☰ Der richtige Zeitpunkt.

Eigentlich gibt es nur zwei Möglichkeiten. Man ist als erstes dort und es gibt keine Alternativen, dann kann man machen was man will. Microsoft und Windows sind ein gutes Beispiel. Damals. Monopolstellung, Apple überrumpelt und zack, jahrelange Narrenfreiheit. Das ist eher die Ausnahme und vor allem in der heutigen Zeit kaum noch kalkulierbar, weil es im Prinzip, und diese beiden Wörter stellt man sich doppelt unterstrichen vor, schnell nachahm- und verbesserbar ist. Damit ist man dann nicht mehr Monopolist, sondern Wettbewerber und schnell weg vom Fenster.

Ziemlich großes Beispiel um jetzt in einen viel kleineren Bereich zu kommen. Oben sehen wir einen Chatauszug zwischen mir und Jan, abgesehen von Paris Hilton mit Hitlerbart, fiel mir an der Stelle folgendes auf: Ich werde die brand eins iPad App so schnell nicht nochmal herunterladen, weil sie mir beim ersten Mal nicht gefallen hat. Sie war ruckelig, irgendwie lieblos zusammengestückelt und merklich nicht zuende gedacht. Wie das passiert? Ich habe nicht sonderlich viel Erfahrung mit großen Konzernen, aber etwas Erfahrung mit den Agenturen, die für große Konzerne Dinge machen. Und jetzt begebe ich mich in eine Systemkritik, aus der man mir einen Strick drehen kann.

Im Arbeitsalltag einer Agentur die für, sagen wir die brand eins, nur als Beipspiel, die iPad App macht, geht es nicht darum, dass am Ende ein gutes Produkt dabei herumkommt. Qualität ist tatsächlich sekundär. Das würde niemand zugeben, aber das ist die Wahrheit. Es geht um Deadlines, Preise und persönlichen Geschmack. Dinge, die aber andere Sachen schlecht machen: Deadlines, Preise und persönlicher Geschmack.

Deadlines und Preise

Deadlines. Natürlich kann ich festlegen, dass das Produkt, in diesem Fall eine iPad App, am 25. August fertig sein soll. Aber zeitgleich lege ich fest, dass ich nicht das bestmöglichste bekomme, sondern das, was bis zum 25. August fertig ist. Und ja, ich bin mir darüber bewusst, dass es in der Wirtschaft einfach so abläuft, das heißt aber noch lange nicht, dass ich es gut finden muss. Ich baue mir hier eine Utopie und bringe gleich auch noch Beispiele in denen eben diese gar nicht so utopisch ist. Die Deadline sollte also der Zeitpunkt sein, in dem jemand mit Ahnung sagt, dass das Programm, das Produkt, fertig und gut ist.

Die vollkommen falsche Herangehensweise bei solchen Dingen ist es, einfach schnell auf dem Markt zu sein. Das klappt manchmal, meistens nicht. Wenn man eine Deadline sehr früh setzt, einfach nur damit man möglichst schnell zu den anderen Zeitschriften-Apps im Store stößt, dann ist das zeitgleich das Todesurteil. Ich lade die App, merke, dass sie kacke ist, lösche, vergesse sie. Ich werde sicher nicht freiwillig fünfzehn Mal nachschauen ob sie vielleicht besser geworden ist. Und der wichtigste Zeitpunkt für ein Produkt ist der Launch, weil es dann das meiste Medienecho gibt. Beispiel: Windows Phone 7. Dieser Artikel sagt, dass es eigentlich ganz gut ist, aber Dinge fehlen, die nicht fehlen sollten. Fazit: Keine Kaufempfehlung. Warum bringt man ein mobiles OS raus, das kein Multitasking und Copy/Paste hat, nachdem das bei iOS stark umstritten war? Weil man schneller sein wollte. Wäre es für das Produkt besser, brächte man es direkt komplett und gut auf den Markt, gerne auch etwas später? Ja, weil dann Reviews nicht andauernd “Das und das geht zwar noch nicht, aber vielleicht kommt es durch ein Update” beinhalten würden. Zurück zum brand eins Beispiel. Ich mag die brand eins als Printprodukt sehr gerne. Die Inhalte sind fantastisch. Und ich würde es lieben sie auf dem iPad lesen zu können. Brachte es irgendjemandem etwas, drei Monate früher im AppStore aufzutauchen, zumindest auf lange Sicht? Nein. Da werden Entscheidungen dann nämlich in Konzernstrukturen gedacht, nicht aus der Sicht des Nutzers.

Persönlicher Geschmack

Einige meiner Freunde arbeiten für Agenturen die Programme für iOS Geräte entwickeln. Einige dieser Programme habe ich getestet und fand sie beschissen. Das mag einerseits an oben genannten Gründen liegen, zu wenig Zeit, zu krasse Deadline und weiteres. Andererseits liegt es daran, dass oft einfach Menschen Dinge tun, von denen sie keine Ahnung haben, aber denken es zu haben. Ich habe noch nie eine ganze iPhone-App gestaltet und konzipiert, aber ich bin mir relativ sicher, dass ich es, einfach dadurch, dass ich in dem Thema drin bin, besser könnte als so einige in diesen Agenturen. Weil ich weiß wie man so ein Ding benutzt, die Konzeptionsgedanken anderer zu Apps gelesen habe und die UI-Entscheidungen Apples kenne und nachvollziehe. Natürlich kann jeder eine iPhone-App gestalten, aber ob die dann am Ende irgendwelchen Qualitätsansprüchen genügt? Ganz andere Frage. Und ob die Deutsche Bahn, CinemaXx oder die Bild nun fünf Wochen später mit ihrer App auf den Markt kommen, dafür aber ein Programm haben, das wirklich durch und durch durchdacht ist, macht auch keinen Unterschied.

