Mein Musikjahr 2017

Damals, als wir alle CDs kauften und auf keinen Fall unsere Musik primär über Raubkopien von Kazaa und Emule bezogen, war die Welt ein besserer Ort. Jetzt ist alles ruiniert und die Kids von heute sind genetisch versaut, weil sie ausschließlich Streamingplattformen benutzen um Musik zu konsumieren. Es ist eine Schande und alle, die den Geruch von Kassetten und Vinyl nicht gutheißen können, gehören an die Wand gestellt.

Wie auch immer. Auf jeden Fall ist der Walled Garden Spotify meine Hood und ich freue mich jedes Jahr erneut darauf, meine von futuristischen AIs ermittelten Playlists und Auswertungen zu erhalten. Hier ist die generelle Zusammenfassung meiner Musikpräferenzen in 2017:

Spotify 2017 wrapped

“Häh, Ryan Gosling?!” könnte man jetzt denken, aber der Soundtrack zu La La Land hat es mir irgendwann wirklich angetan. 2017 war sowieso das Jahr der singenden Schauspieler. Neben Gosling hat mich auch der Soundtrack von Moana intensiv begleitet und da singt Dwayne Johnson!

Wenn ihr meine Top 100 aus 2017 hören wollt und Spotify benutzt, dann hier entlang. Ich kann euch versprechen, dass es sich lohnen wird. Ein kunterbuntes Potpourri der musikalischen Abgründe. Wenn ihr das gleiche für euer Musikjahr 2017 haben wollt, dann bitteschön.

Ohne Sorgen

Als der eisige Griff des Winters das Land noch nicht umschlang, machten wir einen kleinen spätherbstlichen Ausflug nach Sans Souci. Berlin und ich sind noch immer damit beschäftigt miteinander warm zu werden, aber wenn man ihm etwas lassen muss, dann die vielen Sehenswürdigkeiten und Ausflugsziele. Man sitzt 30 Minuten in der Bahn und schon sieht man etwas, das wirklich sehenswert ist.


Zum Glück nähern sich meine 20er auch langsam dem Ende und ich kann Spaziergänge durch schön angelegte Parks endlich unironisch genießen. Aber falls jemand fragt: An dem Wochenende waren wir auf einem LSD Trip im Berghain. Pssst.


Das ganze ist schon etwas her, aber ich scrollte gerade durch meine Photos.app und stolperte über diese Bilder. Damals wollte ich sie eigentlich zu Instagram packen, aber da habe ich immer die Schwierigkeit, dass einzelne Bilder immer etwas profan wirken. Besonders in der winzigen Größe, die Instagram einem als kreativen Spielraum lässt. Warum also nicht, wie damals, einfach mal einen Zusammenfassungsblogpost machen?

Hier stehe ich – fotografiert von Cecilia – und wende dem Betrachter den Rücken zu. Was macht Marcel nur? Was für Emotionen hat er? Man weiß es nicht. Ich auch nicht, das ist schon lange her. Deep.



An der Imbissbude arbeitete ein typische Berliner Verkäuferin. Sie keifte, war fürchterlich unfreundlich und man fühlte sich absolut unwillkommen. Dabei wollte ich doch nur eine horrende Summe für eine wirklich nicht gute Currywurst ausgeben! Die Soße hatte eine dermaßen hohe Viskosität, dass ich beim Genuß davon ausging, dass ich direkt danach mit verklebtem Magen in die Notaufnahme eingeliefert werden müsste. Musste ich aber nicht.

Wohin schaut er? Was denkt er? Was empfindet er? Sieht er die Zukunft des Landes und die fehlgeschlagenen Sondierungsgespräche der CDU, Grünen und FDP? Vermutlich nicht. Ist nur Marcel.



So. Das hier ist das Ende des Blogposts mit den Bildern von unserem Besuch in Sans Souci. Wie hat es euch gefallen? Es gibt keinen Kommentarbereich. Schade. Drückt gerne auf den Daumen nach oben unter diesem Post. Ach geht auch nicht. Naja. Zwinkert zwei Mal schnell mit den Augen, wenn es euch gefallen hat. xoxo

Alexa, Siri und Google Home haben ein UX Problem

Theoretisch kann ich Siri sagen, dass es “Äpfel” zu meiner Liste “Einkauf” in der App “Things” hinzufügen soll. Von dieser Möglichkeit erfuhr ich, weil es vor Monaten in den Release Notes von Things stand und ich zu den 2 % der Nutzer gehöre, die diese tatsächlich durchlesen.

