☰ Marcel, was sagst du eigentlich zum iPad?

Ich bin ein Freund von Produktivität. Und da offenbar diverse Menschen Interesse an meiner Meinung zu dem Thema haben und ich seit gestern Abend, als Apple das iPad vorstellte, mehrfach das gleiche Gespräch führte, werde ich an dieser Stelle meine Gedanken zum iPad unterbringen. Ungeordnet, unstrukturiert und unheimlich subjektiv.

Ist es eine Revolution? Nein, sage ich mal so. Keine Revolution der gesamten Technik- und Internetwelt, wie wir sie kennen. Eher eine Revolution der Hausfrau. Für Personen die nicht sonderlich technikaffin sind, seien es Großeltern, Mütter oder vergleichbares, die damit überfordert sind, dämliche Benutzeroberflächen, wie die von Windows, oder von OS X (ja, beide sind für Menschen, die nicht wirklich in der Materie stecken, viel zu komplex) zu verstehen, bietet das iPad neue Möglichkeiten. Es ist schlicht, simpel, ein großer iPod Touch (dazu später mehr). Man kann es nehmen, klickt auf den fetten Button mit einem Briefumschlag drauf und kann eine Mail schreiben. Kinderleicht und daher gut. Es füllt nicht nur die Lücke zwischen iPhone und Macbook, respektive Smartphone und Notebook, sondern auch alle techniklosen Ecken unserer Gesellschaft. Es hat das Potential in jedem Wohnzimmer herumzuliegen.

Nur mal so nebenbei: Solange andere Tablet-Hersteller weiterhin auf Windows bauen, wird das alles nichts, aus oben genannten Gründen. Wer Probleme hat Windows mit Maus und Tastatur zu bedienen, wird es mit den Fingern nicht besser hinbekommen.

“Toll, das ist jetzt ja auch nur ein großer iPod Touch!” Stimmt, muss man so sagen. Darf aber einige Sachen nicht aus den Augen verlieren. Es ist ein großer iPod Touch, der iPad heißt und erheblich(!) mehr Leistung bietet. Das Teil ist nichtmal auf dem Markt, was alles an Software kommen wird, die extra auf das iPad ausgelegt ist, ist schier nicht absehbar. Aber ich habe da große Hoffnungen. Profanes und irgendwie billiges Beispiel, aber eine Kochbuch-App, die aufgemacht ist,  wie ein richtiges Buch (vergleichbar mit der iBooks-App, die gestern vorgestellt wurde)? Perfekter Begleiter für jemanden der in der Küche etwas kochen möchte.

Ach, ich switche hier mal zu den Menschen, die gerade Krampfhaft das iPad mit eBook-Readern vergleichen wollen. Das ist nicht möglich. Ich nenne jetzt mal das Kindle als Beispiel. Alle anderen Reader verfolgen schließlich das gleiche Prinzip. Die aktuellen eBook-Reader sind nicht perfekt, im Gegenteil. Aber der Ansatz ist der richtige. Wenn ich meine Bücher digital lesen wollen möchte, greife ich nicht zum iPad, sondern zu einem der eInk-Reader. Natürlich ist es möglich Texte an einem selbst leuchtenden Bildschirm zu lesen, aber das will niemand und es ist auch sicher für  niemanden vergleichbar angenehm, wie Texte auf nicht leuchtenden Untergründen zu lesen. Also lasst das raus. Der Vergleich hinkt nicht nur, der ist querschnittsgelähmt.
Davon abgesehen denke ich, dass die ganze iBooks-Sache funktionieren wird. Sehr gut sogar.

Was ich, zum derzeitigen Zeitpunkt, noch recht fragwürdig finde sind folgende Dinge: Fehlende Kamera. Auch wenn die Untersuchung des SDKs gerade ergeben hat, dass die Grundlagen für eine Kameraintegration vorhanden sind: Auf der Keynote wurde keine Kamera vorgestellt, also gehen wir davon aus, dass es (erstmal) keine gibt. Schlecht. Bisher fand ich Videotelefonie immer ganz nett. Feine Spielerrei, nichts, was wirklich Sinn ergeben würde. Mit dem Gerät kann ich es mir allerdings ziemlich gut vorstellen, warum auch immer. Irgendwie ist es halt so, wie man sich Videotelefonie vorstellt. Ich zumindest. Außerdem mal ganz abgesehen von den unzähligen Apps, die auf Kameraunterstützung zählen und auf dem iPad nicht benutzt werden können.