Gelebte Utopie

Ich werde nicht wieder erwähnen, dass ich kein Apple-Fanboy bin, sondern lediglich jemand der gute Produkte zu schätzen weiß. Aber ich werde feierlich auf diesen Artikel zu Apple verweisen, der die Grundphilosophie Steve Jobs verdeutlicht. Ganz grob zusammengefasst ist es: Mache nichts, was nicht zu 100% zufriedenstellend ist. In sich geschlossen, durchdacht und, großes Wort, aber: Perfekt.

Beispiel iPhone. Natürlich hatte es am Anfang kein Copy & Paste, kein Multitasking und, das wissen die meisten schon gar nicht mehr, keinen AppStore. Aber es war an sich ein Produkt, das nichts falsch machte. Die vorhandenen Programme funktionierten tadellos. Das Produkt war schnell, alles war logisch und sah auch noch gut aus. Es revolutionierte nicht grundlos die gesamte Handyindustrie. Natürlich kann man argumentieren, dass Apple dann auch noch ein Jahr mit dem iPhone hätte warten können, bis auch Multitasking und Copy & Paste möglich gewesen wären, allerdings, wie schon gesagt, kann man nicht denken ein vollkommen perfektes und alle wünsche erfüllendes Produkt auf den Markt zu bringen, schließlich braucht man als Unternehmen Luft für Verbesserungen nach oben. Was Microsoft jetzt aber mit WP7 macht ist blödsinnig. Natürlich hat Apple ewig auf Copy & Paste und Multitasking warten lassen, aber jetzt ist es da. iOS hats, Android hats, wie kann man auf die beknackte Idee kommen jetzt ein Produkt auf den Markt zu bringen in dessen Reviews steht, dass Multitasking und Copy & Paste fehlen? Blödsinnig!

Erster!

Mein Lieblingsbeispiel, das WeTab. Ja, ich verstehe, dass man auf der iPad-Welle mitschwimmen wollte. Ich wurde stark angefeindet, dass ich, ohne das Produkt in den händen gehalten zu haben, sage, dass es kacke wird. Ich sagte, dass man das durchaus im Vorfeld beurteilen kann. Was haben wir jetzt? Marketing GAU, Produkt scheiße, Produktkommunikation scheiße und der ganze Hype der lediglich durch die Paralellankündigung zum iPad aufgekommen war ist verpufft. Man kann keine offensichtliche Kacke produzieren um dann zu hoffen, dass es schon irgendwie klappt, weil man als zweites auf den Markt kommt und dann auch noch aus Deutschland kommt.
Ganz nebenbei, ich konnte in München ein WeTab testen und muss meine Meinung die ich mir im Vorfeld bildete nicht revidieren. Ja, es funktioniert irgendwie, ja das Gerät ist in der Hand haltbar, nein, es macht keinen Spaß. Keinen. Kein Stück. Der Besitzer des Gerätes, der es seit einer Woche hatte, konnte mir nichtmal zeigen wie man Apps auf dem Homescreen verlinkt. Nicht weil er nicht wusste wie es geht, die Theorie begriffen wir. Schlicht, weil es nicht funktionierte.

Was ich eigentlich sagen wollte.

Natürlich rede ich nur so vor mich hin, aber ich denke, dass ich da nicht ganz falsch liege. Und vielleicht sollte man sich als Unternehmen überlegen, ob man nur möglichst schnell etwas haben möchte, oder etwas möglichst gut machen will. Einen Kompromiss gibt es meistens nicht, weil “möglichst gut in möglichst wenig Zeit” nur dazu führt, dass es nicht so gut ist, wie es sein sollte um dem Kunden zu gefallen. Und am Ende geht es genau darum, die Zufriedenheit der Kunden. Fragt mal Steve Jobs, der hat das begriffen.

Kommentare

  1. wovon du implizit sprichst, ist agile entwicklung. das ist schlicht die einzige sinnvolle art, im kontext des web neue produkte zu entwickeln. kernfeatures launchen, feedback ernstnehmen, iterationen. das widerspricht der art und weise, wie wirtschaft — oder besser — das agenturbusiness (das ich selber zur genüge kenne) funktioniert.

    es ist nicht zufällig so, dass innovationen und gute produkte beinahe ausnahmslos von kleinen, schnellen, flexiblen teams entwickelt werden. die großen player legen entweder me-too-produkte nach oder kopieren den phänotyp, ohne konzept und prinzip zu verstehen.

    letztlich: wir brauchen andere arbeitsstrukturen. und davon mehr. weil wir gerade erleben, was mit einem geschäftsmodell geschieht, das ausgedient hat. eine gute chance.

      1. war nur, weil ich beim lesen die ganze zeit darauf gewartet habe, dass du auf agile development und so kram eingehst. bist du ja auch, ohne es hinzuschreiben.

        letztlich: selber gründen. selber sachen besser machen.

      2. Letzteres denke ich mir auch immer wieder. Ich frage mich nur, ob man es dann wirklich besser machen würde, oder dann auch in den Strudel der Deadlines, Geldnot und dementsprechend nicht cooler Ergebnisse kommt.

      3. kommt man unweigerlich, sobald man beginnt, die sache mit dem permanenten wachstum anzunehmen. zumindest höre ich das immer wieder von leuten, die diesen schritt ein- oder mehrmals gemacht haben. man muss sich wohl bewusst dafür entscheiden, von zeit zu zeit unwirtschaftlich zu handeln. und das ist extrem schwer.

    1. das beispiel stimmt — aber es gibt einen großen unterschied, ob man (wie apple) produktbusiness oder dienstleistungen anbietet (darum geht es in marcels artikel). wachstum ist viel einfacher zu kontrollieren, wenn man produkte entwickelt und verkauft. bei dienstleistungen reicht der eine verlockende, riesige auftrag, um ein gut funktionierendes system auseinanderbrechen zu lassen.

