
Was zunächst einmal aussieht, wie ein zu groß geratenes Nintendo DS auf Speed scheint in Wirklichkeit ausnahmsweise mal ein echter Fortschritt zu sein. Denn mal ganz ehrlich: Trotz explodierter Rechnerleistungen und Speicherkapazitäten hat sich in den letzten 15 Jahren am durchschnittlichen Rechner nichts getan: Windows 3.1 kam irgendwann mit der GUI und seinem merkwürdigen Ordersystem. Danach wurde das ganze zwar immer bunter und hat in Vista jetzt sogar Schatteneffekte für 10 Milliarden Euro Entwicklungskosten (sic! Gut das Apple das nicht weiß…) , aber so richtig was getan hat sich eigentlich kaum.
Wenn die Hersteller keinen Mist erzählen kommt dafür jetzt XO, der Hundert-Dollar Laptop von OLCP.
OLCP ist zunächst eine Non-Profitorganisation die dafür Sorge tragen will, dass die Industrienationen sich digital nicht zu weit von den ärmeren Staaten entfernen (–> “digital divide” schimpft sich das). Daher ist geplant, Millionen Laptops des XO Types an entsprechende Staaten auszuliefern um dort E-Learning zu fördern usw. Über den Sinn&Unsinn dieser Aktion mögen sich andere streiten, richtig interessant ist allein schon der technische Aspekt:
Der Bildschirm
Der 7,5 Zoll Bildschirm (ok etwas klein, dafür 200 dpi) hat einen SchwarzWeiß Modus in welchem er in der Lage ist, das Umgebungslicht zu reflektieren; er kommt somit ohne Hintergrundbeleuchtung aus. Der Clou: Farb- und Schwarzweiß Modus gehen stufenlos ineinander über; bei maximalem Reflexionsmodus erhöht sich die Auflösung auf 1200×900 p von 800×600 p im totalen Farbmodus. Der Bildschirm hat durchschnittlich eine 700mal kleinere Leistung (0,1 Watt) als ein Standartbildschirm!
Speicher/Anderes
Hier musste natürlich Strom gespart werden um das ganze im letzten afrikanischen Dorf nicht zur Farce verkommen zu lassen. Ein 1 GB Flashspeicher ersetzt die stoßempfindliche Festplatte, das schlanke linuxbasierte Betriebsystem belegt gut 150 MB. Durch den SD Slot lässt sich der Speicher allerdings theoretisch auf Win XP Niveau erweitern (6-8 GB mehr halt). Audio In- Output sind ebenso vorhanden wie USB 2.0 Schnittstellen, Prozessor und Arbeitsspeicher sind eher uninteressant. Alle Komponenten sind jedoch so aufeinander abgestimmt, dass der Hersteller für den Rechner eine Leistung von nur 2 Watt angibt…
Energie/Netzwerk/Betriebssystem
Der Laptop läuft mit einem Akkupack aus 4 Mignon Batterien, hat bei intensiver Nutzung eine Akkulaufzeit von 8-9 Stunden (sonst 12) und durchsteht 2000 Ladezyklen. Das ist schonmal unschlagbar momentan. Dazu kommt, dass zum Aufladen ein einfaches Dynamo genügt, auch instabiler Netzstrom ,wie er in strukturschwachen Regionen häufig vorkommt, kann verarbeitet werden (Schwankungen bis zu 40 Volt). Recyclingmäßig auch tiptop, die Grünen werden juchhe schreien ; - )
Als Betriebssystem ist bisher Fedora geplant, ein Linuxableger. Sehr schlank und mit einem interessanten Energiesparkonzept, das hier allerdings den Rahmen sprengen würde, bei Interesse einmal googeln. Die Benutzeroberfläche Sugar ist so designt, dass man auch mit wenig Sprachkenntnissen und ohne Büromenschen-Windows-XP-Wie-erstelle-ich-eine-Word-Datei-Kurs Vorkenntnisse, sondern durch rein intelligente Intuition, arbeiten kann.
