☰ CI und iOS. Wie wichtig ist Branding?

iOS Design ist so eine Sache, bei der die Ansichten weit auseinander gehen. Irgendwann läuft es auf subjektive Meinungen hinaus und es gibt keine wirkliche Diskussionsgrundlage mehr. Das hält mich aber nicht davon ab, meine Meinung mal zu erläutern.

Ich postete die ersten Entwürfe für die QUOTE.fm App, die mir persönlich recht gefallen. Mir gefallen die Gedanken dahinter und die Funktionalitäten. Bevor ich überhaupt anfing die App zusammen zu schieben, überlegte ich, was eine gute native App auf einem mobilen Betriebssystem ausmacht.

Warum war Tweetie, bevor Twitter es fickte, so toll? Was machte das Programm zu einem, das man am Tag 30 Mal nutzen konnte, ohne davon genervt zu sein? Es hatte kein wirkliches Design. Es waren zum Großteil iOS Standardelemente, wie sie auch in Mail zu finden sind. iOS-Standardverhalten und iOS Standardfarben. Tweetie fühlte sich an, als gehörte es zu iOS, es war kein Programm von Twitter, sondern eines für Twitter. Beim Wechsel von Mail zu Twitter, oder von Messages zu Twitter oder von irgendeiner anderen Standard-iOS-App zu Twitter, merkte man keinen wirklichen optischen Bruch.

Das ist mein Hauptkritikpunkt an Tweetbot. Die Überlegungen hinter den Funktionen und dem Aussehen sind hervorragend, sie funktionieren in der Theorie gut. Nur sind sie fremd, sie stimmen nicht mit den Gesten und der Optik des restlichen Betriebsystems überein. Es gibt in iOS keinen Dreifach-Tap. Es gibt kein “Lange gedrückt halten” und es gibt keine Balken oben, die in ihrer Gesamtheit anklickbar sind. Ich sage nicht, dass die Funktionen dumm sind, ich sage, dass sie sich fremd anfühlen. Tweetbot verhält sich anders als das System drumherum. Ich habe mich dran gewöhnt, aber es war ein Prozess in dem viele Fehler passierten, in dem ich Aktionen auslöste, die nicht meine Intention waren.

Readmill ist ein gutes Beispiel für eine OS fremde Optik. Die Readmill iPad-App ist wunderschön, ohne Zweifel. Und scheißt auf alle optischen Konventionen von iOS:

As much as we love the iOS interface design principles, we believe it’s time to move away from the slightly exaggerated imitation of the physical world. Sure, it’s important that a user interface is tactile, but in order to do that, using all effects in Photoshop is not always necessary.

A few words about Readmill for iPad

Netter Grundsatz, so als Designer kann man natürlich total frech Konventionen brechen, sich das dann auf die Kappe schreiben und sich spitze fühlen, dass man sich nicht anpasst. Leider ändert das nichts an der Tatsache, dass die App optisch nicht mehr zum Betriebssystem passt, man, wenn man sie öffnet, plötzlich mit anderen Buttons konfrontiert ist, unter Umständen sogar mit einer anderen Menüführung. Sowas stört, wenn man gewohnt ist, dass der Zurück-Button oben links ist, ohne hinzuschauen in diese Ecke tapt und dort, warum auch immer, eine andere Funktion vorhanden ist. Nicht, dass das bei Readmill jetzt unbedingt der Fall sein muss, ich versuche nur zu demonstrieren, dass es im Prinzip immer schlecht ist, wenn man sich an eine App gewöhnen muss.

Für mich sollte das ganze System möglichst wie aus einem Guss wirken. Das heißt nicht, dass ich die Readmill-App scheiße finde, im Gegenteil, ich finde nur nicht, dass ich den gleichen Ansatz bei Apps verfolgen sollte, die ich baue.

Ich will, dass die QUOTE.fm-App zwar eine eigene Optik hat, sich in Teilen auch am Weblayout orientiert, aber insgesamt soll sie zum System passen. Das heißt für iOS: Schatten, Spiegelungen, Reflexionen, Verläufe und Texturen. Das heißt für WP7, dass wir große, dünne Fonts benutzen, kaum Icons und Grafiken, dafür möglichst WP7 ähnliche Verhaltensweisen. Das heißt für Android, dass wir irgendwas machen, das möglichst sinnlos und hässlich ist und dem User das Gefühl gibt, dass er gehasst wird, damit er sich wohl fühlt und es zum System passt.

Ich sage nicht, dass mein bisheriges Layout perfekt ist, oder absolut zu iOS passt, ich sage lediglich, dass ein flaches Design für mich unter iOS nicht in Frage kommt. Aus oben genannten Gründen. Man hat sich der Umgebung anzupassen. Im Internet gibt es keine Konventionen, ich kann eine Webseite flach sein lassen, oder total illustrativ, schmal, breit, Flash, Silverlight, HTML5 oder vollkommen ohne Stlyesheet. Alles drin, alles “normal”. Meiner Meinung nach sollte man sich einem System wie iOS aber unterordnen, damit auch User, die die App das erste Mal öffnen und keine Ahnung haben, was das alles soll und kann, sich nicht erst an die App gewöhnen müssen, sondern schnell zu Ergebnissen kommen. Ausprobieren ist scheiße, Wiedererkennen ist leicht.

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