Das vergaß ich kurz darauf allerdings wieder und erinnerte mich erst letzte Woche daran, als ich mit zwei vollen Händen in der Küche stand und tatsächlich nicht vergessen wollte Äpfel zu kaufen. Siri konnte mir allerdings nicht helfen, weil mir die Worte fehlten. Ich kannte die magische Reihenfolge der richtigen Worte nicht, die erforderlich gewesen wären, Siri davon zu überzeugen zu tun, was ich von ihr wollte.

Später schlug ich sogar nach, sprach die richtigen Worte mehrfach und in verschiedenen Aussprachen in mein deutschsprachiges Siri und es schaffte einfach nicht den Namen der App richtig zu verstehen. Tings? Sings? Auf jeden Fall nicht Things.

Audioassistenten werden uns mittlerweile seit Jahren als die große Zukunft verkauft, aber keiner von ihnen ist nutzerfreundlich. Für visuelle Software haben wir den Dreh raus, wir bauen Tutorials, Onboardings und haben Tricks und Kniffe um Nutzer dorthin zu leiten, wo wir denken, dass sie sein wollen. Wenn sie sich verlaufen gibt es Möglichkeiten sie auf den Pfad der UX-Tugend zurückzuholen und es gibt Interaction-Regeln an die man sich als Nutzer, aber auch Designer halten kann.

Audioassistenten haben nichts. Einfach gar nichts. Man kauft sie, man hat sie, man ist auf sich allein gestellt und darf mühselig herausfinden, was alles geht und wenn was nicht funktioniert, ist man aufgeschmissen.

Die externen Geräte, Google Home und Alexa, erfordern eine App, die einen durch die initiale Einrichtung des Systems führen. Verbinden mit dem Wifi und so. Das war’s. Danach hat man innerhalb der jeweiligen App noch eine Liste von Sachen, die man mal testen kann, von denen man dann vier testet, die App schließt und alles schnell vergisst.

Und schon hat man da seine futuristische Röhre stehen und fragt sie manchmal nach dem Wetter, macht mit ihr das Licht an und aus (ganz cool) und weiß, dass manchmal der richtige Song gespielt wird, wenn man verschämt, aber voller Vorfreude “Spiele ‘Du bist mein Stern’” in den Raum murmelt.

Das ist auch alles relativ cool, zerbricht aber, sobald man iiirgendwas probiert, was komplexer ist. Apps, mit einem Interface, zeigen dem Nutzer relativ genau, was möglich ist. Kein Eingabefeld für eine Aktion, die man durchführen möchte? Entweder das Interface ist unübersichtlich, oder diese Funktion ist nicht da.

Wenn ich allerdings meinem Google Home, meiner Alexa oder Siri folgendes sage, fällt jeder dieser Assistenten aus allen Clouds: “Hey, mach mal das Licht im Büro, Wohnzimmer und Flur aus!”.

Geht nicht. Keine Chance. Ich bekomme irgendeine Form von “Sorry, das kann ich nicht.”.

Was aber geht:
“Hey, mach mal das Licht im Büro aus.”
“Hey, mach mal das Licht im Wohnzimmer aus.”
“Hey, mach mal das Licht im Flur aus.”

Genial. Eine hervorragende User Experience. Es wäre schneller in jeden dieser Räume zu gehen und die Glühbirnen manuell aus ihren Fassungen zu drehen.

Ich erwarte nicht mal, dass die Assistenten “schon” Auflistungen dieser Art verstehen können. Ich will nur, dass sie mir das Gefühl geben theoretisch zu verstehen, was ich von ihnen will. “Sorry Marcel, ich kann noch nicht mehrere Lampen gleichzeitig ansprechen, bitte versuch es einzeln” wäre etwas, mit dem ich was anfangen kann. Aber für meine Assistenten sind diese Geräte unsichtbar, bis ich explizit immer und immer wieder ihre Namen erwähne. Einzeln.

Audioassistenten brauchen Onboardings, Tutorials, Fehlermeldungen, Retention-Systeme und eine Art des Debuggings für Poweruser. Wir haben mit Audioassistenten ein völlig neues Benutzungskonzept eingeführt und tun so, als wären die damit direkt für die breite Masse perfektioniert, als würden sie funktionierten. Das machte man vorher noch nie so. Jedes neue Interface brauchte Stützräder für Nutzer aus der normalen Welt, die das erste Mal mit ihnen in Berührung kamen. Für Leute, die keine Release Notes lesen. Für Leute, die keine 20 Minuten investieren um herauszufinden, wie sie Äpfel in ihrer Lieblingsapp auf eine Liste schreiben können.

