☰ Fünfzehn Minuten.

Sehr geehrte Nachbarn,

offenbar wohnten Sie in der Wohnung über der meinigen und sind jetzt tot. Der neue, unbekannte Name am Briefkasten im Treppenhaus ließ darauf schließen, dass Sie gerade erst eingezogen sind und ich wunderte mich auch nicht sehr, dass ich vom Einzug nichts mitbekam, weil ich mich eigentlich nur zum Schlafen in meine Wohnung begebe. Dementsprechend wäre es durchaus im Bereich des Möglichen gewesen, dass Sie

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eingezogen sind, als ich gerade nicht in der Nähe der Wohnung war. Dort zu wohnen, wo ich auch wohne hat Vorteile. der Stadtteil ist angenehm ruhig, trotzdem erreicht man alles angenehm schnell mit der U-Bahn. Einkaufsläden sind in unmittelbarer Umgebung

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und alles, was man sonst so braucht, ist auch zu erreichen. Desweiteren kann man dem absoluten Großstadttrubel dort fast vergessen. Ansonsten ist das Haus auch recht angenehm, keine unangenehm lauten Nachbarn, keine kreischenden Kinder, wenn man aus dem Fenster guckt, sieht man Eichhörnchen und Häschen. Das klingt gelogen

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und lächerlich idyllisch für eine Großstadt wie Hamburg, aber genau so ist es. Das haben Sie vermutlich auch erfahren dürfen, bevor sie starben. Sie bewohnten den dritten Stock, den obersten, ich ging die Treppe noch nie so weit herauf, Ihre Wohnung müsste theoretisch sogar den Vorteil haben, dass Ihnen niemand auf dem Kopf herumtrampelte, weil niemand über Ihnen wohnte. Das klingt

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schön. Vielleicht würde ich auch gerne in dieser Wohnung wohnen. Natürlich müsste ich mehr Treppen steigen, aber ich würde mir dafür die Geräusche sparen, die es durchaus erzeugt, wenn Personen in der Wohnung über einem herumlaufen. Sie liefen nie viel herum. Mehr als Ihre Vormieter, aber es war nicht unangenehm. Normal. Man

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hörte Sie, die drei Tage, die kurze Zeit, die Sie dort wohnten, gerade gut genug, um einen Unterschied zu den Vormietern festzustellen, aber auf keinen Fall war es enervierend. Offenbar haben Sie den Umzug nicht ganz abschließen können, ich schätze, dass Sie auf einer Matratze schliefen, die auf dem Boden lag. Dementsprechend hatten Sie auch keinen Nachttisch, auf dem Sie Dinge hätten ablegen können. Das führte vermutlich

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dazu, dass sie ihr iPhone, kurz vor dem Einschlafen, neben ihr Bett legten, die Augen schlossen und starben. Und jetzt verrotten Sie in Ihrem Bett, dass, den Geräuschen nach, offenbar genau über dem meinen liegt. Aber hätten Sie nicht, bevor Sie starben, IHR GOTTVERDAMMTES iPHONE NICHT AUF DEN HOLZFUSSBODEN LEGEN KÖNNEN? Und warum, zur beschissenen Hölle, steht ihr Wecker auf 05:00 Uhr? Welcher normaldenkende Mensch steht um diese verfickte Uhrzeit auf, Sie Arschloch? Und welcher dämlicher Drecksspacken stirbt, ohne seinen iPhonewecker zu deaktivieren? Seit drei Tagen vibriert dieses beschissene Drecksding um

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fünf Uhr morgens auf ihrem VERSCHISSENEN Holzfußboden. UND WOLLEN SIE WISSEN WANN DIE AUTOMATISCHE ABSCHALTUNG EINES iPHONEWECKERS STATTFINDET? NACH FÜNFZEHN! VERSCHISSENEN! MINUTEN! Woher ich das weiß? ICH LIEGE DIE GANZE ZEIT WACH WEIL DER KRACH UNENDLICH IST DA DER FICKBODEN OFFENBAR ALS VERSCHISSEN GUTER

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RESONANZKÖRPER DIENT.

