Millimeter in Berlin. 👋