☰ Vom Wunsch auf ein anderes Blogsystem zu wechseln.

Podcasthörer und Twitterfollower wissen es schon, in mir wächst der Drang WordPress zu verlassen, etwas neues zu probieren, etwas weniger mächtiges, etwas das mehr Blog und weniger CMS ist. Vielleicht Tumblr.

Es ist nicht so, dass WordPress nicht gut ist, im Gegenteil, es ist großartig. Mein Blog wird dieses Jahr, tatsächlich ziemlich genau heute, sechs. Sechs Jahre UARRR.org, sechs Jahre WordPress. Ungefähr 30 verschiedene Layouts, angefangen ohne nennenswerte HTML/CSS/PHP-Kenntnisse, das System immer wieder so hingebogen, dass es machte, was ich wollte, auch, wenn das von den Entwicklern ursprünglich nicht so geplant war.

Anfangs fand ich es supercool alle möglichen Dinge zu probieren. Es gab noch kein Twitter (merkwürdige Vorstellung) und ich nutzte den Blog primär für Beiträge, die aus einem Bild und einem Satz bestanden. Außerdem war es cool eine Sidebar zu haben, in der man so ziemlich alles anzeigte, was angezeigt werden kann. Martin hat kürzlich seinen Blog auf sein altes Layout umgestellt. So ungefähr sahen Blogs damals aus. Meiner sah natürlich besser aus. Blogs waren damals das, was sie groß gemacht hat. Jetzt wird der Begriff “Blog” immer egaler. Blogs sind Webseiten, auf denen Leute Dinge publizieren. Ein Kommentarbereich macht keinen Blog aus, eine Meinung schon eher. Letztendlich ist die Grenze zwischen dem, was ein Blog war und dem, was jetzt eine ordinäre Onlinepublikation ist, arg verschwommen. Und das ist super, es bedeutet, dass Blogs keine Klowand mehr sind und das freut mich.

Dieses ist der 3.222. Post in diesem Blog. Über dreitausend Beiträge. 51.334 Kommentare, 5.081 Tags, 19 Kategorien. Angefangen hat dieser Blog als Praktikumstagebuch, in dem ich beschrieb, was ich für unglaublich langweilige Abenteuer in der Gemeindeverwaltung Stadland erlebte. Diese sind mittlerweile auf Privat gestellt, genau wie viele andere Posts, die ich manchmal entdecke, wenn ich mich durch die 328 Seiten dieses Blogs klicke und merke, dass dieser oder jener Eintrag nicht unbedingt mehr so hilfreich wäre, würde ihn jemand entdecken. Das ist okay, in sechs Jahren fällt eine Menge Unsinn an. Vor sechs Jahren war ich 16 und gefühlt noch ewig vom Abitur entfernt. 3222 Einträge später bin ich Geschäftsführer so einer hippen Internetsache. Dieser Blog beinhaltet einen Großteil meines Lebens. Das ist saucool.

Warum weg von WordPress?

Es gibt keinen wirklich guten Grund. Sechs Jahre das gleiche System, das Gefühl zu haben, dass alles etwas angestaubt ist, dass man keine wirklichen Bastelabenteuer mehr erleben kann, nachdem man das ganze System auf das Minimum reduzierte und damit auch noch absolut zufrieden ist. Keine Sidebar, keine Kommentare, kein abgefahrenes Layout, einfach nur Content, von dem ich gerade empfinde, dass er ganz gut ist.

Warum also nicht noch weiter reduzieren? Ich brauche nicht so wirklich eine Datenbank, hier passieren nicht viele dynamische Dinge, ich bearbeite eigentlich nur Textdateien. Derzeit werden massig Blogsysteme veröffentlicht, die genau das Problem lösen wollen. Seien es welche, die auf Dropbox basieren, oder winzige CMS, die man auf seinen Server schiebt und durch Ordner und Textdateien benutzt, wie Kirby, oder Second Crack.

Ich bin kein Webentwickler. Ich kann mir, mit etwas Anstrengung und viel Google, alles zurechttüddeln, wie ich möchte, aber der Code ist nicht gut und meistens habe ich keinen Bock darauf. Warum sollte ich also ein Blogsystem bevorzugen, in dem ich ausschließlich Code und Textdateien bearbeite? Es ist im Prinzip spannend, weil ich absolute Kontrolle über alles hätte, aber würde ich das wollen, hätte ich keinen Mac, sondern irgendeinen Rechner mit Linux drauf. Nicht darüber nachdenken zu müssen, wie etwas funktioniert ist angenehm und verspricht eine Fokussierung auf gute Inhalte. Es gibt Leute, die seit sechs Jahren alle drei Wochen Beiträge schreiben, in denen sie sagen, dass sie bald wieder mehr Beiträge schreiben werden und außerdem kommt auch ein neues Design. Bullshit.

