Von Trollen

Wir, als Nutzer des Internets, haben vor Ewigkeiten bereits verstanden, wie man mit störenden Trollen umgehen muss, die noch nicht genug Selbstreflektion gelernt haben um sich besser verhalten zu können.

„Don‘t feed the troll“ sind keine leeren Worte, sondern ein oft wiederholtes Mantra, das aktiv wirkt. Sehr, sehr, sehr viele Menschen sind in Kommentarspalten um das Gefühl zu haben, dass sich jemand um sie schert.

Wenn sich aber auch da niemand pikiert und es keine Reaktionen gibt, auf die man wieder reagieren kann, muss man irgendwann anfangen über sich selbst nachzudenken. An dieser Stelle enden diese Kommentare. In meinen digitalen Postkästen landeten über die Jahre einige dieser Leute und ich verspreche, dass sie die Lust verlieren, wenn sie in ein Vakuum hineinreden.

Trotzdem wendet dieses Prinzip niemand auf die AfD an. Irgendein Heiopei sagt irgendeine rassistische Sache, alle Publikationen berichten darüber. Heiopei lernt: Rassist sein macht mich berühmt und erfolgreich. Heiopei ist beim nächsten Mal etwas mehr Rassist. Da kann man auch schon mal öffentlich sagen, dass man die Regierung jagen will, klingt mittlerweile ganz normal. Obwohl 200 Artikel darüber geschrieben wurden, wie schlecht das doch ist.

Warum nicht also einfach nicht über all die menschlichen Entgleisungen sprechen, sonder über tatsächliche Themen? Warum fragen wir die nicht-menschenfeindlichen Parteien nicht in Artikeln zu ihrem Rentenkonzept und machen einen Vergleich zwischen den verschiedenen Vorschlägen? In diesem Artikel würde die AfD nur mit „Hat aktuell kein Konzept zur Rente“ erwähnt werden. Klingt ja eher nicht so gut. Besonders wenn man wütender, alter Mann ist, der kam um seine Faust gegen die „Volksverräter“ der Altparteien zu schütteln.

Stattdessen fragen Journalisten die anderen Parteien, was sie vom aktuellen dummen Kommentar vom Rassistenheiopei halten und immer und immer wieder, inwiefern das Rentenkonzept überhaupt, möglich ist, wenn doch so viele Geflüchtete ins Land kommen. Kontext? Nicht nötig. Hauptsache das Gespräch wieder auf das einzige Thema der Saftladenpartei gelenkt. Bringt Klicks und Kommentare.

Ich bin der letzte, der die Medien basht und sagt, dass es alles gekaufte Regierungssprecher sind. Ich verstehe den Job, massig meiner Freunde arbeiten in ihm und ich empfinde ihn als so wichtig, dass ich diesen Post hier schreibe und mir wünschte, dass sich etwas ändert. Allerdings ist der Kreislauf aus Eklat und erzeugten Klicks relativ erprobt und kein Zufall. Rapper und YouTuber leben davon, Zeitungen auch.

„Dackelkrawattenträger auch heute wieder Rassist“ ist der grundsätzliche Neuigkeitswert von 95 % der Artikel über die Heiopeipartei. Das klickt man gerne. Entweder man ist gegen den Saftladen und will sich in seiner Meinung bestätigen lassen, oder man ist für den Saftladen und will geifernd im Kommentarbereich erwähnen, dass man das doch wohl noch sagen dürfe. Von beiden Seiten gibt es für den Veröffentlicher dieses pulitzerpreisverdächtigen „Person hat gesagt“ Meisterwerks Klicks und Interaktion. Und was ist wichtiger als Klicks und Interaktion, wenn ein Großteil der Einnahmen abhängig von Werbeimpressionen sind? Nichts.

Vielleicht könnte man aufhören die Trolle zu füttern und anfangen die ernst gemeinten Politiker, die etwas von der Verfassung halten, zu tatsächlichen Themen zu befragen. Dann ist man auch nicht mehr das indirekte Sprachrohr für Rassisten, sondern das direkte Sprachrohr für demokratische Arbeit, die aus mehr als Empörung besteht.

Bitte informiert mich über Rentenkonzepte.

Kommentare

  1. Kein Bashing aber wenn Du Mitglied einer Partei bist, solltest Du auch wissen, welches Rentenkonzept eben jene hat.
    Hinweis: Der Markt regelt das von alleine.

  2. Danke.
    Treffend und erfolgversprechend!
    Lasst uns über wichtige Inhalte reden und den Hetzern die Möglichkeit zur Selbstdarstellung nehmen, durch selbstbestimmtes Weghören.