Die Netzwerkoberfläche ist meiner Meinung nach die erste die diesen Namen verdient hat! Das Netzwerk wird zum einem völlig automatisch hergestellt und ist zum anderen graphisch dargestellt. (Schwierig zu erklären, mal Wikipedia die Abbildungen schauen) Es gibt ein schwarzes Brett, das tatsächliches Zusammenarbeiten ermöglicht: Dateien, Links, Bilder, Kommentare können einfach heraufgezogen werden und sind sofort für die jeweilige Gruppe sichtbar. Kein IP/Router/ICQ/SchickEsDochSchnellPerMail- Streß. Der ganze Softwarekram ist soweit ich weiß auch OpenSource, also keine Zusammenarbeit mit der NSA oder ähnliche Redmond Scheiße -.-
Die beiden Hasenohren merkwürdigen Plastikstäbchen sind WLAN Antennen die eine P2P Übertragung innerhalb von maximal 2 Kilometern ermöglichen. Die Mesh Netzwerk Technologie (unbedingt mal googeln) ermöglicht allerdings den Transport von einem Datenpaket über 20 andere XOs hinweg, jeder XO fungiert nämlich auch im ausgeschalteten Zustand als netzstabilisierender Router. So ist insgesamt ein Wlan Netz bis zu 40 km von seiner “Quelle” entfernt möglich.
usw. usw.
Fazit
Man kann sich ja über vieles streiten, über Design (das kann auch als Ebook umgeklappt werden ^^), Perfomance usw. Aber wenn Windows nach jahrelanger Entwicklung z.B. so etwas wie Vista abliefert ( und das nächste Apple OS wird sicher auch nich die Startrek Brücke nachbilden) fragt man sich doch schon, was das soll und wo die Milliarden Dollar hingegangen sind. Wieso muss man immernoch mit Maus und Tastatur arbeiten? Xo ist ein Anfang.
–> Der XO kostet 140 Dollar für Schwellenländer; der Euro steht bei 1,38 Dollar; Ich persönlich will ja sofort einen haben ; - )
lg,
188848421

“Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein!” verkündet Faust glücklich seinem penetranten Streberlehrling Wagner in Goethes bekanntem Jahrhundertwerk als er mit ihm ein Volksfest zu Ostern besucht. Obwohl er nur kurz übers Gelände flaniert, erkennt der kluge Gelehrte sofort was schon vor zweihundert Jahren nötig war, um das menschliche Gemüt zu erhellen und von der er-schrecklichen akademischen Wahrheit abzusehen: Bier, Schwein am Spieß, gutes Wetter und die ein oder andere nette Dame. ; - )
Heutzutage nennt sich so was Festival und wenn ein normalsterblicher Nüchtener über ein solches spaziert, dürfte er normalerweise nur Dreck, Ethanolnebel und völlig verkommene Gestalten, die sich von lauwarmen Eintöpfen mit brechefarbenen Kartoffel Bröckchen und dem Inhalt von Plastikbierflaschen ernähren, wahrnehmen. Ganz nüchtern betrachtet ist das auch die Wahrheit. Aber eben jene Mischung aus latenter Betrunkenheit, Schlafentzug und abgefuckter Zeltplatzgemütlichkeit versetzt den Festivalbesucher, praktisch dem Ureinwohner des Festivals, in einen Zustand akuten Glücks. Man denkt eigentlich kaum noch nach, sondern fühlt nur (nicht differenziert, geil oder scheiße halt ^^), man spricht nicht, sondern fabuliert und philosophiert eher. Auch, sogar gerade, mit Wildfremden, die einem nach wenigen Sekunden vorkommen als wären sie langjährige Bekannte. Beim Aufwachen kann man sich eventuell nicht mehr an sie erinnern.
Man richtet sich häuslich ein: Viele haben eine Lieblingspinkelstelle.
Auf Festivals spielen auch Bands;
Um eine schlechte Festivalband zu sein, muss man sich sehr anstrengen und auf jedenfall nicht grooven, denn alles was hüpf- und springbar ist, wird vom durchschnittlichen Zuschauer hemmungslos verwertet, selbst vorgetragen auf einer Heimorgel. Dinge die man sonst eher hasst, wie zum Beispiel von vielen schwitzigen Typen mit Bärten angerempelt zu werden, bekommen plötzlich erstrebenswerten Charakter.
Festivals sind Web 0.0;
Festivals spülen die dünne Schicht Zivilisation auf dem Ego, deren Körner so manchen gehörig im Getriebe knirschen, eine Weile fort. Wenn man völlig fertig und verdreckt nach Hause kommt, ist man in Wirklichkeit völlig sauber und erholt. Deutschlands Managerelite und anderen Herzinfarkt Gefährdeten sei also ein jährlicher Festivalbesuch ans Herz gelegt; da gibt’s keine Uhren und keine Zeit, höchstens die Running Order ; - )
Schönen Sonntag,
188848421 : - )