Bevor wir das nicht hinbekommen und diese Stützräder anbauen, können wir weiterhin darauf warten, dass die Assistenten auf magische Art einfach alles perfekt verstehen werden, aber der Weg dahin wird für den Nutzer unangenehm steinig und ich wette, dass wir auf der Reise einige verlieren werden.

Freizeit ist ein Projekt

Aus irgendeinem Grund besteht mein Freundes- und Bekanntenkreis primär aus Leuten, die Gefahr laufen von Leuten, die dieses Wort benutzen, als “Selbstausbeuter” bezeichnet zu werden.

Es sind Selbstständige, ob als Freelancer, oder Gründer ihrer eigenen Unternehmen und alle, die in einer Festanstellung sind, Leben ihre Arbeit und haben die gleichen Ansprüche an ihre Performance, wie die Selbstständigen.

Das ist toll, ich mag zu sehen, wenn Leute von Themen begeistert sind. Wenn man seine persönliche Begeisterung mit dem Verbinden kann, was dann auch noch die Brötchen bezahlt, ist das umso besser.

Ein Bild, das mich mit dem Hund meiner Schwester zeigt und absolut keinen weiteren Kontext hat.

Aber in letzter Zeit Häufen sich die Anzeichen dafür, dass wir alle eine Sache lernen, oder zumindest üben müssen: Aktiv das Freiräumen von Zeit als Aufgabe zu betrachten, die getan werden muss.

Ich bin jetzt seit über zwei Jahren Selbstständig (Braucht jemand ein App Design? Hier entlang.) und in der glücklichen Position, dass ich die meiste Zeit ausgebucht bin. Trotzdem habe ich die anhaltende Angst, dass irgendwann niemand mehr gutes App Design braucht und plötzlich keine Aufträge mehr reinkommen, ich verarme, verhungere und elendig und alleine sterbe.
Ist natürlich Quatsch, weiß ich auch, aber trotzdem der Fall. Das geht vielen so und führt dazu, dass man Auftrag an Auftrag und Projekt an Projekt reiht.

In Festanstellungen noch schlimmer, da machen das andere für einen. Keine Firma wird jemals einen Arbeitnehmer nicht mit möglichst viel aufeinanderfolgender Arbeit versorgen. Warum sollte man auch.

Wenn man selbstständig ist, kann man dafür niemandem die Schuld geben. Man ist selbst verantwortlich für die Freizeit, die man hat. Wir müssen also lernen sie uns zu nehmen. Unsere Gesundheit und Performance ist direkt daran gebunden, wie viel Zeit wir investieren um den Kopf frei zu bekommen.

Ich betrachte Freizeit mittlerweile als Projekt. Wenn ich jetzt eine Anfrage für März 2018 bekomme, weiß ich, wie mein Januar und Februar aussehen und lasse mir mindestens eine Woche zwischen Projekt A und B. Eine Woche, in der ich nichts vorhabe. Es gibt keinen gebuchten Urlaub, keinen Plan dann irgendwo hinzufahren, oder etwas anderes zu machen. Ich weiß aber, dass ich nicht bereuen werde, eine Woche Pause gemacht zu haben.

Für Festangestellte ist das natürlich schwieriger und das hier ist mehr ein Thema für Arbeitgeber, die verstehen müssen, dass 8 Stunden Dauerperformance nicht skalierbar sind. Aber auch als Arbeitnehmer muss einem klar sein, dass man jede Sekunde, die nicht Arbeit ist, wertschätzen muss. Überstunden sind keine Heldentat, sondern ein trauriges Indiz für Fehlplanung. Bei einer Krankschreibung halbgesund wieder zur Arbeit zurückzukehren nicht klug, sondern fahrlässig.

Arbeit füllt immer so viel Zeit aus, wie man ihr gibt. Wenn man nicht darauf achtet Zeiträume mit Freizeit zu füllen, arbeitet man nur. Das hat allerdings noch nie jemanden glücklich gemacht. Macht mal Freizeit zu eurem Projekt.