      1. @malte & @marcel

        aber apple ist auch dienstleister.

        geh mal in einen applestore und sag: “mein macbook ist kaputt, ich brauch das morgen”. dann wird man dir antworten: “alles klar, _in der regel_ ist das in 48 stunden fertig, versprechen können wir nichts”. das findet jeder scheiße der übermorgen ne präsentation halten und sich darauf verlassen können muss, das sein gerät funktionierend auf dem tisch steht.

        bei der bahn will man genauso nicht am gleis stehen und gesagt bekommen oh der triebkopf kommt “when it’s done baby” (zugegeben zunächst würd ich gut lachen^^).

        dass man bei agenturen auf deadlines etc. verzichten könnte liegt an der trivialität der industrie, nicht am sinn von verlässlichkeit, oder am schildchen “dienstleister”.

  2. Unterschreibe ich so. Große Marken, hinter denen große Konzerne stehen, die könnten sich doch mit der ein oder anderen App, mit Software und Hardware einfach ein wenig Zeit lassen. Aber mittlerweile achtet man einfach nur noch auf den Gewinn, der dabei herausspringt. Das wird vorher kalkuliert, man ist halbwegs zufrieden und hofft ein wenig darauf, dass man dann einfach irgendwann ein Update bringt, das beim Endverbraucher ankommt und zack, schon wieder Kohle gemacht. Das ist leider unsere Wirtschaft.

  3. Im Grunde hast du recht. Und doch halte ich Apple für kein gutes Beispiel. Ich habe noch nie so viele Adapter für ein Produkt eines Herstellers gebraucht wie für Apple. Auch das was Apple Multitasking nennt ist ein ganz übler Scherz. Ich habe es auf dem iPhone 4 gesehen. Es ist schrecklich, die Bedienung ist ein Hohn, wenn man das Gerät eine Weile laufen hat, dann quillt der “Taskmanager” über. Allerdings hat der Wettbewerb nichts besseres im Angebot, einmal abgesehen von dem unglaublichen gutem webOS, dem es an vergleichbarer Hardware und Markpräsenz mangelt.

    Dass es oftmals richtig ist, ein Produkt erst zu Ende zu denke, bevor man es auf dem Markt wirft – und darum geht es ja im Grunde – zeigt auch VW: Viele Andere Marken haben Nischen schnell besetzt, bei VW muss man immer noch ein paar Jahre auf etwas entsprechendes warten. Aber dann: Es ist das Beste, was man im Vergleich finden wird.

    Microsoft war in einer schwierigen Lage: Einerseits nicht mehr konkurrenzfähig mit Windows Mobile, andererseits gab es Android, was stark in die gleiche Kerbe haute und immer erfolgreicher wurde. Man musste sich einfach bewegen und ging Kompromisse ein. In einem halben Jahr wird das meiste davon der Vergangenheit angehören.Hätte man noch warten sollen? Vielleicht. Vielleicht wären bis dahin aber auch schon Hersteller wie HTC oder Motorola komplett auf “freie” Alternativen umgestiegen.

    1. Du kannst nicht sagen, dass du Apple für kein gutes Beispiel hältst und dann Multitasking als Beispiel bringen. Ich nannte Apples Philosophie als Paradebeispiel und die Entwicklung des iPhones ebenfalls. Ich sagte nicht, dass das Endprodukt ein für jeden perfektes ist. Das ist nämlich nicht möglich.

  4. Seh ich auch so das man ein fertiges Produkt auf den Markt bringen soll, bestes Beispiel dafür sind für mich Games. Mittlerweile kann man fats kein Spiel spielen ohne ein Update gemacht zu haben, da es vorher nur so von Bugs wimmelt. Allerdings sollte man sich an seine Deadlines halten wenn man sie eh schon weiter nach hinten geshoben hat, siehe Gran Turismo 5, da regt sich jeder drüber auf, dass die so lange brauchen, auch wenn man nachher mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit ein perfektes Produkt in der Hand hat.

    1. Es ist besser, wenn sich Leute darüber aufregen, dass es lange dauert und die Reviews sagen “Das ist geil, kauft das!”, als wenn die Leute im Vorfeld nicht motzen und die ersten Reviews sagen “Das ist scheiße, total verbuggt, kauft es nicht!”.

  5. Liebsatz: „You never get a second chance to make a first impression.“
    Wobei der Perfektionismusdrang zwar eine gute Sache ist, aber die gerade im Technikbereich immer mehr einreißenden Vorankündigungen mit nachfolgender, ewiger Wartezeit auf das eigentliche Produkt nicht weniger nerven.
    Das könnte man ergänzend noch hinzufügen: bitte erst ankündigen, wenn das Produkt spruchreif ist. Auch wenn sich dadurch in der Zwischenzeit potentielle Kunden für andere Hersteller entscheiden. Dafür sind die letztendlichen Käufer wesentlich entspannter, glücklicher und vielleicht auch toleranter gegenüber möglichen Fehlern.

  6. Freie Software funktioniert anders, nämlich nach dem release early, release often Prinzip. Und ist damit auch erfolgreich, weil man so neue Entwickler anzieht.

    Aber es stimmt schon, wenn mir jemand was anbietet, was ich bezahlen soll (und sei es jetzt über Geld, über Werbebelästigung, über Datenhehlerei oder Kontrollabgabe), dann guck ich mir das tendenziell auch nur einmal an. Bei Freier Software kommt es mir eher auf die Vision dahinter an, wenn die stimmt, nehme ich auch Kinderkrankheiten in Kauf und guck mir das immer wieder an und helfe vielleicht sogar manchmal bei der Entwicklung mit. Das ist für mich gelebte Utopie.

  7. Wenn ich irgendwann mal eine iPad-Version von meinem Blog mache (kennst das ja, wie lange bei mir “Ich mach dies und das!” dauert 😀 ), du wirst der Erste sein, der sie in Worten vernichten darf.

  8. Achso, und: d’accord. ABER! Das Problem dabei ist, dass Microsoft im speziellen Beispiel Windows Phone 7 einfach versucht, noch Kunden abzugreifen, die sich sonst ein iPhone 4 o.ä. kaufen würden und sich damit anderweitig binden.

