☰ Marcel, wie ist eigentlich das Geschäftsmodell der Immocty UG?

Sehr geehrte Immocty UG,

meine Ur-Oma reimte schon immer “Nichts Gutes geschieht in Wandsbek, darum sei Schlau, bring einen Knüppel.”

Ich lernte die Frau nie kennen, die Information kann also durchaus falsch sein, aber egal. Es geschah also, dass ich auf meiner Suche nach der perfekten Wohnung über eine Ihrer Anzeigen auf einer der üblichen Seiten stolperte. Die Fakten klangen nicht schlecht; merkwürdigerweise gab es aber weder Adresse, noch Bilder zu der Wohnung.

Muss ja nichts heißen, dachte ich mir, griff zum Telefon und wählte Ihre Nummer. Ein freundlicher Mensch nahm ab, informierte mich, dass die entsprechende Wohnung leider schon vergeben ist, er aber mal schauen kann, ob nicht noch etwas anderes im Angebot sei. Klar, nur zu und wie der Zufall es so will, war ein vermeintlich perfektes Angebot verfügbar. Provisionsfrei, günstig, perfekter Stadtteil.

Cool! Ich sollte dann bei Ihnen im Büro vorbei kommen um die Kontaktdaten des Vermieters zu bekommen. Merkwürdig, irgendwie ungewöhnlich, aber vielleicht gibt es dafür ja einen guten Grund.

Nachdem ich Ihre Webseite oberflächlich betrachtete, war mir schon nicht mehr so ganz wohl bei der Sache. Sehr geschmacklose Angelegenheit, noch konnte ich nicht ahnen, dass “geschmacklos” das Motto des Nachmittags wird. Die tolle Handschlag-Grafik oben links war tatsächlich kein bisschen beruhigend.

30 Minuten U-Bahn-Fahrt später stieg ich aus und begab mich auf den Fußweg zu Ihrem Büro. Es gibt vermutlich keinen trostloseren Bezirk als den rund um die Straßburger Straße, aber es ist der absolut richtige Ort für eine Firma, die auf die Verzweiflung Ihrer Kunden baut. Wohnungssuche in Hamburg ist schwer.

Angekommen. Mir wird geöffnet und ich werde in ein, sehr geschmacklos eingerichtetes Wartezimmer gebracht. Aus dem Nachbarraum hörte ich die folgenden 10 Minuten rund vier Personen beim Mittagessen zu, bis ich dann abgeholt wurde. In der Zwischenzeit kamen zwei weitere “Kunden”, die sich zu mir ins Wartezimmer gesellten.

Ich werde also in ein – geschmacklos eingerichtetes – Büro geführt, setze mich und erkläre, warum ich da bin.

“Hallo, ich sprach mit Ihrem Kollegen am Telefon über eine Wohnung in Eppendorf. Ich sollte vorbei kommen um die Vermieterdetails zu erhalten.”

“Ah ja, das hier ist unsere Webseite, wenn Sie hier klicken und dann da, sehen Sie alle Angebote für 2-3 Zimmer Wohnungen.”

“Ja, okay.”

“Das da dürfte sie sein. Eppendorf, 62 Quadratmeter, rund 720€ warm?”

“Ja, genau, klingt ganz so.”

“Hervorragend. Wenn Sie sich nachher hier oben mit dem Passwort, das ich Ihnen geben werde, einloggen, sehen Sie die Kontaktdaten des Vermieters und die Fotos der Wohnung.”

“Ich… ich kam also jetzt für ein… Passwort hierher?”

“Ja. Bei uns kriegen sie provisionsfreie Wohnungen bla bla bla…”

Daraufhin bekam ich eine zweiminütige Erklärung, dass Sie im Prinzip folgendes machen: Sie teasen Wohnungen grob an, locken “Kunden” in Ihr Büro um Ihnen dann mitzuteilen, dass Sie für 89€ ein Passwort kaufen sollen, das dann vollen Zugriff auf die Webseite liefert.

Diese 89€ bekommt man aber wieder, beteuerten Sie, und zwar wenn eine Wohnung über Ihre Seite gefunden wurde kommt der Kunde wieder zurück zu Ihnen und bucht dann durch Sie seinen Strom-/Wasser-/Wasmanhaltsobraucht-Anschluss. Ist dies passiert, gibt es die 89€ wieder und Sie verdienen Geld durch die Provision der Versorgungsunternehmen.