Ein Blogpost über ein neues Blogdesign

Damals, als Blogging cool und an Blogdesigns rumschrauben unser kreatives Outlet war, schrieb man (alle zwei Wochen) Blogposts, wenn man sein Design angepasst hat. Jetzt reicht uns offenbar Bilder vom Milchschaum auf unserem Kaffee auf Instagram hochzuladen. Tja. Ich trinke keinen Kaffee, hier also der Hinweis für die fünf übrig gebliebenen RSS-Abonnenten: Ich habe diesen Blog für 2018 schick gemacht und damit eines meiner Vorhaben für Dezember frühzeitig abgeschlossen.

Neue Features: Ein Logo, das manchmal Teile vom Inhalt verdeckt, keine unnötigen Informationen, alles so reduziert wie möglich und wieder einspaltig. Außerdem: Die Möglichkeit Bilder größer als in einer Breite von 650px anzuzeigen. Das kommt mir, als Profifotograf, natürlich zugunsten.

Wie immer, wenn ich irgendwelchen Code schreibe, einen Dank an Martin, der alles Anspruchsvolle für mich gelöst hat.

Ich gewinne gegen den Winter

Im Zuge meines neuen Minimalisten-Lifestyles habe ich auch den nächsten Schritt auf einer zuvor bereits unbewusst gestarteten Reise gemacht und mir eine Jacke für über 200 € gekauft.

Irgendwie gebe ich ungerne viel Geld für Kleidungsstücke aus, weil sie für mich bisher Wegwerfware waren. Das ist natürlich Quatsch, führte aber auch dazu, dass ich nie eine richtige Winterjacke hatte und mich immer mit so halbguten Jacken durch den Winter quälte.

Am Wochenende war ich in einem Fachgeschäft(!!), ließ mich beraten und habe jetzt eine Jacke, die weder voller Federn toter Vögel ist, noch aussieht, als wäre sie ein mittelmäßiges Michelinmännchenkostüm. Stattdessen ist sie schlicht, wird mir vermutlich auch noch in zwei Jahren gefallen und soll bei tiefsten Temperaturen Wärme und Wohligkeit garantieren. Sie heißt offenbar HERREN ZANECK JACKE und ist “Ein stilvoller Bestseller mit einer ausgezeichneten Wärmeleistung”. Das klingt doch super. Allerdings nutze ich sie ohne den heraustrennbaren Fellkranz, ein bisschen Selbstachtung habe ich dann doch noch.

Das Preisschild sagte 300 €, ich sagte “Uff” und dann “Naja, aber dafür hält sie sicher auch drei Jahre und 100 € pro Winter ist wirklich nicht zu viel” und fühlte mich dann sehr sophisticated und klug. Als der – sehr hilfreiche und freundliche – Verkäufer dann noch erwähnte, dass sie einen Black Friday Sale haben und ich auf die Jacke 20 % bekommen würde, wurde ich tieftraurig, weil ich in Mathematik schlecht war und Prozentrechnung nie verstand, hoffte aber einfach, dass es sich lohnen würde. 240 €! Völlig okayer Preis für etwas, das mir wortwörtlich das Leben retten könnte!

Bisher tut sie, was sie tun soll. Draußen hält sie mich überraschend warm und wenn ich in der Tram sitze, schwitze ich nicht wie jemand, der eine viel zu warme Jacke trägt. Ich bin sehr zufrieden.

Ich brauche wirklich keine neue Apple Watch

Wenn mich der Gedanke packt, dass ein Produkt mein Leben verbessern kann, verbringe ich unangemessen viel Zeit damit, darüber nachzudenken, ob es eine kluge Investition wäre.

Das rede ich mir zumindest ein. Eigentlich verbringe ich unangemessen viel Zeit damit, mir einzureden, dass es eine kluge Investition ist. Dann schaue ich Reviews auf YouTube und lese Erfahrungsberichte in irgendwelchen Blogs und erfahre nie wirklich etwas Neues. Das Ergebnis ist auch selten kreativer als “Okay, kaufe ich mir.”

Das macht ja auch alles in irgendeiner Form das Leben besser. Ich besitze die allererste Apple Watch, die jemals veröffentlich wurde. Damit bin ich relativ zufrieden, benutze ich sie doch nur um mir Benachrichtigungen und das Wetter anzeigen zu lassen. Aber… wäre da nicht viel mehr drin, wäre sie nur schneller, besser, neuer? Dann würde ich sicher auch Siri mehr benutzen und meine HomeKit Geräte damit bedienen.

Stimmt vermutlich.

Stimmt ganz sicher.