    Ich hab Apples Dingens jetzt seit einer knappen Woche, selbst wenn Microsoft jetzt das perfekte(!) Smartphone auf den Markt bringen würde hätte ich keinen triftigen Grund, es mir noch zuzulegen. Und das ist die Krux, mit der Microsoft (und überhaupt alle, die sozusagen Zweiter sind) zu kämpfen haben: was nützt es mir, wenn ich das Supidupi-Produkt habe, wenn meine Zielgruppe sich schon längst anderweitig festgelegt hat?

  9. Wie Du es immer wieder schaffst diese Mischung aus allgemeingültigen Fakten, die jeder sofort benennen könnte und Deiner unglaublichen Naivität, was Prozesse in der echten Welt angeht, zu kombinieren, ist erstauntlich. Fast alles, was Du geschrieben hast, stimmt, setzt aber so unglaublich unrealistische Dinge voraus aus Annahmen, wie das alles “in diesen Agenturen” so abläuft, dass man nur lachen kann.

    Und diese unglaubliche Arroganz, dass Du es ja alles viel besser machen würdest, nur weil Du ein iPad hast und es bedienen kannst… ach manchmal bist Du schon süß.

    1. Wie es Menschen wie du immer schaffen einfach nicht richtig zu lesen. Hast du nicht mitbekommen, dass ich oben relativ häufig davon sprach, dass das Utopisch ist und ich durchaus weiß, wie und warum es in der Wirklichkeit anders abläuf? Nein? Oh.

      Und vielleicht kann ich noch viel arroganter werden, wenn ich einer von wenigen bin, die es schaffen mehr als drei Absätze zu lesen und dabei wirklich alles aufzunehmen, was in dem Text steht.

      :five

    2. Und auch schön, dass du in deiner beschränkten Sicht meiner Fähigkeiten beurteilen kannst, ob ich nicht wirklich in der Lage wäre ein iOS-Programm besser zu konzipieren und zu gestalten, als die meiste Scheiße die für große Unternehmen gemacht wird.

      Eigentlich machst du in deinem Kommentar nichts anderes als das, was du mir unterstellst. Mit einem Unterschied: Ich bin damit erfolgreich und du ein Troll. <4

      1. Och geh doch spaßeshalber einfach auf mein Argument ein. Ich nannte es oben Utopie und du kritisierst, dass das alles gar nicht der Wirklichkeit entspricht und es nunmal nicht so ist. Was soll also dein Punkt sein?

        Probiers, ich lasse mit mir reden, aber irgendwas sagt mir, dass du hierdrauf nicht konstruktiv antworten wirst.

  10. das ist wieder mal so ein kommentarthread, an dem ich mich eigentlich aus gründen der ignoranz und des hinterwäldlertums – mobiltelefone betreffend – gar nicht beteiligen möchte, ihn aber trotzdem abonniere. weil’s so amüsant ist ^^.

  11. Auszug aus einer Vorlesungsmitschrift zum Thema Zeitmanagement.

    “Pareto-Prinzip
    Herausragender Punkt von Zeitmanagementbüchern.
    Mit 20% Aufwand erreicht man bereits 80% Ergebnis! 20% der strategisch richtig eingesetzten Zeit erbringen 80% Ergebnis. 20% der Zeitungen enthalten 80% des Inhaltes, 20% der Kunden erbringen 80% des Umsatzes, 20% des Mixdowns bringen 80% des Sounds,… oft muss man Dinge unter kleinem Zeitaufwand gut machen, aber nicht perfekt – denn das bezahlt einem keiner. Perfektion ist also oft “zu gut für den Kunden”, lieber in der Zeit mehr Aufträge schaffen.”

      1. Und inwiefern widerspricht das meiner Aussage? Ich spreche vom Idealfall ihr von der Realität, die leider kacke und nicht ideal ist. Sehe das Problem nicht, außer “Wir sind die anonyme Internetmasse und suchen irgendwas zum motzen, weil wir nämlich kleine Penisse haben.”

  12. Ironischer Weise hatten die Windows Phones schon ewig Copy&Paste. Nur hat man es mit der komplett neuen 7er-Version “bewusst” rausgenommen. Naja.

  13. Zustimm! Like! Flattr!

    Das was Apple richtig macht, ist das sie die richtigen Features zur richtigen Zeit rausbringen. Während andere Hersteller schon vor Jahren ein Tablet rausbrachten, das, weil es noch nichts passenderes gab, Windows oder ein anderes Desktopbetriebssystem einsetzten, hat Apple gewartet bis sie ein passendes mobiles Betriebssystem hatten und bis die Hardware so weit war, dass Bildschirmhelligkeit, Multitouch, Laufzeit, etc für ein Tablet Sinn machen. Ähnlich bei Multitasking am iPhone. Die Hardware war noch nicht so weit, dass schon das erste iPhone es unterstützen hätte können. Aber das war ok, weil es zu diesem Zeitpunkt noch kein Smartphone gab, dass das gut gemacht hat. (Außerdem hatten wir vor dem iPhone alle noch normale Nicht-Smartphones). Ich habe am 3GS Multitasking eigentlich auch nie vermisst. Genauso wie ich Multitouch auf meinem normalen Handy nicht vermisst hatte. Gab’s halt nicht. Aber jetzt gibt es das und wenn man jetzt (also Herbst 2010) ein neues Handy auf den Markt bringt, dann sollte es Features die alle anderen haben auch haben. Also zumindest wenn sie gut sind. Und Copy’n’Paste ist sowas von gut. Aber vor dem iPhone wäre ich nicht mal auf die Idee gekommen Text oder Bilder auf einem Handy kopieren und wieder einfügen zu wollen.

    Egal, was ich damit sagen wollte. Man muss nicht immer alles haben, aber man (egal ob ein neues Smartphone oder eine App) muss gewisse Standardfeatures, die allgemein etabliert sind, haben und es muss die Features die es hat, gut umgesetzt haben. Weil eine Magazin App die 1 Sekunde zum umblättern braucht geht nicht. Oder so.

