
Ich war nie wirklich schlecht im Deutschunterricht, auch nicht im LK und auch nicht in der Abiturklausur. Allerdings fand ich das alles nie wirklich gut. Rezensionen schreiben war Kinderkram, nicht schwer und wenn man sich an die Regeln hielt und diese etwas ausschmückt, bekam man automatisch eine gute Note. Das Endergebnis war aber ein Text über ein Schriftstück, den man sich nicht wirklich durchlesen möchte.
Dementsprechend wird das hier eigentlich keine Rezension, sondern meine Sammlung von Gedanken zum ersten Buch des Lesezirkels. Aber das sollte okay sein, schließlich sind wir hier kein Leistungskurs, sondern das Internet. Also kotze ich einfach mal irgendwas in die digitale Einöde.
Ich warne hiermit vor etwaigen Spoilern in den nächsten Sätzen. Die Handlung ist der Hammer, allein aus dem Grund, dass sie nicht erfunden ist, dass es sich um einen Tatsachenbericht einer Sache handelt, die die Welt verändert hat. Einzelschicksale, die sich zu einer Bewegung zusammenfinden, die, obwohl es ursprünglich nie wirklich das Ziel war, in eine Richtung rutschte, die nicht absehbar war. Ja, es geht um Drogen und ja, die ganze Bewegung, das ganze abgefahrene Spektakel um die Merry Pranksters kommt nur in Gang, weil alle andauernd total dicht sind und ja, Drogen sind böse. Aber davon ausgehend, dass es damals nichtmal ein Gesetz gegen LSD gab, kann man die Situation nicht mit unseren Maßstäben bewerten.
Kesey entdeckt LSD, so mehr oder weniger, nicht wissenschaftlich, aber für sich. Entdeckt das sinneserweiternde Potential, das in dem Zeug steckt und nimmt es. Meine Drogenerfahrungen halten sich in stärkeren Grenzen, als Nordkorea seine Einwohner, aber ich glaube, dass die Pranksters damals keine Junkies waren, keine Drogenabhängigen im Sinne, wie wir diese jetzt definieren würden. Es waren junge Leute, die etwas neues entdeckten, ein Abenteuer.
Und was für eines. Die Busfahrt, fantastisch und fürchterlich gleichzeitig und vermutlich als nüchterner (im Sinne von: Nicht unter Drogen stehend) Leser kaum nachvollziehbar, obwohl Wolfe sich die größte Mühe gibt, dazu aber weiter unten mehr. Dann der Weg zu den Tests, die Flucht nach Mexiko und die ständigen Rückschläge. Obwohl ich aus Gründen nie wirklich stundenlang am Stück gelesen habe, fühlte ich mich mit den Protagonisten unwahrscheinlich verbunden. Das ist erstaunlich, weil deren Charakteristiken nur umrissen werden, Emotionen kommen nur flüchtig auf, was zum einen am Erzählstil, zum anderen einfach an der Situation liegt.
Ich könnte jetzt mit Erzählstilen und Fachwörtern um mich schmeißen, aber damit ist ja niemandem geholfen. Versuchen wir es so: Die Geschichte fließt. Sie fließt genauso sehr, wie die Protagonisten und die ganze Zeit in der sie lebten. Wolfes Stil fließt. Er ist eckig und Kantig, aber fortlaufend, sich bewegend und schlingernd. Anstrengend, kann man sagen, aber eigentlich ist das Buch ein wenig wie ein Fluß. Man kann neben dem Fluß stehen, also nur manchmal eine halbe Seite lesen und versuchen das Ding irgendwie zu erleben, oder man springt rein und lässt sich von der Strömung mitreißen.
Die Strömung ist es auch, was das Buch, obwohl es ohne Zweifel anstrengend ist, ganz wunderbar macht. Wenn man sich darauf einlässt, fließt man mit den Charakteren im Buch. Erlebt die Busreise cremig fließend und stickig niemalsendenwollend, bis einer der vielen herben Rückschläge die so plätschernde Story plötzlich wieder hart und real werden lässt. Real ist sowieso ein gutes Stichwort. Wüsste man nicht, dass das ganze wirklich passiert ist, gäbe es keine Wikipediaartikel in denen Bilder des Busses, liebevoll Furthur genannt, sind, könnte ich mir kaum vorstellen, dass da wirklich echte Menschen waren, die diese Scheiße durchgezogen haben. Die wirklich eine Vision hatten, der sie nachgingen, die etwas bewegten. Und zwar nicht nur sich selbst, sondern Denkweisen anderer Menschen, Weltansichten und Gesellschaften.
Man merkt, ich fands gut. Auch, wenn ich teilweise genervt war, aber insgesamt hatte ich nach Abschluss des Buches das Gefühl gerade mit unfassbar interessanten Menschen ein unglaubliches Abenteuer durchgestanden zu haben. Und irgendwie ist es ja genau das, was ein Buch tun sollte. Auf welche Art auch immer.
Ich fänds total knorke, würdet ihr eure Rezensionen zum Buch, solltet ihr welche geschrieben haben, unter diesem Beitrag verlinkt. Dann haben wir die irgendwo gesammelt, es kamen ein paar Trackbacks, aber ich habe den Überblick verloren. Danke! Auch fürs Mitlesen. Macht Spaß.
Nachdem man schon viel Zeit dafür aufwenden konnte, zu lesen, wer Julia ist, hat mich Max darum gedingst, ihm doch ein paar Fragen für ein Studiumswasauchimmer zu beantworten. Da es um Digitalkram geht, unterhielten wir uns auch digital. Vielleicht ist es ja auf irgendeine Art und Weise interessant. Wenn nicht ist mir das aber auch schnurzpiepegal.

Hallo Unbekannt ist ein Projekt von mir, bei dem ich mich mit mir unbekannten Menschen treffe und unterhalte. Das, was entsteht ist ein Gespräch, kein Interview. Ein Einblick in das Leben einer Person, die sowohl unfassbar spannend, als auch unglaublich langweilig sein kann.
Das neuste Gespräch führte ich im März mit Julia. Das ist ziemlich lange her und aus guten und schlechten Gründen kommt das Gespräch erst jetzt, schade, aber okay. Lustig ist hierbei, dass Julia jetzt tatsächlich zum Freundeskreis gehört und alles andere als unbekannt, nämlich superduper, ist. Für die nächsten Gespräche muss ich außerdem unbedingt eine Maximallänge festlegen, für viele wird das wohl zu viel Text sein. Wie auch immer. Viel Spaß.