Darum dachte ich an Tumblr. Ich muss mir überhaupt keine Gedanken machen, es ist nicht mein Server, es ist nicht mein Traffic, ich muss keine Updates einspielen und habe sogar Funktionen, die mir WordPress nicht bieten kann. Die einfache Wahl einer Postart, ob Text, Bild, Audio, Video, Chat, Zitat, Link… der Hammer! Die Linkposts und das Bookmarklet sind perfekt für diesen Blog, es gäbe keine schnellere Möglichkeit diese kleinen Linkposts zu schreiben. Die Repost-Funktion von Tumblr hat direkt zwei Vorteile. Einerseits bringt sie mehr Aufmerksamkeit. Niemand würde meinen Post hier einfach so in seinen Blog packen und auf mich verlinken. Das fände ich irgendwie auch nicht sonderlich töffte. Auf Tumblr ist das hingegen normal und auch für mich irgendwie okay. Tumblrs Art von Kommentaren, sofern man nicht Disqus oder Facebook Comments einbaut, ist ein Reblog und ein dazu geschriebener Kommentar. Dieser erscheint dann auch unter dem Ursprungspost. Hervorragendes System. Es blockt die meisten Vollidioten, weil sie dann ihren dämlichen Kommentar auch bei sich im Blog stehen haben und sorgt somit für einigermaßen hygienische Kommunikation.

Feedback auf Blogposts ist nicht schlecht, natürlich freue ich mich über jeden Tweet zu einem meiner Posts, zu jedem Blogpost, der darauf verweist. Tumblr nimmt den Schrecken vor dem Vorgang des Bloggens. Ein Eintrag ist weniger Wert, weil es so schnell geht. Eine vollkommen andere Dynamik. Likes fungieren als Bookmark und als kurzes “Mag ich, gute Arbeit”, was sehr verlockend erscheint. Man kann Blogbetreibern auf Tumblr Fragen stellen, diese können diese Beantworten und Frage und Antwort als Blogpost publizieren. Saucoole Funktion. Man hat ein Dashboard mit allen Posts, der Blogs, denen man folgt. Man kann Blogs folgen! Blogs! Das ist der Hammer, ich will das alles. Das sind so gut durchdachte Funktionen, die so viel Spaß machen können, dass es mich ärgert, dass WordPress mir das nicht so wirklich bietet, oder zumindest nicht in gleicher Qualität und mit gleicher Hirn-Aus-Mentalität, wie Tumblr es tut.

Aber Tumblr ist meiner Meinung nach kein Spielzeug, kein Microblogging. Tumblr ist eine Bloggingplattform mit seinen eigenen Regeln. “Micro-” impliziert eine Abwertung zum “normalen” Bloggen, aber nichts hält mich davon ab, genau diesen Blogeintrag hier, der wohl als “Macro” gelten dürfte, auf Tumblr zu veröffentlichen. Man muss sich an andere Regeln gewöhnen und auch Tumblr kann man sich so hinbiegen, wie man möchte. MG Siegler führt einen der inhaltlich besten Blogs derzeit. Auf Tumblr. Gemixt mit Bildern aus seinem Privatleben. Gefällt mir sehr, sehr gut.

Fazit

Ich werde nicht zu Tumblr wechseln. Oder überhaupt zu irgendwas. Ich weiß, dass der Drang etwas Neues zu probieren nachlässt, ich habe ihn zu einem großen Teil damit befriedigt, dass ich gestern Tumblr besiegt habe und mein Layout (mehr oder weniger) nachgebaute. Es ginge. Ich könnte diesen Blog auf Tumblr weiter führen. Es gäbe Einschränkungen und Vorteile. Ich hätte endlich eine vernünftige App, mit der ich bloggen könnte. Die Tumblr-App ist großartig, die WordPress-App noch immer Schrott. Selbst das umsetzen von Layouts macht bei Tumblr mehr Spaß, diese {Block}-Elemente sind der Hammer und angenehm idiotensicher.

Aber ich will meine Beiträge alle an einem Ort haben. Ich will nicht zu etwas wechseln, das morgen verkauft werden könnte, an irgendeinen irren Ölmilliardär, der entschließt jeden Blog zu löschen und alle Domains auf seine Zwergenpornoseite umzuleiten. Ich will nicht lange überlegen müssen, wie ich das ganze wieder exportieren kann, wenn ich von Tumblr weg will, ich will nicht gezwungen sein Layoutänderungen ertragen zu müssen, ohne etwas dagegen tun zu können.

Tumblr und iOS haben viel gemeinsam. Es ist der goldene Käfig von dem man selbst entscheiden muss, ob man in ihm sitzen möchte. So sehr mich das Backend, in dem ich das hier gerade schreibe, langweilt, so sehr ich mich daran sattgesehen habe, so sehr liebe ich es auch. Das hier ist mein Internetzuhause und ich finde es fantastisch. Lieber ziehe ich mir meine Codinghosen an und baue es mir so, dass es mehr meinen aktuellen Ansprüchen entspricht, als dass ich den Schlüssel irgendwelchen Internethipstern gebe, die es mir nicht erlauben ein Bild in Textposts hochzuladen, das größer als 500px in der Breite ist. WordPress ist tot. Es lebe WordPress.

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