  14. Ok, dann also konstruktiv (konnte nicht oben antworten, da mir Dein Theme kein “antworten” Link zur Verfügung stellen wollte – drum also hier aus dem Thread gerissen):

    Du schreibst, dass in Deinen Augen Produkte an Deadlines, Preisen und persönlichem Geschmack scheitern. Als Beispiel bringst Du sowohl das Windows Phone als auch die Agenturarbeiten Deiner Freunde ins Gespräch. Dies sind zwei völlig unterschiedliche Welten. Versuch Du in einer Agentur als Dienstleister mal einem Kunden beizubringen, dass Du Dich nicht auf eine Deadline und ein Budget festlegen lassen willst. Die “When it’s done” Herangehensweise ist mit keinem Kunden namhafter Größe zu machen. In allen Verträgen wird immer eine Deadline und entsprechende Sanktionen bei überschreiten dieser Deadline festgelegt. Analog das gleiche gilt für Budgetfragen. Und bevor Du wieder mit dem Argument kommst, dass Du das ja geschrieben hättest: Ich sehe in Deinem gesamten Text ausser “Die Deadline sollte also der Zeitpunkt sein, in dem jemand mit Ahnung sagt, dass das Programm, das Produkt, fertig und gut ist.” keinen Vorschlag, wie dieses Dilemma zu lösen wäre. Dieser Satz ist jedoch so fern von jeder Realität und einfach nicht umsetzbar, da Dir der Justiziar Deines Kunden eine solche Passage in einem Dienstleistervertrag kreuzweise um Deine naiven Ohren hauen würde.

    Dein zweiter Teil war dann die Eigenentwicklung am Beispiel von Apple, dem Windows Phone und dem WeTab. Wie ich schon eingangs sagte, hast Du mit vielem Recht, was Du schreibst – und das sind diese Punkte. Apple macht in Sachen Produkteinführung vieles richtig, sind jedoch weit weit von der Perfektion entfernt, die Du ihnen zuschreibst – aber gut, geschenkt. Microsofts Einführung des Windows Phones ist auch in meinen Augen mehr als unglücklich und über das WeTab brauchen wir gar nicht reden. Dies sind jedoch alles Produkte, die marktbedingt immer demjenigen hinterherhecheln, der als erster auf dem Markt ist – wie Du richtig schriebst. Das WeTab war für Neofonie einfach eine Nummer zu groß und war von Anfang an zum Scheitern verurteilt – Apple baut an dem iPad ja auch nicht erst seit einem Jahr. Und dass das Windows Phone gegenüber einem iPhone eher bescheiden wirkt steht irgendwie in guter MS Tradition, da diese Firma irgendwie seit Jahren auf vielen Bereichen nicht mehr so wirkt als wisse sie, was sie da tut.

    Meine Kritik bezog sich darauf, dass Du über den Dienstleisterpart in einer völligen Verkennung von Realitäten wie Anwälten, Verträgen und dem normalen Agenturgeschäft geschrieben hast, in Deiner unnachahmlichen Arroganz behauptet hast, eine iOS Anwendung entsprechend besser designen zu können und dann mal eben Eigenentwicklungen und Auftragsgeschäft in einen Topf zu hauen. Das geht so nicht. Und so gern ich die Probleme, die Du alle richtig erkannt hast, auch gelöst sehen würde, sehe ich in absehbarer Zeit keine realistische Möglichkeit – auch in Deiner Utopie nicht, da sie, wie der Name schon verrät, komplett unrealistisch ist.

    Als Gegenbeispiele übrigens noch: GMail (erste am Markt mit 2GB Mailbox), Basecamp (erste am Markt mit einfacher Teamverwaltung), MySpace (damals erste am Markt mit Konzentration auf integrierbare Musik) – alles Beispiele dafür, wie teilweise unfertige und featurearme Produkte mit doch einem Alleinstellungsmerkmal erfolgreich in ihrem Markt sein können.

    1. Du wiederholst dich immer nur und das wird alles nicht sinnvoller. Ja, das ist realitätsfern, ja, ich habe oben geschrieben, dass es realitätsfern ist, nein, ich muss nicht die Realität besser finden, nur weil sie es ist. Ich nannte es oben Utopie, es ist eine Utopie und wenn du noch drei mal wiederholst, dass es Utopie ist, dann passiert nichts anderes, als dass wir einer Meinung sind. Ich wiederhole mich: Wo ist dein Punkt?

      Hast du den verlinkten Artikel zur Philisophie Apples gelesen? Ich sage nicht, dass das was die machen perfekt ist, ich sage, dass deren Herangehensweise die richtige ist. Richtiger als die vieler.

      Bei der iOS-App-Entwicklungssache ist es einfach ein Missverständnis. Die Beispiele die ich dabei im Kopf hatte kann man auch mit Leichtigkeit besser machen, wenn man sich den Gepflogenheiten des Agenturalltages hingibt. Und ja, ich weiß was ich da sage. Ist ja nicht so, dass ich mir alles aus den Fingern sauge nur um irgendetwas geschrieben zu haben.

      Und ich sagte auch, dass nicht alle Produkte so an den Start gehen müssen wie sie dann irgendwann werden. Wenn das, was an den Start geht, in sich geschlossen gut, logisch und benutzbar ist, dann ist das gut. Wenn es noch weiter verbessert wird, ist es sehr gut und das, was passieren soll.

      Wo war jetzt nochmal die Kritik an dem, was ich schrieb? Abgesehen von meiner unverbesserlichen Arroganz, die man aber schon kaum noch erwähnen müsste, weil der Blog nur so davon trieft?

      (Ich bin übrigens auch in der Lage Fehler einzugestehen, dafür müsste man mir aber plausibel aufzeigen, dass ich einen gemacht habe.)