Ich glaube nicht, dass eine externe Kamera rauskommen wird, die man via Dockconnector anschließt, ich denke, dass das Kamerafeature mit dem iPad2 als großartige Neuerung rauskommen wird. Irgendwas muss man halt in der Hinterhand behalten.

Dinge, zu denen mir weiterhin die Informationen fehlen, ich also davon ausgehe, dass es erstmal nicht möglich sein wird: Peripherie. Gut, man kann eine Tastatur anschließen, das steht fest. Abgefahren. Wenn ich aber mit meinem iPad auf dem Sofa liege und in iWork wichtige Arbeitsdokumente erstelle, was mache ich dann mit denen? W-Lan-Drucker gibt es, aber ich denke, dass die Unterstützung erwähnt worden wäre, gäbe es das Feature. Einzige Möglichkeit, die ich gerade sehe die erstellten Dokumente auszudrucken: Sync mit einem anderen Computer. Und dieser Punkt, die (scheinbar) mangelnde Fähigkeit als alleinstehender Computer zu fungieren, ist es, was mir am meisten aufstößt.

Soviel dazu. Wie gesagt, unsortiert und subjektiv. Aber das ist das, was ich dazu erstmal denke. Ich überlege übrigens stark es mir zu kaufen, ich finde es also nicht absolut scheiße. Außerdem bin ich viel zu technikversessen, als das ich mir ein neues Gadget entgehen lassen würde.

Kommentare

  1. Klar muss so ein Gerät eine einfache Oberfläche haben. Die größten Kritikpunkte sind auch nicht, dass es nicht so flexibel wie OSX, wie ein Desktop-Betriebssystem ist, sondern, dass es ohne Not Dinge auslässt, die es so viel besser hätten machen können: Wieso Youtube nur in Extra-App? Wieso Apps *ausschließlich* aus Apples Store? <- das kommt einer Herstellerzensur gleich. Wieso kein Multitasking? <- das ist was, das (von der Software richtig eingesetzt) auch Hausfrauen was bringt. Und wieso diese eingeschränkten Verbindungsmöglichkeiten? Drahtlos könnte man sehr einfach sehr viel machen. Apple wollte halt nicht.

    Und für das, was danach noch übrigbleibt, ist es mir persönlich zu teuer.

  2. Zum Thema Praxisnutzen: wenn die Rückseite wirklich komplett aus gebürstetem Aluminium ohne weitere Beschichtungen (transparente Gummierung o. ä.) bestehen sollte, sehe ich die Teile bei Aktionen wie dieser http://bit.ly/a5OijB schon reihenweise runterrasseln, was bei der komplett verglasten Front ziemlich folgenschwer sein dürfte.

  3. Ich verstehe den Hype gar nicht? Das IPad ist doch ein stink normales MID welche es zu hauf gibt, super tolle Funktionen hat es auch nicht. Der Punkt mit der einfachen Oberfläche gilt auch nicht, das haben viele andere MID’s auch…
    Ich sehe keinen nutzen in dem Teil, ich meine für den Urlaub mal: cool
    an der UNI: cool aber sonst so?
    Da es halt kein richtiger Rechner ist, wie bei vielen anderen MID’s kann man es auch nicht als Laptop Ersatz nehmen… schade.
    Naja wird sich schon wer finden ders Kauft.

  4. Eigentlich ist das Teil ja im großen und ganzen völlig an mir vorbei gegangen, aber ich bin immer noch der Meinung, ein 10 oder 12 Zoll MacBook wäre sinniger gewesen als ein iPad. Also ich persönlich brauche das Ding nicht.
    Im Gegensatz zu meinem Macbook und dem iPhone. Die möchte ich nicht missen.

  5. Ich denke das Potential des iPads wird erst richtig mit einem (hoffentlich kommenden) Jailbreak ausgeschöpft, es gibt da noch einiges was man mit der Leistung des Gerätes anstellen kann :>
    Zum Thema drucken: Jetzt schon kann man mit iPhone (leider nur) per Zusatzapp über Wlan Bilder drucken also wird es denke ich nicht lange dauern bis das ganze auch für Text etc. kommt. (vllt. sehen wir sogar in Firmware 4.0 was natives)

  6. wieviele leute gibt es wohl die keinen richtigen PC (oder netbook) bedienen können aber mal eben 500-1000€ für ein iPad raushauen?

