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Es ist gar nicht so lange her, dass ich mich mit Jan darüber unterhalten habe, auf wie unwahrscheinlich vielen Fotos man sich befindet, ohne, dass man diese jemals zu Gesicht bekommt. Sei es, weil ein Freund die Bilder auf einer Party gemacht hat und sie seitdem auf seiner Kamera herumgammeln, oder – und das ist die eigentlich spannende Überlegung – weil man einfach irgendwo draußen herumlief und irgendwer irgendwo irgendein Bild machte, auf das man zufällig geriet.

Brandenburger Tor, Eiffelturm, Hamburger Hafen, alles Touristenanlaufplätze, an denen man sich ab und an herumtreibt. Wir überlegten, wie fantastisch es sein muss, alle Bilder die es von einem gibt irgendwie bekommen zu können und wie abstrus das Gefühl sein muss, sich selbst irgendwo zu sehen, ohne zu wissen, dass das Bild von einem gemacht wurde.

Eher unmöglich, dachten wir, schließlich bedarf es dafür eine Hauptanlaufstelle, auf der alle zusammenkommen und ihre Bilder hochladen… bis dann Facebook mich letzte Woche darum bat, doch mal einen Namen zu diesem Gesicht einzutragen, das sie gerade auf einem meiner Bilder gesehen haben. Also in langsam: Facebook! Klar. Unfassbar viele Menschen haben einen Facebook-Account und bis letzte Woche dachte ich nicht darüber nach, dass man die Technologie, die Apple in iPhoto bereits einsetzt, genauso gut in einem Social Network nutzen kann. Sprich: Nutzer definieren Namen zu Gesichtern, Software erkennt markante Gesichtszüge und damit später die Gesichter selbst und ordnet sie einem Namen zu.

Was Facebook also offenbar schon kann, ist Gesichter erkennen. Schließlich sagte es mir, dass hier ein Gesicht ist, zu dem es gerne einen Namen hätte. Freundlich, wie ich bin, habe natürlich gleich den richtigen Namen eingegeben. Das macht jetzt jeder andere Facebooknutzer auch und schon hat der Laden eine beeindruckende und verstörende Datenbank an Namen zu Gesichtern.

Das hat zur Folge – und ich weiß nicht, ob ich das gruselig oder total cool finden soll – dass, sollte in Indien jemand seine Paris-Urlaubsbilder von 2006 hochladen und ich mich auf einem von denen befinden, es ein leichtes für Facebook ist, den Wichmann zu entdecken und automatisiert zu taggen.

Krasser Scheiß.

Kommentare

    1. Die Funktion, dass man Menschen auf Bildern markieren kann, ja. Aber Facebook, das schonmal Gesichter vorselektiert und dich nach dem Namen der Person fragt? Ist neu, denke ich.

  1. Wow – genau darüber haben wir uns hier in der vorletzen Woche auch unterhalten. Genau das Beispiel mit iPhoto und Farcebook. Ich finde es gruselig – Fakt ist, man kann seine Daten durch Verweigerung nicht schützen, denn deine »Freunde« werden deinen Namen sicher gern für dich eintragen, oder ihr Adressbuch mit allen Daten mit Facebook per Knopfdruck syncronisieren – schön! Ich habe mich eh davon verabschiedet, finde es gruselig, doch ich gestalte das ganze bewusst mit – ich denke es ist eine Art Verschlimmbesserung – aber ich verstehe wenigstens annähernd was da passiert und werde immer weiter sensibilisiert.

    Aber da Sie, Herr Wichmann, stets und ausschließlich ihre Schuhe und Unterhose aus der Vogelperspektive in diversen Lokalitäten fotografieren, müssen Sie sich keine Sorgen machen – Beinbehaarungs-Erkennungs-Software wird noch ein paar Jahre dauern 😀

    1. Ja, sich ganz davon zu verabschieden wäre vermutlich nicht klug. Wenn man aktiv an vorderster Front kämpft (das wollte ich schon immer mal sagen), kann man zumindest Schadensregulierung betreiben.

      Ich mag Facebook. Also ehrlich.

  2. Jeder Tag sollte – verdammt noch mal – vom getagten Benutzer erst freigegeben werden, bevor es alle seine Freunde sehen.

      1. Einstellbar wird das alles sein, klar. Aber die Tatsache, dass es nicht öffentlich gemacht wird, heißt noch lange nicht, dass es im Hintergrund auf den Servern passiert, vermutlich sogar schon passiert ist. Aber so läuft das halt. Und irgendwie ist es abgefahrencool.

  3. Da gibt es auch schon nette APIs die man mit Gesichtern trainieren kann. Würde wetten, wenn man ein wenig kriminelle Energie investiert, könnte einem das iPhone bald einige Informationen zu wildfremden Menschen geben die man auf ner Party trifft. Schon gruselig der Gedanke jemanden mit seinem Vornamen erstmals anzusprechen 😉

  4. Wie viele Photos gibt es wohl (indirekt) von einem; genau darüber habe ich zuletzt auch nachgedacht. Es ist ja schon erschreckend (ja. Total.) wie viele fremde Gesichter einem aus dem eigenen virtuellen Fotoalbum heraus entgegenstarren. (und dann ein Freund aus einem ganz anderen Bundesland auf eine dieser fremden Personen im Hintergrund tippt und sagt: “Wahnsinn, das ist ja mein alter Sandkastenfreund!” )

    Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass eine Art Zusammenschluss aller “eigenen” Bilder realisierbar ist. Trotz diesem Facebook-Ereignis das du gepostet hast.
    (Facebook – who cares? 😉 )

  5. Nun kombiniere man das mit der Tatsache, dass immer mehr Fotos mehr oder weniger automatisch mit ziemlich exakten Geodaten versehen werden und schon wird das ganze richtig lustig – massives Wissen darüber, wer wann wo mit wem war.