      :five

  15. Ich besitze ja nichts, was irgendwie ein i davor hat, aber ich glaube, was die Verlage angeht, kann ich ein kleines bisschen mitreden. Und da sind mir bei diesem – sonst sehr guten, danke – Text die Preise dann doch ein bisschen zu kurz gekommen. Denn wer weiß schon, wie viel die brand eins Redaktions GmbH (die übrigens kein großer Konzern ist), überhaupt für Ihre App ausgegeben hat? Vielleicht stimmt da ja sogar das Preis-Leistungs-Verhältnis zwischen Auftraggeber und Agentur…
    Jedenfalls waren die Gespräche, die ich bisher mit irgendwelchen Verlagsmenschen zu diesem Thema geführt habe, überwiegend ernüchternd. Tatsächlich scheint man außerhalb des Axel Springer Turms in Berlin eher zurückzuschrecken vor weiteren Investitionen im New Media-Bereich – Grundton war immer, “das rechnet sich nicht”. Schade! Aber besser gar kein Zeug als schlechtes Zeug, oder?

    1. Kann man natürlich drüber streiten, aber ja, ich würde sagen, dass es auf lange Sicht und im großen Bild besser ist keine iPad-App zu haben und keinen Twitter-Account und kein Facebook, wenn die Alternative ist, dass es das zwar alles gibt, aber nur halbherzig ausgeführt wird.

  16. Egal was alle anderen schreiben – Du hast recht! Und es geht hier nicht nur um Apps und den ganzen Quatsch. Das zieht sich in alle Teile von “Dinge die Menschen tun”. Unfertige Promotion-Konzepte, halbduchdachte Websiten, “vor der Messe schnell noch einen Prototypen vom Chinesen” sourcen…
    Ich hab den Agenturfirlefanz und die Wichtigtuerei knapp 2 Jahrzehnte mit angesehen und mich rausgezogen. Mit Abstand betrachtet ist das Ganze so unfassbar lächerlich und mitunter krank… und selbst Dein Artikel mit seiner Kritik ist schon tausendmal erzählt worden – vor 5 jahren – vor 10 Jahren – vor 15 Jahren… ich war dabei … von den gleichen Leuten, die den Beta-Schwachsinn später dann doch produzieren. Und Du fragst dich nach 10 verqualmten Sitzungsmarathons in Konferenzräumen wo die Scheiben von der Decke bis zur Erde gehen, nach dem “warum”. Die Antwort ist so einfach wie schlagend:
    1. Profit
    2. Investoren ruhig stellen
    3. Profit

    So what! Es geht in den seltensten Fällen um den Anwender oder Käufer. Es geht darum wie schnell und in welcher Masse der Vertrieb das Zeug in den Einzelhandel verschieben kann. Quartalszahlen! Man nimmt dabei sogar billigend den Tod der Musikindustrie in Kauf (Lesetipp: Tim Renner “Kinder, der Tod ist gar nicht so schlimm!”)

    So, und nun wieder an die Arbeit!

      1. Ich muss dir leider teilweise widersprechen. Google Wave war eigentlich gut, aber seiner Zeit voraus. Das wird wiederkommen, denke ich. Und das neue Twitter UI finde ich Hammer, da ist deine Meinung leider ziemlich subjektiv. 😀

    1. und was Wave angeht muß ich Dir widersprechen, denn Du gibst mir ja recht: “Der richtige Zeitpunkt” für die Welle war es nicht!
      Die Bugs haben mich wahnsinnig gemacht und der Zauber war verflogen.

  17. Sehr guter Artikel, und deswegen und wegen Zeichnungen lese ich deinen Blog.
    Ich hab aber nochmal eine Frage: Im großen und ganzen geht es jetzt eigentlich nur darum, dass groß Konzerne nicht erkennen das man besser 2, 3 oder 4 Monate später mit einem Produkt auf den Markt geht als es halb-fertig zu veröffentlichen?

    Ich finde es gut wie ausführlich du das alles beschreibst, auch wenn du während dem schreiben überall Kommas und Punkte und irgendwie eigene Gedanken einbringst, lässt sich das alles doch ganz gut lesen.

    Daumen hoch!

  18. Ihr Kacker,

    Eigentlich liebt ihr es doch alle, wenn ihr ein Gerät in die Hände nehmt und es sich gut in euren Händen anfühlt, während es Sex mit euren Augen macht. Ihr schaltet es ein und es funktioniert. Irgendwie ein guter Moment, der viele weitere Momente magisch gut macht.

    Ihr sprecht hier andauernd von irgendwelchen Deadlines, die sind mir – zumindest in diesem Kommentar – ziemlich egal. Denn Kernaussage war und ist, dass der Benutzer das liebt was er mag. Mögen tun wir das, was wir oft und gerne machen. Und dazu gehört nunmal nicht, sich über Funktionen in einem, kalt ausgedrückt, technischen (aber dafür billig und schnell entwickelten) Gerät zu ärgern. Da kann es von mir aus 6€ kosten, wenn die Nutzung sich nicht gut anfühlt(!), bleibt das Gerät liegen oder wird zum Kunstobjekt weiterverarbeitet. Manche verlieren es dann auch absichtlich.

    Nimmt der User eigentlich Rücksicht auf die Deadline? Bemerkt der Endverbraucher Sie? Es wird doch nicht so schwer sein, als Agentur dem Kunden zu vermitteln, dass es dem User egal ist, wo wie wann die Deadline war und ist. Wenn es ihm nicht gefällt benutzt er es nicht. Aloa.

    Hier beginnt übrigens die Aufgabe der Agentur: Dem Kunden klar zu machen was der Endverbraucher denkt und eben NICHT über irgendwelche Umsätze zu spekulieren. Denn diese resultieren effektiver & positiver von einem guten Produkt. Man sollte also tatsächlich Wert auf Qualität legen und letztlich daraus versuchen die Masse zu erarbeiten. Eine kreative, funktionierende Masse. Natürlich ist das anfangs hollprig und nicht gerade Millionengewinn erbringend. Aber immerhin tut man dann alle Dinge mit einem guten Gewissen. Sogar die Entwicklung macht dann Spaß. Haha.

    Und jetzt trinke ich Pfefferminz-Tee.

    PS: Gesunde Arroganz ist gut für den Verstand.