Auf meine Frage, ob die Kontaktdaten auf der Webseite dann denn direkt die Besitzer und Vermieter der Wohnungen sind, antworteten sie, dass es auch Maklerfirmen und alles andere sein können. In anderen Worten: Ich nehme an, dass Sie einfach die üblichen Webseiten nach Angeboten durchsuchen, die provisionsfrei sind. Dann spiegeln Sie diese auf ihrer Webseite, nehmen aber alle relevanten Daten raus, damit man auf das Passwort angewiesen ist.

Nach ein paar kritischen Fragen antwortete man mir verletzt, dass Sie ja auch irgendwie Geld verdienen müssen und Ihr Service mir schließlich Zeit spart, indem ich nicht selbst die bekannten Seiten nach provisionsfreien Wohnungen durchsuchen muss.

Ich kommentierte das ganze nicht weiter, bedankte mich und machte mich auf den 30 minütigen Rückweg.

Vielen Dank, dass sie meine Zeit vergeudet haben indem sie mir persönlich von Ihrem Angebot erzählen wollten, das mir Zeit sparen soll. Vielen Dank, dass sie mich ohne mit einem Wort auf den Umstand der 89€ hinzuweisen nach Sonstwo haben fahren lassen, vielen Dank, dass ich ihr geschmackloses Geschäftsmodell näher kennenlernen durfte. Vielen Dank, dass ich mich das erste Mal in meinem Leben fühlte, wie Taff-Reportagen über Firmen mit fragwürdigen Geschäftsmodell sich anhören.

Mit allerbesten Grüßen
Marcel

Warum ich diesen Beitrag schreibe

Nachdem ich den Firmennamen las und mir das ganze durchaus spanisch vorkam, fragte ich Google nach der Firma und es kam nichts nennenswertes dabei herum. Im Prinzip erwartete ich einen Beitrag wie diesen, aber offenbar hat sich bisher noch niemand die Mühe gemacht, ein paar Zeilen über das Geschäftsmodell der Immocty UG zu verlieren.

Alles Geschriebene basiert auf meiner persönlichen Erfahrung, die wörtliche Rede ist ein Gedächtnisprotokoll und ich bezichtige niemandem irgendeiner illegalen Machenschaft, ich möchte lediglich weitere Leute davor warnen, den Fehler zu machen und ihre Zeit mit dem Weg in das Büro zu verschwenden. Fairerweise muss man sagen, dass alles hier beschriebene auch in den AGB auf der Webseite steht, aber hey, wer liest sich die schon vorher durch. Stattdessen fährt man hin und wenn man schon mal den Weg auf sich nahm, ist die Wahrscheinlichkeit, dass das alles nicht umsonst gewesen sein soll, recht hoch. Und dann zahlt man eben die 89€ für das Passwort. Moralisch etwas krumm.

Ein Beitrag von der Gesellschaft für Beiträge, die hoffentlich auf der ersten Seite bei Google landen.

Kommentare

  1. Ob wohl ein Knight-Rider-artiger Whooo-Whooo-Whooo-Effekt in der Mitte des geschmackvollen, überdimensionalen Silvester-Bleigießergebnisses erschiene, wenn jemand die herumliegende Wandwarze an eine Steckdose anschließen würde? :doh
    (bei aktueller Test-Googlesuche nach dem Firmennamen ohne das Unternehmergesellschaftskürzel immerhin schon auf der ersten Trefferseite)

  2. HA! Die hatte ich, als ich frisch nach Hamburg zog, auch schonmal. Seitdem hab ich gelernt: Was zu gut klingt um wahr zu sein, ist das auch. Vor allem auf dem Hamburger Wohnungsmarkt.

  3. Yip, auch schon gehabt. Wobei ich die Firma vorher googelte und auf einen Forenbeitrag stieß (frag mich nicht wo), der das mit den 89€ erklärte, weshalb ich dann auch nicht hingefahren bin. Hab dann glücklicherweise was anderes gefunden.

  4. Nun, die Leute kriegen ja ihr Geld so oder so (hoffentlich? Nein, ist bestimmt Provision.) Ich frag mich auch jedes Mal wieder, wie diese Menschen, die wissentlich andere Leute abzocken und dabei bestimmt nicht moralisch unberührt bleiben, jeden Morgen wieder die Energie aufbringen ins Büro zu gehen und Leuten Lügengeschichten zu erzählen und…wie du sagst – moralisch krumme Dinge – anzudrehen.

  5. Heftiges Geschäftsmodel – verlangt aber nach 2 Monaten gleich einen neuen Firmennamen. Aber sowas lässt sich ja echt easy bauen 🙂