Kostenloser Latte Macchiato

Jetzt sitze ich hier und sippe meinen viel zu heißen Latte Macchiato, den ich vorhin kostenlos vom Kaffeladen unter meiner Wohnung bekam. Der Bestellprozess ist immer etwas schwierig weil ich mir – so ganz unter uns – nicht so richtig sicher bin, wie man “Latte Macciato” ausspricht.

Ist aber auch nicht so wichtig, ich trinke nämlich gar keinen Kaffee. Das behaupte ich zumindest noch immer mit regelmäßig nach außen getragener Überzeugung, aber wenn ich ehrlich bin, ist das einfach nicht mehr Wahr. Nach dem großen Mate-Entzug von 2016, oder 2017, wer weiß das schon so genau, probierte ich einige Alternativen. Stark gesüßte und möglichst weit von Kaffee-Geschmack weg seiende Getränke fanden da plötzlich Einzug in mein Leben. Vor zwei Wochen wurde mir dann bewusst, dass ich die auf jeden Fall unbedingt weiter in großen Mengen konsumieren sollte, wenn ich zeitnah eine Wampe vor mir herschieben möchte. Dann bestellte ich murmelnd einen Latte Macchiato (Lattee Matschiato?) und nahm mir insgeheim vor, dass ich jetzt einfach lerne den Geschmack von Kaffee zu mögen. So funktionieren auch die meisten Ehen, da muss man einfach durch und irgendwann findet man sich damit ab.

Warum der gerade neben mir stehende Latte Macchiato (Lotté Macchíató?) kostenlos war? Weil ich mir tatsächlich irgendwann eine Stempelkarte habe andrehen lassen. Jedes achte Getränk ist kostenlos. Kam für mich auch überraschend, weshalb ich etwas von “Das ist ja wie Weihnachten!” stammelte.

Ist aber schon witzig. Damals™ und eigentlich auch noch heute, war ich gegen Koffein und die unausgesprochene Tatsache, dass so lächerlich viele Leute es brauchen um mit ihrem Alltag klarzukommen. Aber dann schläft man mal schlecht und muss tagsüber trotzdem performen und plötzlich braucht und sucht man Hilfsmittel. Ist halt so. So wird man bestimmt erwachsen. Aber was weiß ich, ich bin noch weit von der 30 entfernt, werde ich doch ende des Monats schließlich erst 29.

Erwachsen ist auch mein Umgang mit dem Briefkasten. Ich öffne ihn einfach nicht mehr. Nichts gutes kam jemals aus einem Briefkasten. Gute Informationen kommen als E-Mail, oder DM, oder Slack-Nachricht. Rechnungen, Forderungen und Probleme kommen als Papierbrief im Briefkasten an, man investiert körperlichen Aufwand um ihn rauszukramen, muss einen Briefumschlag öffnen und dann das Unheil lesen.

Klingt voll gewitzt, aber ehrlich gesagt öffnet daher einfach meine Freundin jeden Abend den Briefkasten und gibt mir dann die an mich adressierte Post. Und wenn ich noch ehrlicher sein soll: Ich bekomme fast nie schlimme Post und eigentlich ist meine Briefkastenantipathie völlig unlogischer Quatsch. Aber noch ist die 30 weit entfernt und unlogischer Quatsch darf auch mal sein.

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