Also sollte ich sie kaufen.

Auf zum Apple Store.

Oder doch nicht? In den letzten Wochen mehren sich die Gedanken, dass ich vielleicht mein Kaufverhalten, ja sogar mein gesamtes Verhalten überdenken sollte. Ich kaufe um glücklich zu sein. Seit Jahren schon. Und hey, ich bin nicht unglücklich, oft sogar einfach glücklich. Mir geht es gut.

Trotzdem versuche ich die letzten 10 % durch irgendwas zu füllen. Und obwohl ich seit Jahren immer mehr Zeug ansammle, hat mich nichts davon voran gebracht.

Was ich eigentlich erreichen möchte ist, dass ich das Maximum an Glück und Zufriedenheit aus allen anderen Dingen des Lebens ziehen kann. Meine Arbeit, meine Hobbys, meine Familie und Freunde. Das ist eine ungeordnete Liste.

Ich kaufte diese Woche weder ein Smart Keyboard für mein iPad (ich schreibe das hier an meinem iPad, habe aber einfach mein anderes Keyboard via Bluetooth angeschlossen. Geht genau so gut, wenn nicht sogar besser.), noch eine neue Apple Watch. Meine tut, was sie soll und die neue würde diesen Nutzen nicht 400 € besser machen. Das ist ein Anfang.

Dieser Anfang ist auch Martin geschuldet, mit dem ich darüber sprach und der mich im Groben auf das Konzept des Minimalismus und im Speziellen auf The Minimalists brachte.

In den letzten Tagen las ich viele Artikel über das Thema und schaute auf Netflix die Dokumentation der The Minimalists Gründer. Das Grundprinzip ist nicht sonderlich komplex: Alles, was man macht und besitzt, sollte einen Mehrwert haben, der über “Wenn ich X habe fühle ich mich besser” hinaus geht. Minimalismus ist, wie alles, ein Spektrum, auf dem sich sowohl die achtköpfige Familie mit zwei Autos, als auch die Person befindet, die insgesamt nur 52 Gegenstände ihr Eigen nennt.

Das ist ein Ansatz, den ich aktuell sehr spannend finde. Meinen gesamten “Besitz” neu überdenken, herausfinden, ob ich wirklich dieses Bücherregal brauche, das voller Bücher ist, die ich seit dem Umzug nicht mehr angefasst habe. Spoiler: Vermutlich nicht.

Ja. Keine Pointe, kein Happy End, nur Blick in was mich gerade beschäftigt. Und bei euch so?

Spotify App Design 2011 vs. 2017

Ich habe die letzten Wochen relativ viel Zeit darauf verwendet all meine Bilder zu finden und in Photos.app und damit iCloud zu importieren. Das resultierte sowohl in über 25.000 Bildern seit 2006, einigen emotionalen Achterbahnen, als auch vielen retro Screenshots.

Heute stolperte ich über diesen hier. Spotify von 2011. Damals noch auf meinem iPhone 4. In 2011 kam irgendwann dann auch das iPhone 4S raus, das 4er war also nicht völlig veraltet und die Auflösung das größte, was ging. Wenn man sich das ganze im direkten Vergleich zu Spotify in 2017, auf einem iPhone X anschaut, dann ist das ein perfektes Beispiel für iteratives Design.

Spotify App, iPhone 4, 2011 (Klicken für Originalauflösung)

Ich verstehe ja nicht, wie Leute noch immer dem iOS 6 Look hinterher trauern können. Alles sieht behäbig, unsauber und grobschlächtig aus.

Spotify App, iPhone X, 2017 (Klicken für Originalauflösung)

Eigentlich kamen innerhalb der letzten sechs Jahre, nicht viele Elemente hinzu. Alles bekam lediglich etwas mehr Platz und wurde rhythmisch angenehmer angeordnet. Einige Leuten würden sich beschweren, dass man trotz größerer Displays nicht mehr Songs sieht, allerdings denke ich nicht, dass “mehr Content” automatisch immer das richtige Ziel sein muss. In diesem Fall kann man auf jeden Fall eine erhöhte Lesbarkeit feststellen.

Ansonsten einigermaßen Bemerkenswert: 2011 dachte Spotify, dass “Settings” wichtig genug ist um ein primärer Tabbar-Bereich zu sein. Heute weiß ich nicht mal auf anhieb, wo ich die Spotify Einstellungen finden kann, weil sie recht egal sind.