Vielleicht sind Sie aber auch einfach nur in den Urlaub gefahren und haben vergessen Ihr iPhone mitzunehmen. Egal, welche der beiden Möglichkeiten der Wahrheit entspricht:

Ficken Sie sich.

Kommentare

    1. ähm vielleicht hängt das dumme Ding ja an einem Ladekabel…. dann würde es bis zur Abschaltung des Stromes (und noch etwa 5 Tage lang danach) weiter klingeln O.o

  1. wie oft wurde ich schon von den weckern meiner sich im urlaub befindlichen nachbarn geweckt und wach gehalten. und wie oft habe ich schon ein handy so lange vibrieren HÖREN, bis es irgendwann vom tisch fiel, auf dem es wohl lag.

    die menschen, die so etwas machen, sind das pure böse.

    1. Ist ja auch nicht der Buchtitel…
      Aber ja, der hat ihn wahrscheinlich zum Titel inspiriert…

      Und vllt haben die Nachbarn Marcels, die seit drei Tagen in seinem Haus wohnen, Jan-Uwe Fitz zu seinem Buch inspiriert.

      Ich halte diese These aber doch für fragwürdig…

  2. Ich wohne unter einer Klavierlehrerin, die nach dem Unterricht entweder selbst noch spielen muss oder ihren Hund durch die Wohnung jagt oder mit ihrem Mann streitet oder alles zusammen. Bis nachts um 2 Uhr. Deshalb: Mein Beileid.

  3. Durfte das gleiche mit dem Wecker meiner Mitbewohnerin erleben, die für drei Monate (!) nicht da war. Jeden morgen um halb sieben (ich weiß, immerhin nicht fünf) ging das scheiß Teil an. Das Gepiepse war laut und unerträglich.

    Schlussendlich habe ich den Strom in ihrem Zimmer ausgeschaltet. Dann hat das Teil noch zwei Tage geschrieen, dann waren die Batterien von dem Fickding leer. Ich dachte mir auch nur: Ruhe in Frieden, Scheißteil.

      1. Wenn man seine Mitbewohner nicht kennt (und sich nicht aussuchen darf) und für drei Monate nicht da ist, dann finde ich das irgendwie verständlich. Ach ja, die Wohnungstür wird auch nur selten zugeschlossen und hat auf beiden Seiten einen Türgriff, sodass man auch ohen Schlüssel ein- und ausgehen kann.

  4. Selbiges mit dem iPhone Wecker habe ich in Verbindung mit fickenden Nachbarn erlebt. Diese behinderte Fotze! Mich hat noch nie etwas so sehr provoziert wie diese beschissene Familie. :nee

  5. Ein Stockwerk über unserer Wohnung liegt des Öfteren und gerne mitten in der Nacht ein eingeschalteter Presslufthammer auf dem Boden, der das ganze Haus erzittern lässt. Vielleicht ist es aber auch ein vibrierendes Handy….

  6. Die Jungs von der 110 stellen sowas recht schnell ab. Es gibt nämlich nicht nur wo du wohnst Menschen die ihr Handy auf Vibrationsalarm stellen und auf einem Resonanzkörper parken. Menschen die Nachtschicht arbeiten und daher irgendwann um 2 Uhr Nachts geweckt werden wollen. Die dann auch aufstehen, aber vergessen/keine Lust habe ihren Handywecker abzustellen. Naja, danach ist das nicht mehr vogekommen. ^^

  7. Ich hab genau so einen Honk über mir. Vibrationsalarm auf Holzfußboden.

    Noch schlimmer war nur die Frau nebenan, die ihren Braun-Terrorwecker (der, der immer schneller und lauter fiept, 20 Minuten lang) auf 6:00 eingestellt angelassen hat, als sie übers Wochenende weggefahren ist.

    Honkige Vollhonks.

