Getrieben durch Timelines

Derzeit fühle ich mich ständig gestresst und abgelenkt. Um den Grund dafür herauszufinden kann ich jetzt eine langwierige und teure Therapie starten, oder mein Verhalten selbst kurz reflektieren: Mache ich etwas, das dazu führen könnte? Nein, natürlich nicht. Es ist normal, dass man ständig Twitter mit einem Auge beobachtet, zwei Gespräche in Chats führt, einen Slack mit Freunden hat, die jeden Tag viel schreiben und in drei weiteren Slacks für Kundenprojekte ist.

Dann ist auch normal, dass man unregelmäßig Facebook checkt, auf ZEIT.de guckt, ob Donald Trump mittlerweile den Atomkrieg angefangen hat und auf Designer News schaut, ob irgendein neues, cooles Tool released wurde.

Das ist alles auf jeden Fall normal und trägt auf keinen Fall zu diesem Problem b… Sekunde, kurz bei Instagram schauen, ob jemand eine neue Story gemacht hat. Oh, da wurde auch ein neues Bild hochgeladen. Oh, kurz die App geschlossen und wieder geöffnet und schon ist da wieder ein neues Bild. Moment, das ist von vor drei Wochen?

Timelines sind dafür gemacht Konzentration und Aufmerksamkeit zu schlucken. Ob sie nun chronologisch sind, oder möchtegern-smart, am Ende kommt alle paar Minuten etwas neues ins eigene Sichtfeld, das einen von seiner eigentlichen Aufgabe ablenkt.

Das ist auch keine verrückte neue Erkenntnis meinerseits. Genug Leute haben über dieses Phänomen berichtet und es erklärt. Allerdings habe ich in den letzten Wochen, auch in Verbindung mit meinem Abstecher in die Welt des Minimalismus, gemerkt, dass ich ein starkes Opfer dieses Problems bin.

Damals, als es den ganzen Kram nicht gab, versank ich stundenlang in irgendwelchen Projekten, die ich machte. Heute bin ich froh, wenn ich 30 Minuten am Stück konzentrierte Arbeit leisten kann, bevor ich mich von irgendwas ablenken lasse. Damit bin ich nicht zufrieden. Ich möchte wieder in Arbeit versinken, schließlich macht sie mir Spaß. Und das ist eigentlich das verrückte an der Sache. Ich bin nicht mal jemand, der sich von seiner Arbeit ablenken lassen will, weil meine (Kunden-)Projekte großartig sind und mich gut unterhalten. Ich lasse mich nur ablenken, weil ich mich ablenken lassen kann.

Daran arbeite ich gerade. Schließe Apps, die immer offen waren, entfolge massig Leute, bearbeite Notification-Einstellungen, damit ich nicht mehr ständig für egale Nachrichten meine Konzentration von meiner eigentlichen Aufgabe auf diese andere lenken muss.

Das klappt bisher mittelmäßig, ist aber etwas, worauf ich gerade meinen Fokus lege. Das große Projekt “Re-learn how to get in the zone” ist gestartet und ich drücke mir selbst die Daumen, dass es klappt.

Vermutlich bin ich nicht der einzige, dem es so geht, daher dieser Post. Als Denkanstoß und Inspiration.

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