☰ uMag – Eine Heftrezension

Es kommt nicht selten vor, dass ich E-Mails bekomme, in denen ich gefragt werde, ob ich irgendwas umsonst machen, bekommen oder testen will. Oft ist bekommen und testen auch einhergehend. Selten sind diese Angebote wirklich interessant, dieses war aber ganz nett, schließlich bin ich ein verkappter Print-Freund.

Das uMag wurde also neu gemacht. Anderes Aussehen, anderer Name (U_mag wurde zu uMag), veränderter Inhalt. Popkultur und Style sollen die wichtigsten Inhaltspunkte sein, nungut. Im Folgenden also meine ungeordneten Gedanken zum Relaunch, die zusammengefasst wohl auch hier erscheinen werden. Und ja, ich bin etwas spät dran. Was solls.

Layout

Es ist hübsch, durchaus, zumindest teilweise. Aber es nervt, ungemein. Ich persönlich bin sehr angetan von klaren, schlichten Dingen, was aber nicht heißen muss, dass es nicht verspielt sein darf. Man schickte mir eine der alten Ausgaben, um sie mit der neuen zu vergleichen (oder so). Ich las mir zuerst die aktuelle durch, fühlte mich dabei stark durch das Layout gestört. Es ist unkoordiniert, folgt keinem nachvollziehbarem Raster und, ich wiederhole mich: Nervt.

Optisch sehen die Seiten meistens gut aus, als Kunstwerk betrachtet. Usabilitytechnisch, um hier mal Websprache in Printkram einfließen zu lassen, ist es eher katastrophal. Das Auge verliert sich alle zwei Sätze, bleibt an absolut unnützen Layoutspielerreien (“abgerundete” untere linke Ecke bei Hauptstories?!) hängen und muss sich unregelmäßig an eine neue Seitenstruktur gewöhnen.

Weißraum gibt es manchmal ausreichend, meistens nicht, es wirkt oft vollgestopft und nicht sonderlich einladend. Und weil ich hier lustig rummotze, möchte ich an dieser Stelle ein Positivbeispiel bringen. Christoph hat es mit seinem Ausdruck richtig gemacht, es ist verspielt, aber lesbar, einladend und angenehm zu verfolgen. Natürlich verstehe ich, dass er ausschließlich längere Storys hatte, die zu layouten waren, was aber nichts daran ändert, dass man es hätte besser machen können.

Inhalt

Fand ich das Aussehen noch ganz okay, gehts beim Inhalt total den Bach runter. Feierlich kann ich behaupten, dass ich mir fast jeden Artikel durchlas und nach jedem irgendwie deprimiert war.

Für mich hat das alles den Eindruck, als hätte man einfach mal versucht ein Magazin zu bauen. Irgendwie. Inhalte gibt es im Internet, da kann man ja schnell irgendwas zusammenschreiben, damit sich so ein Magazin füllt. Und wenn man das ganze dann noch in ein abgefahrenes Layout verpackt, finden das die Menschen sicher schon total cool. Nein. Ich nicht, ich finde das anstrengend. Im Internet finde ich Kleinkram okay, da will ich Informationshappen, Dinge, die ich schnell konsumieren kann, und bekomme es auch. Aber wenn ich will, bekomme ich auch lange, inhaltsschwangere Storys, die wirkliche Aussagen machen und nicht nur grob irgendwie informieren.

Es ist meine absolut subjektive Meinung, aber wenn ich einen 20-Zeiler über das neue Gorillaz-Album und den Gorillaz-Zeichner Jamie Hewlett in meinem Heft abdrucke, dann will ich, dass der Leser davon irgendeinen Vorteil hat. Was mir der Text allerdings sagt: Nichts. Es kommt ein neues Album und der Zeichner hat eine riesige Insel gebaut, die dafür als Dreh- und Angelpunkt dient. Dann wird die Insel in sieben Sätzen beschrieben, Ende des Artikels. Kein Bild der Insel, kein Link zu mehr informationen (den man dann ja abtippen könnte, retro, aber machbar), nichts. Kack, würde ich mal sagen.

Ein Interview mit Christian Ulmen, bei dem die Fragen so dämlich sind, dass einen die Antworten kein Stück interessieren. Dachte sich wohl auch der Ulmen, die Antworten sind auch lahm. Cool. Zum Glück wurde das auf totes Holz gedruckt.

Eine Doppelseite mit Bildern… und Text, also Überschriften. Kram den man offenbar teilweise kaufen kann. Hab ich nicht verstanden. Ist das Zeug, das ich kaufen soll, weil es irgendwie entfernt mit dem neuen Burton-Film zutun hat, der grob angeteast wird, in einer Ecke? Blödsinn! Das ist totaler Quatsch. Lasst mich in Ruhe.

Ach, und so weiter. Vielleicht ist es nicht fair etwas, in das Menschen vermutlich viel Arbeit gesteckt haben, so auseinander zu nehmen, aber wenn man mich nach meiner Meinung fragt, muss man davon ausgehen, dass sie nicht positiv sein wird. Ach, das Papier mag ich übrigens. Man sagte mir, dass das viele kritisiert hätten, aber ich finds geil, ist so ein bisschen trashig. Und so.

Fazit

Tut mir fast Leid. Ich mags nicht, es deprimiert mich, weil ich nicht weiß, was ich damit anfangen soll. Vermutlich bin ich die Zielgruppe, davon ausgehend, dass ich irgendwie Illustrator und Designer und Internetsuperstar ( :doh ) bin, vermutlich sollte ich mich am Layout ergötzen und die popkulturellen Inhalte genießen. Kann ich aber nicht, weil das alles irgendwie lieblos ist. Zusammengewürfelt, nicht final, skizzenhaft. Ich will keine fragementarische Anhäufung von Dingen, ich will ein durchkonzipiertes Magazin, das mich Unterhält und – ja ich bin da konservativ – bildet.

Post Scrotum: Über den albernen Versuch etwas Social-Web in das Magazin zu bekommen, in dem man Twitter thematisiert und eine “Twitter-Top-5”-Liste abdruckt, möchte ich lieber kein Wort verlieren. Oder doch: Es fühlt sich an, als hätte man verzweifelt probiert das Internet mit Print zu verbinden. Klappt nicht, lieber vernünftigen Inhalt, als halbgare Experimente.

:doh

Kommentare

  1. Ließe man den anders angesiedelten thematischen Fokus samt differierender Hauptzielgruppe außen vor und komprimierte die Rezension auf Deinen generellen Forderungskatalog an ein Magazin, käme ziemlich exakt “brand eins” dabei heraus.

  2. Ich abonnier die u_mag jetzt seit gut fünf Jahren. Auch mir ist in letzter Zeit aufgefallen, dass die Themen sich nur noch um sich selbst drehen und ich irritiert nach der nicht vorhanden Folgeseite von Interviews suche. Werde daher das Abo auch kündigen.

    Finds ziemlich schade, zu Beginn war die u_mag ein richtig gutes Magazin. Da wurde wohl die Chefredaktionsstelle falsch neu besetzt.

    (bah, das Cover ähnelt ja einer Modezeitschrift!?)

    (An der Uni las ich mal so ein ziemlich gutes Psychologie/Mode/Musik/Technik-Magazin, IQStyle oder so? Oha, les grade, die ist auch schon tot)