  8. >dass ich vom Einzug nichts mitbekam
    >Ansonsten ist das Haus auch recht angenehm, keine unangenehm lauten Nachbarn
    >auf keinen Fall war es enervierend

    >@UARRR Diese VERDAMMTEN DRECKSWICHSER von Nachbarn! Sägen und Hämmern von sieben bis acht wie die Irren. Arschlöcher.

      1. Alter, komm mal klar. Nehme doch nicht alles so ernst! Man ey.
        Und Aufwand… 10-Finger-System. Kennste?! (14sek.)
        Meine Fresse, sowas von uncool.

      1. Nope. Aber lustig ist, wie langweilig das Geschriebene hier ist und dennoch alle dem Herrn in den Hintern kriechen müssen.

  9. Hahahaaaa! Ich lachte 😀
    Eine verschissene Arschlochsituation ist das, aber schön geschrieben. Man kann dieses virbrieren direkt hören.

    Vielen Dank. 😀

  10. Ich hatt auch mal Nachbarn, deren Wecker, nach einem Stromausfall, immer Punkt Mitternacht anging, und die Nachbarn waren, Gottverdammt, 2 Wochen lang im Urlaub. Jetzt wohnen neue daneben und von denen hört man nur das Bett an die Wand knallen und ein sich paar mal wiederholendes, kurzes ah wenn sie bumsen. Auch nicht besser.

  11. Oh man, dass kenne ich gut! Mein herzallerliebster Bruder hat seinen Wecker immer auf 5 Uhr stehen. Auch am Wochenende, wenn er nicht zuhause schläft… Logisch erklären kann er mir das zwar nicht, aber hey… ich bin mittlerweile ausgezogen =)
    Ist natürlich nicht die beste Lösung…

  12. Wie heißen deine neuen Nachbarn? Vielleicht sind es meine Alten! Bei denen hatte ich 3 Jahre das gleiche Problem 🙂

  13. Man stelle sich vor, manche Leute müssen um 6 Uhr arbeiten und stehen daher um 5 Uhr auf, um noch Zeit für Frühstück und Dusche zu haben. Man könnte auch denken, dass so pseudo intelektuelle Hipster es hinkriegen mal einen Zettel an die Tür zu hängen, mit dem sie auf die “Ruhestörung” hinweisen (freundlich), anstatt in ihrem Blog rumzupöbeln (unfreundlich). Mal sehen, vielleicht stelle ich den Wecker zukünftig auf 4:30 Uhr, einfach weil ich es kann 🙂

      1. Vielleicht solltest du deine hohen Qualitätsansprüche mal an dich selbst anlegen? Selten so einen dämlichen Kommentar gelesen…

  14. Verdammt. Mir ist das morgens um vier passiert – nein kein iPhone oder der gleichen, nein – meine Nachbarn feierten und das mitten in der Woche. Wie dem auch sei, schöner Beitrag.

  15. Ist mir auch mla passiert, war weggefahren und habe mich von meiner Musikanlage wecken lassen.
    Die hat allerdings bis man sie ausgeschaltet hat in voller Lautstärke gespielt.
    Mein Nachbar hat dann nach einem Tag die Sicherung rausgemacht (hätte ich auch) und wir haben uns bei einem Bierchen wieder vertragen. Cooler Typ.

  16. Hahaha 🙂 Kann ich gut nachfühlen. Ich schlafe in einem Hochbett im Altbau, und in ca. 1,5m Abstand zu meinem Kopf befindet sich der Küchenboden von Herrn und Frau K., die sich offenbar gerne nachts um 4.30 Uhr Sandwiches schmieren. Und dabei Polka tanzen. Zumindest hört es sich immer so an…

  17. Ach komm. Mücke – elefant. Ruf doch einfach deinen vermieter an und lass dir die nummer von deinen nachbarn geben (ja, manche menschen haben neben einem iphone noch ein anderes telefon). Oder die bullen – die machen die tür auf und stellen das ab. Oder kauf dir einfach ein paar ohropax.

    Gibts nicht was interessanteres in deinem leben? Sons fällt dir doch auch immer was ein!? Wie wärs mal wieder mit ein paar hübschen bildchen anstelle von aufgehübschtem selbstmitleid?