Asoziales Design

Wenn ich Beiträge über Design schreibe, dann schreibe ich sie meistens darüber, wie man ein besserer Designer wird. Dieses Mal möchte ich einfach nur auf ein Produkt hinweisen, das eindeutig nicht gestaltet wurde um dem Nutzer ein möglichst gutes Leben zu bereiten. Im Gegenteil.

Es geht um Tumblrs Lösung um DSGVO konform zu sein. Hier soll es nicht um das Gesetz, oder den Sinn oder Unsinn dahinter gehen, sondern darum, wie man als Designer ein neues “Feature” dieser Art implementiert. Besonders wenn man den Plan verfolgt die neuen Möglichkeiten, die Nutzer durch dieses Gesetzt haben, nicht wiiiiirklich den Nutzern anbieten zu wollen. Das generelle Stichwort für das, was hier eingesetzt wird, ist “Dark Patterns”, falls ihr mehr dazu lesen wollt. Nur mal am Beispiel von Tumblr.



Das hier bekommt man aktuell, wenn man das erste Mal seit DSGVO auf Tumblr geht. Relativ eindeutig. Hey, wir haben unsere Datenschutzsachen angepasst, dies das, hier klicken um zuzustimmen. Natürlich ist dieser Button der auffälligste, man will ja, dass der Nutzer nur schnell zustimmt, damit man nichts ändern muss und weiterhin genau so viele Daten sammeln kann.

Klickt man hingegen auf “Manage Options”, kommt man zu diesem Screen:



Merkwürdig, denkt man sich, ich kann ja gar keine Options managen. Stattdessen nur noch mehr Text und wieder nur der blaue “Accept” Button, der jetzt nicht mal mehr von einem “Manage Options” Button begleitet wird.

Wenn man genauer hinschau sieht man dann, dass einer der blauen Links in dem Text nicht ist wie die anderen. Offenbar muss man noch mal “Manage” klicken um dann endlich einstellen zu können, was man einstellen wollte.

Was passiert, wenn man darauf klickt?


 

 


Das hier. Man bekommt NOCH einen Screen mit Text, wieder nur mit einem Button, der die Aktion abschließt, ohne, dass man bisher irgendwas verändert hätte. Aber man lernt ja dazu und versteht langsam, was für Arschgeigen sich dieses kranke Objekt ausgedacht haben und begibt sich auf die Suche nach dem nächsten richtigen Schritt. Dieses Mal sind es noch weniger von normalen Verlinkungen unterscheidbare Links, die “Show” heißen.

Klickt man auf den ersten, ist man positiv überrascht:



Hey, ich musste zwar ewig suchen, aber dafür kann ich jetzt hier relativ leicht ausstellen, was die Partner von Tumblr alles mit meinen Daten anstellen können. Dann deaktiviert man halt schnell die fünf Toggles und ist durch damit.

Denkste.



Öffnet man den anderen “Show” Link, kommt diese lächerlich lange Liste aller Partner. Ohne Möglichkeit alle gleichzeitig zu deaktivieren. Wow, Tumblr. Wow.

Das hat jemand gestaltet. Ein Designer hat sich hingesetzt und diesen Flow so gestaltet, dass die Wahrscheinlichkeit möglichst gering ist, dass Leute Tumblr die Möglichkeit nehmen mit ihren Daten Geld zu verdienen. Aus Business-Sicht völlig nachvollziehbar, aber aus menschlicher Sicht einfach unmoralisch und ja, asozial.

Hätte Tumblr diese Möglichkeit prominenter gestaltet, hätten sie meine Daten zwar verloren, aber ich hätte zumindest “Oh, nett” gedacht. Jetzt haben sie meine Daten verloren und auch ihr Ansehen bei mir und hoffentlich, durch die Verlängerung dieses Blogs, auch bei euch.

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