  19. Das WeTab war ein so genannte “Totgeburt” von dem Moment der Ankündigung an.

    Was offensichtlich unfertige App’s angeht, von vermeintlich großen Firmen, davon gibt es viele im App Store und es werden beständig mehr. Gibt nur wenige App’s die so gesehen “fertig” sind vom Konzept her, was schade ist aber scheinbar ein Fortschreitender Trend zu sein scheint.

    1. Das ist das große Problem, alle wollen ihre eigen app um trendy zu sein. Aber nur wenige verstehen das Prinzip hinter einer guten app. Im besondern die Verlagswelt.

  20. Ein Aspekt fehlt mir, der m.E. ebenfalls relevant ist. Du sagst ja, “dass oft einfach Menschen Dinge tun, von denen sie keine Ahnung haben, aber denken es zu haben.” Das stimmt, aber es gibt sicherlich auch häufig das Gegenteil: Agenturen die wissen was sie tun, aber vom Kunden dazu gedrängt werden das Falsche zu tun. Weil beim Auftraggeber nur jemand mit Halbwissen sitzt oder einfach jemand der es kann sagt “Ich will das aber so! Punkt”. Und dann musst Du das als Agentur erfüllen, die Brocken hinzuschmeissen ist ja keine Dauerlösung.

    1. Stimmt. Und in meiner lustigen Utopie ist es dann an der Reihe der Agentur zu sagen “Nee, machen wir nicht, wir produzieren keinen Scheiß.” Ja, so wird man nicht reich, aber so macht man die Welt besser.

      1. Wobei man in der Realität je nach Lage eventuell sogar lecker Vertragsstrafe zahlen darf. So wird man dann nicht nur nicht reich, sondern auch arm. Aber ist ja sowieso irgendwie das Selbe.

      2. Ja, aber dann hat man im Vorfeld schon alles falsch gemacht. Auch wenn falsch an dieser Stelle bedeutet “so wie es nunmal läuft”. Ich weiß das ja alles, aber nur weil es so ist, kann man ja trotzdem darüber reden wie es perfekt wäre.

  21. Und jeden Tag erlebe ich diese Zusammensetzung aus überbewerteten Deadlines, schlechtem Eigengeschmack und der Wille, ganz schnell mit einem noch schlechteren Produkt am Markt sein zu wollen – du hast den täglichen inneren Kampf mit meinem Gewissen und dem der Kunden/Chefs in Worte gefasst. Wie oft habe ich unzureichend durchgesprochene Projekte begonnen, die dann viel zu früh gelauncht wurden um dann einige Wochen später wieder zurückgerufen zu werden. Schrecklich.

    Zeit ist Geld – aber Zeit ist auch Qualität. Das begreifen nicht viele.

  22. Two thumbs up.

    und zu der anderen Diskussion in den comments hier. Der Kunde ist nicht immer König und es ist gut wenn man ihm das auch manchmal sagt ;). Ich bin damit bisher immer gut gefahren. Es ist anstrengend, nervenaufreibend aber dafür 1000% Kundenbindung wenn man das erste dezente Gespräch überlebt ;).

  23. Der Artikel mag alt sein, aber bei soviel Arroganz will ich meine nicht fehlen lassen.
    Ich weiss, deine Welt ist schön, keine Deadlines, kein Geld und auch keine Probleme wenn das Geld fehlt. Ja das ist eine Utopie, ja ich verstehe das und ja ich stimme dir zu. Du versuchst allerdings deine Utopie auf die Realität zu übertragen – am Beispiel Apple.

    Hier scheitert die Argumentation. Wir alle müssen Geld verdienen, keiner kann sich 2 Jahre Entwicklungszeit gönnen damit eine Broschüre perfekt bis ins Detail ist. Schon garnicht, wenn die Konkurrenz schneller und billiger ist.
    Denn: 2 Jahre Entwicklungszeit bedeutet dass der Entwickler 2 Jahre bezahlt werden muss. Welcher Kunde, der nächste Woche sein Produkt vorstellt und dazu noch schnell eine der besagen Broschüren braucht wird das verstehen? Und wie soll er im Abschlussbericht erklären dass er für die Gestaltung einer 20-Seitenbroschüre 50000€ gezahlt hat?

    Keiner, richtig.
    Würde er das, wären wir die Deadlines los.

    Auch der Designer wird sich nicht mit 0.50€ Stundenlohn zufriedengeben. Er wird in dem Rahmen, der ihm zeitlich und budgettechnisch möglich ist versuchen den Kunden was Gestaltung betrifft zu bilden. Das ist gut.
    Genauso wird er versuchen Perfektion soweit es in diesem Rahmen möglich ist zu erreichen. Das ist auch gut.
    Alles was über diesen Rahmen hinausgeht ist unwirtschaftlich. Und ja, das ist ein Problem.
    Denn so gern ich als Perfektionist tun würde, kann ich mir nicht unendlich viel Zeit für Kundenprojekte nehmen, da Miete, Essen und alle anderen festen Ausgaben zeitig gezahlt werden müssen.

    Die Utopie gibt es nicht, per Definition nicht.
    Der Wunsch danach ist sinnlos.

    Was deine Aussage betrifft dass du bessere iApps für Enduser gestalten und konzipieren könntest als jede Agentur ist das leider ziemlich falsch.
    Eine Agentur die sich oder in der sich eine Abteilung auf die Konzeption und Gestaltung von Apps spezialisiert hat, wird sicher benutzbare, funktionale und gutaussehende Apps erstellen. Da besteht kein Zweifel, da diese Leute meist noch um einiges weiter in der Materie stecken als du.
    Solche Agenturen kosten allerdings ihr Geld, einfach weil diese Konzeption und Erstellung aufwändig ist.
    Eine kleine Agentur die normalerweise nur Print anbietet und dann zufällig einen Praktikanten einstellt der ein bisschen C# programmieren kann, wird aber auch “apps” anbieten. Dabei ist sie sicher billiger & schneller, da der Praktikant das ja schon kann und die Agentur keine Vorstellung vom Umfang erfolgreicher und funktionaler App-programmierung hat. In dem gewählten, viel zu kleinen Zeit und Budgetrahmen muss der Praktikant dann arbeiten. Natürlich kommt dabei ein unfertiges Produkt mit vielen Fehlern heraus, ist ja auch nicht anders zu erwarten.

