
Sechstausend Menschen haben wir gefragt: Was fehlt Ihnen noch im Internet? Die Topantwort: Ein Podcast mit Jan, Philipp, Martin und Marcel Wichmann (das bin ich).
Hamburg liefert. Nachricht Eins. Folge Eins.

Ich weiß nicht mehr, wie wir ursprünglich auf das Thema kamen, aber irgendwie unterhielten Julia und ich uns über die Bücher unserer Jugend. Nämlich die (die Bücher, nicht die Jugend), die uns am besten in Erinnerung geblieben sind und die wir somit sozusagen als Lieblingsbücher unserer frühen Lesekarriere einstufen würden. Für mich war das ein relativ großer Vergangenheitsdurchbruch, weil ich bis zu dem Zeitpunkt vergessen hatte, dass genau so ein Buch für mich existiert. Ich hatte das so sehr vergessen, dass mir nichtmal der Titel mehr einfiel. Geschweige denn der Autor.
Twitter grob mit der Story, an die ich mich noch gut erinnerte, weil es eben ein Buch war, das sich offenbar stark in mein Hirn brannte, brachte nichts, niemand hatte eine Ahnung und alle brabbelten irgendwas vom Sams. Papperlapapp. Ein paar hundert Google-Suchen später hatte ich Titel und Autoren, allerdings keine Möglichkeit es zu kaufen gefunden.
Irgendwo auf elterlichen Dachböden müsste das Buch noch herumliegen, aber die Wahrscheinlichkeit es zu finden geht eher gegen null. Bevor ich es also erneut vergesse und potentielle Kinder meinerseits somit niemals in den Genuss dieses fantastischen Buches kommen können, entschloss ich es erneut zu kaufen. Kann ja nicht so schwer sein. Wie auch immer, ich fand keine Möglichkeit, aber das Juliamädchen trieb ein Online-Antiquariat auf, das offenbar genau ein Exemplar des Buches zu bieten hatte. Bestellt, gehofft, vorhin erhalten. Liebe.

Mich verbindet überraschend viel mit dem Schinken. In erster Linie die Story, die total beknackt und darum unbeschreiblich großartig ist. Ein Junge bekommt blinkende Masern, geht zum Arzt, trifft im Wartezimmer einen russischen Spion mit Funkgerät im Schuh, der ihn auf ein Schiff entführt. Im Laufe der Geschichte landet er noch in der Arktis und trifft die Kapelle der Titanic und schwebt irgendwann mit einem Fahrstuhl durch den Weltraum. Es ist großartig, nicht mehr und nicht weniger.

Außerdem war es das Buch, mit dem ich den zweiten Wettbewerb gegen andere Menschen meines Lebens gewann. Der erste war ein Malwettbewerb im Schwarzwald, an dem ich mit fünf oder sechs teilnahm, aber disqualifiziert wurde, weil die Jury nicht glaubte, dass ich das Bild ohne Hilfe erstellt habe. Ich bekam daher einen Trostpreis, ein Mikadospiel. Allerdings war die Gewissheit zu gut für den Laden zu sein mehr wert, als der eigentliche erste Preis, ein Brettspiel.
Der zweite Wettbewerb war mit sieben Jahren, ein Vorlesewettbewerb in der Grundschule, an dem ich mehr oder minder unvorbereitet teilnahm, dieses Buch in Auszügen vorlas und gewann.
Es ist beeindruckend inwiefern man durch Dinge in der Kindheit beeinflusst wird und wie stark Kleinigkeiten, die vielleicht zu dem Zeitpunkt als nichtig angesehen werden, ganze Leben beeinflussen können. Mir ging es so, Julia ging es so und vermutlich geht es jedem anderen auch so. Und wäre das hier nicht dieser Blog, würde hier die Frage nach euren
Lieblingsbüchern
der Jugend stehen. Aber da ich sowas nicht frage, steht es euch vollkommen offen, ob ihr darauf antwortet.
Ich freue mich.