Nazis als UX Problem

Als Product Designer muss man eine Lektion schnell und früh lernen: Gute Produkte entstehen (unter anderem) durch gut getroffenen Entscheidungen. Der Alltag eines Product Designers besteht in erster Linie aus dem Abwägen von Fürs und Widers und einer letztendlich gefallenen Entscheidung für die beste Variante.

Manchmal gibt es schwierige Entscheidungen, bei denen auf beiden Seiten die Vor- und Nachteile ungefähr ausgeglichen sind. Leute, die noch nicht viel Erfahrung im Erstellen wirklich guter Software haben, tendieren an der Stelle dann schnell zu “Das lassen wir den Nutzer selbst entscheiden”. Nachvollziehbar, aber leider fatal. Das führt dazu, dass keine der beiden auf dem Tisch liegenden Varianten vernünftig durchdacht und eingebaut wird. Stattdessen muss der Nutzer am Ende Arbeit investieren und sich für eine von zwei halbgaren Lösungen entscheiden.

Das ist, in 98 % der Fälle, der falsche Ansatz und es lohnt sich meistens die stundenlangen, anstrengenden Diskussionen zu führen, die am Ende eine klare Entscheidung nach sich ziehen.

Keine Entscheidung zu treffen und den Nutzer entscheiden zu lassen ist auch eine Entscheidung. Die Entscheidung für Variante 3: Wir bauen ein Tool, das der Nutzer sich erst noch vernünftig einrichten muss. Vielen im Product Design Prozess Involvierten ist nicht bewusst, dass sie eine aktive Entscheidung getroffen haben, denn meistens wird sich für “Der Nutzer kann sich das einfach aussuchen!” entschieden, wenn die Beteiligten keinen Bock mehr auf die Diskussionen haben.

Twitter hat aktiv entschieden, dass ihr Social Network ein besseres Produkt ist, wenn Nazis ihre menschenfeindlichen Inhalte dort verteilen und andere Leute belästigen können. Das ist kein Zufall, sondern etwas, das passiert, weil die Macher der Software (Das Design-Team, die Programmierer, die Chefetage und jeder einzelne Mitarbeiter) sich nicht gegen Nazis entschieden haben.

Kann man machen, wenn man auf der Seite von Nazis stehen will.

(Ich hoffe noch immer, dass Twitter sich irgendwann besinnt und dabei hilft die Welt zu einem besseren Ort zu machen, an dem alle Leute akzeptiert werden, die alle Leute akzeptieren. Auch mir fällt es schwer, mich von meinem Twitter-Account zu trennen. Allerdings gebe ich mein Bestes und poste immer mehr Zeug auf Mastodon. Dazu vielleicht später mehr.)

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