    Nun müsste man dem Kunden erklären, dass Qualität Geld kostet. Die wichtigen intelligenten Kunden wissen das. Der Rest hat eine “Mein Neffe hat auch photoshop”-Mentalität. Leider ist hier Hopfen und Malz verloren.

    Was allerdings möglich ist sind persönliche Projekte. Da hast du die Zeit, das Budget (natürlich durch böse unfertige Sachen verdient) und die Muße für nichts zu arbeiten.
    Nur hier können perfekte, oder nahezu perfekte Dinge erzielt werden.
    Daher ist es lobenswert wenn sich eine komplette Werbeagentur für ein Jahr freinimmt um einen eigenen, in ihrem Sinne perfekten Film zu erstellen (Link ist mir leider entfallen..). Leider ist das nicht für alle möglich.

  24. Lieber Uarrr,

    grundsätzlich kann ich Ihrem Text nur zustimmen. Allerdings argumentieren Sie im Bezug auf brand eins mit zwei Irrtümern:

    – 1. brand eins sei ein großer Konzern.
    Wir sind ein kleiner, unabhängiger Verlag. Wir konzentrieren uns auf unser Kerngeschäft und bündeln alle Kräfte, um Monat für Monat ein gutes Magazin zu machen. Wenn Sie uns mit Bild und Co vergleichen (ich hoffe, nicht inhaltlich …), dann scheinen wir etwas richtig gemacht zu haben. Tatsächlich ist dieser Eindruck aber falsch.

    und daraus resultiert Irrtum Nummer 2.

    – 2. die Konzernstrukturen
    Ein großer Begriff, der ausgefeilte Hierarchien nahelegt. Allerdings gibt es so etwas wie Hierarchien bei uns nicht. Es gibt eine Chefin, die brand eins einst auf eigenes Risiko gegründet hat, und denkende Mitarbeiter die ihre Meinung frei sagen dürfen und sollen. Anders wäre ein Magazin wie brand eins gar nicht möglich.

    Ja, wir hatten eine Deadline für unsere App. Wir wollten zum Start des iPads in Deutschland mit dabei sein.

    Nein, wir haben das nicht aus Profitgier gemacht, sondern weil wir uns erhofft haben, dadurch neue Leserschichten auf unser Magazin aufmerksam zu machen. Denn leider ist brand eins zwar in bestimmten Kreisen ein guter Name, tatsächlich jedoch kennen uns erst 5 % der deutschen Zeitschriftenleser. Das wollen wir ändern.

    Qualität ist eine Sache, über die man vortrefflich streiten kann – siehe unsere Ausgabe 10/2010 … schauen Sie doch mal rein.

    Ihnen scheint unsere App nicht gefallen zu haben. Dies ist Ihr gutes Recht!

    Ihre Kritik an unsere App springt dann aber doch etwas kurz: Die App ruckelt, sei irgendwie lieblos zusammengestückelt und merklich nicht zu Ende gedacht.

    Bei mir ruckelt die App nicht 🙂 Auch kann ich Ihnen versichern, dass die App genau so an den Start ging, wie wir uns das vorgestellt haben. Sonst hätten wir sie nicht veröffentlicht. Sie bildet das Heft so gut es geht ab. Mehr wollten wir nicht.

    Dass die App dann Stück für Stück nachgebessert wird, liegt in der Natur der Sache. Denn zum einen sieht man erst im laufenden Prozess, was verbesserungswürdig ist, zum anderen mussten auch wir erst einmal ein iPad in die Finger bekommen. Wir wurden ja nicht vorab damit bemustert. Ich zB habe mein iPad erst 6 Wochen nach dem Verkaufsstart erhalten.

    In so fern haben Sie mit Ihrer Bemerkung recht, dass “Menschen Dinge tun, von denen sie keine Ahnung haben.” – Alle hatten keine Ahnung, bevor sie nicht ein iPad in den Fingern hielten.

    Nun wo man weiß, welche Möglichkeiten das iPad genau bietet, wird Stück für Stück nachgebessert. Dies ist bei uns ganz bewusst ein langsamer Prozess. Denn nicht alles was möglich ist, ist auch sinnvoll. Wir schauen sehr genau darauf, welche Funktionen den Inhalt unseres Magazins unterstützen und welche nur ablenken. brand eins wird ganz sicher auch auf dem iPad nie eine Multimedia-Plattform werden. Wer Videos sehen will, soll You Tube gucken, wer Interviews als Film will soll Fernsehen schauen. Oder überfrachtete Apps wie die von Wired herunterladen. Unsere Stärken liegen woanders. Und wie gesagt, wir konzentrieren uns auf unser Kerngeschäft.

    Ich denke, mit unserer Vorgehensweise sind wir gar nicht soweit entfernt von Ihrem Positiv-Beispiel Apple. Ein funktionierendes Produkt auf den Markt bringen und dann Stück für Stück verbessern.

    Denn auch wir brauchen noch Luft nach oben 🙂

    Mit besten Grüßen
    Frank Dahlmann
    brand eins Online + iPad

    1. Hallo und erstmal Danke für den langen und ausführlichen Kommentar. Ich muss zugeben, dass es vielleicht etwas unfaire und schlecht strukturierte Kritik an der App war und mein Hauptpunkt, dass sie vielleicht jetzt sogar schon viel besser, gar makellos sein könnte, ohne, dass ich es merkte, zu kurz kam.

      Generell ging es mir nur um die grobe ganze Sache, gar nicht unbedingt mit brand eins Bezug. Die kam mir nur dummerweise gerade als Beispiel gelegen.

      Also, wie gesagt, danke für den Kommentar und ich werde mir die App beizeiten nochmal neu ansehen, nachdem mein erster Eindruck (direkt als sie rauskam) mich nicht überzeugen konnte.

      🙂