Ich habe eine Meinung zu: Thor: Ragnarok

Obwohl ich generell das Gefühl habe, dass ich den Durchblick im Marvel-Universum vor einigen Jahren verlor, habe ich doch manchmal Lust auf hirnlosen Action-Unsinn und gehe ins Kino um jemanden erheblich durchtrainierteren dabei zu beobachten, wie sie/er Bösewichte vermöbelt.

So fanden wir uns gestern in Thor: Ragnarok wieder. Der Trailer wirkte vielversprechend, der 80er-Futuristik-Stil sah unterhaltsam aus. Am Ende wurden meine niedrigen Erwartungen auch nicht enttäuscht. Thor vermöbelt Leute, macht eine okaye Charakterentwicklung durch, es gibt tatsächlich einigermaßen vernünftig geschriebene weibliche Charaktere und ich verstand viele der Avengers Referenzen.

Allerdings fiel mir auf, dass alles, was ich an dem Film richtig gut fand, von den Guardians Of The Galaxy Filmen übernommen wurde: Gute, alte Musik und visuell übermäßig “coole” Kampfszenen, die wie animierte Gemälde wirken. Allerdings kamen diese Szenen in Thor erheblich weniger oft vor, als in den beiden Guardians of the Galaxy filmen.

Daher: Gut unterhaltende 7/10 UARRR-Punkten.

Meine Meinung zu: Wolfenstein II: The New Colossus

Ich befinde mich… gerade in den USA… und besuche… einen Freund… der hier das unzensierte Wolfenstein 2 legal gekauft hat. Ehrlich.

In Deutschland, in das ich, äh, bald… äh wieder zurückreise… jaja, kann man das Spiel nur zensiert kaufen. Zensiert bedeutet in diesem Kontext: Ausschließlich deutsche Sprachausgabe und keine Nazis.

Ja, keine Nazis. In einem Spiel, in dem es darum geht, dass Nazis den zweiten Weltkrieg gewonnen haben und jetzt die USA besetzen. Geht also auch nicht um den Holocaust, gibt keinen Hitler und keine Hakenkreuze. Stattdessen den “Kanzler” und “das Regime”, gepaart mit mittelmäßigen deutschen Synchronsprechern.

Das kann man okay finden, man kann aber auch okay finden rostige Löffel unter die Fingernägel gerammt zu bekommen.

Warum ist das so? Weil in Deutschland Videospiele nicht zur Kategorie “Kunst” oder “Lehrmittel” gezählt werden. Das kann natürlich nur jemand entschieden haben, der keine Ahnung von Videospielen hat und alle Leute mit Ahnung wissen, dass diese Entscheidung nur temporär sein kann – ja muss.

Darum soll es aber hier nicht gehen (auch, wenn das 20 % meiner Bundestagswahlkampagne 2021 wird. Wählt mich.), sondern darum, wie großartig dieses Spiel doch ist.

Wolfenstein 2: The New Colossus ist eine völlig bescheuerte Achterbahnfahrt, die die nur völlig bekloppte Achterbahnfahrt des ersten Teils in den Schatten stellt.

Die Story ist die gleiche, wie schon im allerersten Wolfenstein von damals, als 3D Grafiken noch beeindruckend waren: Man ist BJ Blazkowicz und tötet Nazis. Klingt stumpf, ist allerdings gepaart mit den tiefgründigsten Charakteren und kurzweiligsten Missionen, die ich bisher in Videospielen sah. Die Dialoge sind großartig (In Englisch, that is. Auf Deutsch sind sie, so habe ich mir sagen lassen, hölzern und albern) und ich bin ernsthaft an allen Charakteren interessiert. Sogar BJ, von dem man eigentlich erwartet ein austauschbarerer, adrenalingetriebener Grobian zu sein, entwickelt von der ersten Minute an eine subtile Tiefgründigkeit, die ich nicht mal vom ersten Teil der Neuauflage von Wolfenstein gewohnt war.

Wenn ihr irgendwie die Möglichkeit habt einen äh… Freund… zu besuchen… in Amerika… der euch die Möglichkeit bietet das Spiel im Original zu spielen, dann… tut es auf jeden Fall. Falls ihr es niemals spielen werdet, oder auf Spoiler steht, schaut euch diese Szene an und erzählt mir, wie Videospiele keine Kunst sein können.

Offizielle UARRR.org Bewertung: Richtig gut, zwei Daumen nach oben, unbedingt spielen.