    1. Im Prinzip macht Picasa das – wenn man es denn einstellt. Picasa kann Gesichter erkennen und zuordnen bzw. benennen und zu einem Fotoalbum auch gleich noch den genauen Ort auf der Karte heraussuchen wenn er davor eingegeben wurde.
      Auf einen Blick bei Picasa also: wer was wann wo!
      Zum Glück lassen sich die Funktionen ziemlich leicht abschalten.

  6. Wirklich cool wäre es, wenn Facebook beim upload die gesichter erkennt und alle Personen erst bestätigen müssten, dass das Foto hochgeladen werden darf… dann kämen keine komischen “Partyfotos” die man nicht haben will ins Internet.

    1. Mindestens so cool wie Blog, bei denen Kommentare erst freigeschalten werden müssen, bevor sie erscheinen.

      Und wenn sich jemand einfach nicht darum kümmert, wenn ein Foto von ihm hochgeladen wird? Wird nie veröffentlicht? Dann werde ich in Zukunft alle Gesichter mit Schweinsköpfen verdecken und einen Account für das Schwein machen, um jedes Mal zu bestätigen, dass man zehnmal auf einem Foto ist und das so passt.

  7. Google macht das seit einiger Zeit (halbes Jahr?) mit Picasa. Nicht wie iPhoto lokal, sondern man muss die Fotos hochladen und Google setzt dann wird getaggt. Sie sammeln also auch brav Daten. Bei der Bildersuche kann man ja auch auswählen nur Gesichter, was noch nicht so spannend ist, aber auch hier ist die Kombination das entscheidende.

    Wer sich dafür interessiert, empfehle ich auch http://face.com/, welche eine API für Gesichteserkennung bieten. Beispielapps sind etwa eine Facebook-App, die automatische Menschen auf den eigenen Fotoalben taggt, ja komplett mit Namen, nicht nur Gesichtserkennung. Leider ist das sehr durch Facebook eingeschränkt, sodass man nur eigene Alben und nicht alle seiner Freunde oä. taggen lassen kann. Eine andere, ich glaube die ist noch private beta, soll Benachrichtigungen senden, wenn man in einem Album von einem Freund auftaucht, hat bei mir allerdings, vermutlich wegen den Facebook Einschränkungen, nicht geklappt. Eine anderes Beispiel ist ein Service, das alle Twitpics nach Stars durchsucht. Funktioniert gut, allerdings ist es nicht so beeindruckend, da in den meisten Fällen sowieso getwittert wird, wer auf dem Foto ist.

    Jetzt könnte man aber auch selbst so ein Service schreiben, also wenn man es kann (ist Jan anwesend?), das zum Beispiel Twitpics nach Marcel durchsucht. http://developers.face.com/

  8. Facebook ist in gewisser Hinsicht ja Skynets kleiner, liebenswürdiger Bruder. Mal sehen was da noch so auf uns zukommt. :zzz
    Bisher hatte ich nie Bedenken dabei, der riesigen künstlichen Intelligenz persönliche Daten oder Fotos einzuspeisen und ich gehe davon aus dass Panikmache (sofern es nicht darum geht, dass Datensätze verkauft werden, wasauchimmer) völlig übertrieben ist. Trotzdem… creepy.

  9. Euh.
    Ich find das eher gruselig. Auch die Geschichte mit dem Disneylink. Ich weiß nicht, kann dran liegen, dass ich vor kurzem ein Buch gelesen habe über Gesellschaftstrukturen – und verknüpfungen. (Linked – How Everything Is Connected To Everything Else). Wenn ich also die Überlegungen hier mit denen in dem Buch verbinde (das kommt auf die Feststellung hinaus das Google, facebook und co langsam die Strukturen und Verbindungen einer menschlichen(!!) Gesellschaft zeigt, auch in der Art von suchen und.. taggen , halt) und dann weiterdenke…
    landen meine Überlegungen bei einer Gesellschaft, die von programmierten und künstlichen Intelligenzen geleitet wird. Das ist g-r-u-s-e-l-i-g.
    Ich kann es aber auch eher gruselig finden, weil es einfach creepy ist.

  10. Ich finds total cool und spannend. Mal schauen wie sich das ganze noch weiter entwickelt. Leute die sich aber bei Facebook gleich wieder löschen finde ich einen ticken zu übertrieben …

  11. Noch ein Grund mehr keinen Facebook-Account zu besitzen, obwohl das vermutlich nichts daran ändern wird, dass die Bilder getaggt werden. Ich freue mich für Facebook, dass sie immer wieder Wege finden, um zu verhindern, dass jemand seine Privatsphäre in dem Masse schützt, wie er es für richtig hält. Danke Facebook, dass du uns solche schwierigen Entscheidungen abnimmst!

  12. @Aeon: Das sagen viele. Das interessante, beängstigende, lustige oder auch total schlechte daran ist, das hier Menschen zum Teil des Netzwerks werden, die nicht bei Facebook sind, sein wollen oder evtl. noch nicht mal einen Computer ihr eigen nennen.

    Ich find es ne gute Entwicklung. Negative Szenarien kann man sich wohl viele zusammenbauen wenn man will. Ebenso viele wie gute. Bisher nutzt Facebook die Daten hauptsächlich dazu (wie auch google) um gezielter Werbung zu machen. Und das is ja wohl nich das schlechteste.