Stolpern hilft.
Der Grund, warum ich QUOTE.fm wollte war, dass es mich jedes Mal begeisterte, wenn ich etwas las, das ich vorher nicht gelesen hätte. Wir leben alle in der Blase unserer eigenen Interessen. Designer verbringen den ganzen Tag damit Kram über Design zu lesen und zu schreiben, Fotografen machen das gleiche mit Fotografie, Programmierer mit Codezeug, Floristen mit Blumen und Pferdefreunde mit… na? Pferden, genau. Das ist vollkommen okay, es ist logisch, dass wir uns mit dem was uns auf oberster Ebene interessiert beschäftigen.

Derzeit fällt mir aber immer wieder auf, dass das eigentlich ziemlich ekelhaft ist. Facebook zeigt mir, was mir potentiell gefällt, Twitter sagt mir, was ich mögen könnte. Google macht den ganzen Tag nichts anderes. Alles anhand von Algorithmen, die mein bisheriges Verhalten untersuchen und daran zu ermitteln versuchen, was ich künftig interessant finden könnte. Das Problem hierbei ist, dass der Zufall immer weniger eine Rolle spielt. Man stolpert irgendwann nicht mehr über Dinge, von denen man nicht wusste, dass sie spannend sind, weil man nur bekommt, was man kennt.
Mir fiel das in einem Gespräch mit Martin auf. Als ich merkte, dass wir, trotzdem wir seit Monaten gemeinsam an QUOTE.fm arbeiten, eine grundlegend unterschiedliche Ansicht des Ergebnis haben. Ich will damit nicht sagen, dass einer von uns beiden Recht hat, ich will lediglich aufzeigen, dass man es aus zwei Blickwinkeln betrachten kann. Martin nutzt es um die Blase zu erhalten, er will gute Artikel über Fotografie bekommen, hätte nichts gegen speziellere Suchkriterien. Das geht vielen so, viele sehen QUOTE.fm als das, was das gesamte Internet uns derzeit beibringt: Mit Scheuklappen geradeaus zu laufen.
Ich merkte an mir selbst, dass es mein Leben bereichert, wenn ich einen Text über ein Thema lese, das nichts mit meinem eigentlichen Alltag zu tun hat. Genau wie es hilft Design anzugucken, das nicht aussieht wie alles andere. So, wie es auch hilft, mit Leuten zu sprechen und zu verstehen wie deren Leben funktioniert, wenn sie nicht in diesem Medienblödsinn arbeiten. Darum hat Discover bei QUOTE.fm nur zehn grobe Themen. Darum bin ich gegen eine “Wenn dir dieser Artikel gefallen hat, gefallen dir vielleicht auch diese drei”-Funktion und darum wollte ich den ganzen Laden überhaupt haben. Um Dinge zu finden, die ich sonst nicht gefunden hätte. Weil mir alle anderen Kanäle geben, was ich wollen könnte. Manchmal muss man aber etwas bekommen, von dem man vorher nicht wusste, dass man es haben will. Ich versuche das mit meinem QUOTE.fm Account und finde das meiste davon absolut zeitlos und für jeden Lesenswert.
Was ich damit sagen will: Es ist okay und wichtig, dass man Dinge findet, die einen interessieren. Aber man sollte nicht aus den Augen verlieren, dass es meistens noch wichtiger ist, Fremdeinflüsse zuzulassen. Stolpern hilft.