  7. Ich freu mich schon auf coole Multiplayerduelle auf so einem großen Bildschirm 🙂 Ansonsten coole Sache für abends im Bett, wenn der Laptop aufm Schreibtisch am externen Monitor angeschlossen ist und mir nen Film zeigt und ich nebenbei noch surfen möchte. Dafür ist mir das iPhone einfach zu klein.

  8. Ich glaube fast sogar, dass du Recht hast. Ich glaube aber auch folgendes sollte man beachten: Apple macht nie direkt all das, was für sie möglich wäre. Wie beim iPhone könnte auch das iPad noch ein Jahr brauchen, bis es eine angemessen vollständige Basis-Software-Ausstattung von Apple spendiert bekommt. Apple mag es, neue Geräte vorzustellen, die Kunden an die neue Idee heranzuführen und dann, wenn es genug Leute verstanden haben, die nächste sinnvolle Ladung Features drauf zu werfen, über die sie jetzt wieder ein Jahr nachdenken konnten.

    Also: Dieses Jahr ist nicht das Jahr des iPad (sofern nicht Apple-untypisch in 6 Monaten die nächste Version vorgestellt wird). 2011 wird das Jahr des autarken, noch schnelleren und vollständigeren iPads.

    Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

  9. Es ist perfekt für Single-Chats!
    Ich las einen guten Kommentar dazu: “Noch ein Ladegerät mehr zum Verlieren.”

  10. @Pascal: Richtig verstanden, die Masche nennt sich “Geld machen durch Kunden verarschen”. Ist ja auch ein gern genommenes Modell überall.

    Ich glaube, dass Googles Chrome OS besser wird. Nur haben die halt dann keine eigene sexy Hardware.

  11. Hallo, könnt ihr die DUMMEN Kommentare bitte weglassen? Es bringt niemandem mehr etwas andauernd “Das ist alles viel zu teuer mimimimi.” zu schreiben. Trottel.

  12. ich bin zwar auch nicht vollständig überzeugt vom ipad – vor allem wegen dem offenbar fehlenden dateimanagement – bin aber allerdings ebenso technikbesessen, siehe die vielen kleinen vorteile darin und will es in meinem wohnzimmer herumliegen haben. habe es heute bereits bei amazon vorbestellt. :cheer

    “zu-teuer-meckerer” sind übrigens total 90er. :zzz

  13. Ich hab kein Netbook, aber ein iPad wäre chique 🙂 und wird wohl auch einzug in mein Wohnzimmer finden. Nach dem iMac!

    Ich finde die Konsequez, die ein iPhone (und dann auch bald ein iPad) mitbringt gerade das geniale an der Sache. Keinen alternativen Appstore, kein Multitasking, keine Frage welcher Taskswitcher, oder welche Art. Musik nicht zum austauschen? Hätte es das vor p2p gegeben, hätten wir auch keine lästige diskussion um filesharer oder ähnliches. Ich finde Apples iPhone Politik konsequent und richtig. Das ist der Grund des Erfolges (in meinen Augen).

    Das aller einzige, was ich vermisse ist eine App oder eine Funktion um WLAN/Blauzahn auszuschalten. Mein iPhone ist jeden Abend leer, weil ich dieses Dienste nicht über die ganzen Menüs ständig ein- und ausschalten will!

  14. Spiegelt in etwa auch meine Meinung wieder.
    Das was viele bemängeln sind meiner Meinung nach gerade die Stärken des iPad.

    Ich kann mir das Teil wirklich gut für Leute vorstellen, die keine Ahnung von PCs haben und einfach nur ein bisschen surfen oder E-Mails schreiben wollen.
    Was sicherlich fehlt ist eine Druckerunterstützung, dann wäre es perfekt.
    Klar, der AppStore und die “Verschlossenheit” des iPhone OS hinterlässt einen komischen Beigeschmack, aber eigentlich dient es nur der Benutzerfreundlichkeit und der Sicherheit.
    Sonst würden eben diese technisch nicht so begabten Nutzer irgendwelche Software herunterladen, die wohlmöglich ihr System lahmlegt. (Damit steigt nur das typische “Nee, da kann ich doch was kaputtmachen. Das benutz ich lieber nicht”)

    Multitasking ist auch so ein Punkt. Bei Chats wäre es schön, aber irgendwie wird es doch viele überfordern.

    Schön wäre ein größeres Dock, wo man das Teil einfach abstellen kann. Das dient dann gleichzeitig als WLAN-AP und bietet ein paar USB-Ports für Drucker und all den Kram, den man so herumfliegen hat. (Scanner, Kamera-Docks, …)