Meinungen sind wie DSGVO-Emails: Jeder hat zu viele.

Wie bereits erwähnt, habe ich mich in meinem Kampf gegen eine Zukunftsplautze durch reine Willensstärke an Kaffee gewöhnt. Woran sich der Geizhals in mir aber niemals gewöhnen wird, ist das Ausgeben von zu viel Geld. Fast 4 € pro Tag pro Getränk des Kaffeeladens meines Vertrauens lohnt sich also nicht.

Also fragte ich ein paar Freunde, was für eine Maschine man sich heutzutage so kauft, wenn man diese und jene Ansprüche hat. Nach einigem Hin und her kamen wir zu einem Ergebnis, das zu einer Kaufhandlung meinerseits führte. Eine informierte, subjektive Kaufentscheidung also.

Dann, zwei Tage später, kommt die Maschine an. Weil an mir ein erfolgreicher Social Media Star verloren gegangen ist und ich manchmal gerne unnötiges Zeug mit Leuten teile, dokumentierte ich meinen Auspackprozess in Form einer Instagram-Story. Aus irgendeinem Grund vergaß ich dabei, dass Menschen sind, wie Menschen nun mal so sind und erwartete nicht die Horde von Leuten mit einer MEINUNG.

Die Meinungen waren in ihren Ausprägungen ganz verschieden, aber im Kern vollkommen gleich: “Falsch! Marcel, du hast dich falsch entschieden. Das kann ich beurteilen, weil ich Experte bin. Da ich dich sehr gut kenne, weil ich dir auf Instagram folge und ich mir einbilde genau zu wissen, was für dich richtig ist, ist hier meine Meinung, du hast zwar nicht danach gefragt, aber das musst du auch nicht, du musst nur dankbar sein, dass du sie bekommst.”

Vor drei Jahren hätte mich das noch aufgeregt. Mittlerweile gerate ich entweder nicht mehr in diese Situationen, oder reagiere nur noch mit 🙄.

Da es mich aber gestern dann doch überraschte und ich gerade offenbar in Blogpostlaune bin, wollte ich ein paar Worte zu Meinungen verlieren.

  1. Ihr habt eine. Das ist toll und wichtig. Wenn die Zeit reif ist, solltet ihr bereit sein sie mit anderen zu teilen. Besonders im Internet ist die Zeit aber nicht automatisch reif, nur weil es dich Möglichkeit gibt. Wenn euch jemand nach eurer Meinung fragt: Richtiger Zeitpunkt für das Teilen eurer Meinung. Wenn euch niemand nach eurer Meinung fragt: Falscher Zeitpunkt für das Teilen eurer Meinung.
  2. Empathie ist nicht optional, wenn man kein Arschloch sein möchte. Es ist auch wichtig zu beachten, dass Zeit linear ist. Wenn jemand sich über etwas freut, weil etwas passiert ist (zum Beispiel der Kauf eines Objektes), dann ist das der richtige Zeitpunkt sich für die Person zu freuen. Es ist der falsche Zeitpunkt der Person mitzuteilen, dass sie sich weniger freuen sollte.
  3. Selbstreflektion kann nie schaden. Warum hat man den starken Drang seine Meinung loszuwerden? Weil man der Person, die nicht nach Hilfe gefragt hat, helfen möchte? Oder vielleicht weil man sich selbst gut fühlen will, weil man etwas zu wissen denkt, weil man Ahnung hat, weil man von einem Thema auch schon mal was gehört hat und das auf jeden Fall die ganze Welt erfahren muss?

Was ich also eigentlich sagen möchte: STFU.

/me sippt seinen Senseo Latte Macchiato und genießt jede Sekunde davon

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