Newsletter? poopemoji.png!

Hier ist eine unbeliebte Meinung: Ich verstehe persönliche Newsletter nicht und finde, dass es weniger davon geben sollte.

Für mich wirkt ein Newsletter, in dem jemand aus seinem Leben erzählt und seine Gedanken teilt, wie ein schlecht gemachter Blog, den ich umringt von Fressnapf-Couponcodes und Paypal-Quittungen lesen muss. Dass ich als Eintrittspreis meine E-Mail Adresse offenlegen muss, ist nicht nur wie eine schlechte Nutzererfahrung, sondern irgendwie auch respektlos.

Versteht mich nicht falsch. Ein privater Newsletter kann eine tolle Sache sein um kleinere Gruppen über das eigene Leben zu informieren. Es gibt keinen guten Grund sein Privatleben online auszubreiten. Aber wenn Leute, die offensichtlich in der Lage sind einen klassischen Blog zu führen, mich überzeugen wollen, dass sie lieber in meinem E-Mail Eingang auftauchen wollen, als in meinem RSS-Reader oder Browser, machen sie das nicht, weil ich mit ihnen gut befreundet bin. Ihre Newsletter sollen wirken, als wären sie kleine Geheimtipps, während die Autoren trotzdem versuchen bei jeder Gelegenheit die Anzahl Abonnenten zu erhöhen.


Was könnte es also für Gründe geben? Eine Diskussion mit mir selbst:

„Newsletter sind privater und fühlen sich für mich weniger öffentlich an.“
Verstehe ich, ist aber irrational. Auf der eigenen Webseite den eigenen Newsletter zu bewerben, um eine möglichst große Leserschaft zu erzeugen, wirkt gegen das Ziel weniger öffentlich sein zu wollen. Ein Widerspruch also.

„Newsletter kommen da an, wo die Leser sowieso sind. Niemand nutzt RSS!“
Stimmt. Die Lösung dafür wäre, dass man auf seinem Blog eine Möglichkeit bietet über neue Beiträge durch E-Mails informiert zu werden. Wow. Disruption!

„Es ist leichter einen Newsletter aufzusetzen als einen Blog“
Das wäre ein vernünftiges Argument für all die Leute, die einen Newsletter veröffentlichen, aber nicht wissen, wie man einen Blog schreibt. Allerdings – wenn wir ehrlich sind – sind die meisten Newsletter der Blog-Ersatz von Leuten, die absolut in der Lage wären und waren einen Blog zu schreiben. Mal ganz davon abgesehen, dass es ungefähr zwei Minuten dauert, sich irgendwo einen Blog zu klicken.

„Für Newsletter gibt es ein Monetarisierungskonzept, für Blogs nicht!“
Niemand wird für deine fünf Musik- und Leseempfehlungen zahlen wollen, Thorben. Und selbst wenn: Sicher nicht, ohne vorher vom Mehrwert überzeugt worden zu sein. Wie geht das? Durch gratis Beiträge auf einem Blog.

„Newsletter haben klarere Statistiken und meine Opening-, Click-Through- und Subscriberzahlen sind mir wichtig.“
Örgs.


Ich bin nicht überzeugt, Freunde. Die offizielle Empfehlung meinerseits: Schreibt wieder Blogposts und bietet eine optionale Möglichkeit an, eure Posts als E-Mail abonnieren zu lassen. Es spricht nichts dagegen. Aktuell habt ihr Blogs erfunden, die schlecht benutzbar und respektlos sind. Das kann auch nicht in eurem Interesse liegen.

Hallo, ich bin Marcel, zeichne selten Comics, schreibe manchmal Texte, gestalte öfter Digitale Produkte und interessiere mich für Bücher, Digitalen Minimalismus, Philosophie, Kunst und Videospiele. 👋

13 Kommentare

  • Wenn ich so etwas lese fühle ich mich direkt aus dem Fenster blickend, die Arme auf einem Kissen verschränkt. Denn dieses Newsletter-Ding, speziell die Monetarisierung, klingt wie aus einer Zeitmaschine gefallen und schnell die Beschriftung „Blogosphäre 2008“ überpinselt.

    Oh, und von wegen „Niemand nutzt RSS!“:
    Klar sinkt der die Nutzung von RSS stetig, aber nur weil jede zweite Webseite gar keinen Feed mehr anbietet oder so verstümmelt dass man es besser gleich ganz gelassen hätte. Anstatt, dass man diese wundervolle Technik kreativ nutzen würde.

    Aber was weiß ich Meckerrenter schon. ?

    • Glaube, dass RSS schon ein inhärentes Usability-Problem hat, das man theoretisch durch Design wegoptimieren könnte. Habe auf meiner To-Do-Liste stehen, dass ich hier unter jedem Beitrag eine kleine How-To-RSS-Erklärung anbieten möchte.

  • Ich nutze seit sicher 13 Jahren RSS, ich dachte das machen einige.

    Übrigens. Ist die Entscheidung gegen eMail Benachrichtigung bei Antworten auf Kommentare bei dir eine aktive?

  • DANKE! Du warst die letzten drei Wochen in meinem Kopf unterwegs und hast das für uns wieder aufgeschrieben. Ich überlege, ob ich meinen Blog wieder nutzen soll oder mir schnell eine Landingpage mit Carrd.co zusammenklicken soll und mit Octpus einen Newsletter machen sollte.

    Bei deinen Argumenten kann ich Dir nur recht geben der Blog wäre da die bessere Wahl, doch die Frage, die für mich hier unbeantwortet bleibt, was wollen meine Leser? Wer sind die und was will ich denen erzählen? Wenn ich das weiß, dann kann ich mich entscheiden welches Medium das bessere wäre.

    Was mich bei einem Blog echt stört, ist die maintenance die so ein selbst gehosteter WP Blog so mit sich bringt. Nach wie vor, echt unentschlossen

  • Kann dir bei jedem deiner Punkte vollkommen zustimmen — und das aus der Sicht des Konsumenten. In ein E-Mail Postfach kommen E-Mails, welche ich abarbeite, beantworte und eine Inbox-Zero anstrebe. Wenn ich Zeit und Lust habe Nachrichten und Artikel zu lesen gehe ich in meine RSS- oder Read-it-later-Anwendung. Gehört in meinen Augen getrennt, da es zwei komplett unterschiedliche Bedürfnisse und Aufgaben erfüllt.

    Leider gibt es jedoch zu viele Newsletter, welche mich inhaltlich interessieren und ich somit mit einem leidigen Workaround in meinen RSS-Reader umleiten muss. Für jeden der diese Trennung für sich selbst auch implementieren möchte kann ich wärmsten kill-the-newsletter.com empfehlen.

    • Ich nutze Inoreader. Dort gibt es das Feature von kill-the-newsletter direkt integriert. Funktioniert so lala, je nach Newsletter. Aber praktisch ist es allemal.

    • Jau, Feedbin hat auch ein Feature dafür. Allerdings ist das alles irgendwie ein komischer Workaround für etwas, das eigentlich leichter sein sollte.

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