Raubkopieren ist eigentlich total okay.

Ich bin Raubkopierer. Natürlich bin ich Raubkopierer. Abgesehen davon, dass ich dadurch bei jedem Raubkopiervorgang die Möglichkeit habe ein lautes “Arrrr!” durch den Raum zu brüllen, ist es die einzig logische Verhaltensweise.
Ich habe keine Ahnung vom deutschen Rechtssystem, vom Copyrightrecht, von Labels und Vereinbarungen mit denen. Aber ich habe vielleicht ein bisschen Ahnung von Menschen und ihren Verhaltensweisen und ich habe mit Sicherheit Ahnung von mir und meinen Beweggründen. Wenn ich Musik probehören wollte, ging ich bis vor einem halben Jahr zu YouTube und hörte mir ganze Songs vom Künstler an. YouTube, weil sie mich vor den “Videos” nicht mit dämlicher Werbung nerven, weil sie relativ hohe Audioqualität liefern, schnell sind und ganze Songs haben. Niemand interessiert sich für die 30-Sekunden-Preview von iTunes. Das ist Blödsinn. Natürlich ist YouTube aber nicht dafür gedacht, dass man Musik damit hört. Es ist eine Videoseite. Das ist also keine wirklich perfekte Lösung für das Problem. Als Spotify vor Ewigkeiten launchte registrierte ich mir einen Account. Offenbar als einer der ersten, denn zusammen mit Jan Oelze hatte ich einen – ziemlich raren – Account, der bis vor drei Tagen noch unlimitiert funktionierte. Wieso auch immer, wie auch immer, auf jeden Fall mussten wir keine verrückten Proxydinge unternehmen um unseren Account zu nutzen. Keine Werbung, keine Limitierung, kein Scheiß. Allerdings wusste ich bis vor einigen Monaten nicht so recht, was ich mit meinem Spotify-Account soll, weil ich doch alle Musik, die ich habe und mag in meinem iTunes finde. Dann wurde ich eines besseren belehrt. Spotify hat eine geniale Facebook-Integration, die Empfehlungsfunktion ist der Hammer, ich kann durch Drag&Drop Freunden Lieder und damit Bands empfehlen, die dann in derer Inbox landen. Desweiteren kann ich, wenn mir der Kopf nach der Star-Wars-Titelmelodie steht, einfach bei Spotify danach suchen und sie abspielen. Die Qualität und Ordnung von Spotify ist einfach derart großartig, dass vergleichbare Services nicht mithalten können. Allein schon, weil Spotify eine hervorragende OS X App hat.
Dummerweise ist Spotify nicht in Deutschland verfügbar. Nichtmal, wenn man dafür bezahlen möchte. Daran sind irgendwelchen rechtlichen Umstände schuld. Vermutlich die Gema. Oder die GEZ. Oder Neonazis. Vollkommen egal wer, Tatsache ist, dass man Spotify in Deutschland nicht benutzen, sich nichteinmal einen Account anlegen kann.
Ich glaube fest daran, dass Menschen Dinge gut finden, die bequem sind. Darum bin ich von Design und dementsprechend Usability und User-Interface-Design fasziniert, weil man versucht etwas so zu erstellen, dass möglichst jeder Mensch damit gut umgehen kann, die Funktion und Intention des Dings, das er da benutzt, schnell versteht und zufrieden ist.
Vor Ewigkeiten schrieb ich in diesem Blog mal einen Beitrag über einen deutschen Filmstreaming-Service. Das Ergebnis war erschütternd, alles war scheiße und letztendlich war ich nicht in der Lage den Film zu schauen, weil mir im allerletzten Schritt gesagt wurde, dass es keinen OS X Client gibt. Daran hat sich nicht wirklich etwas geändert, im Gegenteil, es wurde schlimmer. Der beste Weg derzeit in Deutschland einen Film schnell und legal zu schauen, geht über Apple und iTunes. Relativ große Auswahl aktueller Filme, leichter Bezahl- und Runterladvorgang. Alles ziemlich so, wie man es von Apple gewohnt ist. Warum also illegal Filme herunterladen?
Weil es billiger ist.
Ernsthaft, ich zahle keine fünf Euro um mir einen Film digital auszuleihen und ihn dann nur innerhalb von 48 Stunden gucken zu dürfen. Das ist total bescheuert. Und ich kaufe auch keinen Film digital, für den Preis einer DVD, das ist noch erheblich bescheuerter. Außerdem kaufe ich kein verschissenen Filme, die mir nach dem HD-Download sagen, dass sie auf meinem Bildschirm nicht abspielbar sind, weil das Scheißding, das ich vor sechs Jahren kaufte, nicht für irgendeine DRM-Lizenz zugelassen ist und dementsprechend nicht erlaubt. Das ist beknackt und Verarsche.
Was bleibt? Kino.to und The Pirate Bay. Die Usability ist beschissen, aber zumindest zahle ich keine Unsummen für Scheiße.
Was passiert also, wenn man Usability und faire Preise in einen Topf wirft? Man erstellt eine Alternative, die tatsächlich ziemlich verlockend aussieht.
Niemand läd gerne illegal herunter, jeder hat verstanden, dass man damit den Künstlern, die man ja eigentlich mag, keinen Gefallen tut, dass man unter Umständen eine Anzeige und empfindliche Geldstrafen bekommt. Jeder kennt jemanden, der jemanden kennt, der bereits 3000€ für ein heruntergeladenes Album blechen musste. Und der “Mir passiert schon nichts.”-Gedanke ist nicht mehr so omnipräsent wie dereinst. Ich denke, dass die meisten von uns in der Position sind, monatlich einen Betrag zu zahlen um einen Service wie Spotify (für Musik) oder Netflix (für Filme) zu nutzen. Unter der Vorraussetzung, dass das Angebot und der Preis stimmt und die Usability vernünftig ist. Wenn ich für rund 10€ im Monat an unfassbar viele Filme komme, wie Netflix es in den USA anbietet, dann überlege ich mir doch drei Mal, ob ich nicht auf Nummer Sicher gehe, den Preis bezahle und dafür viel Spaß habe.
Niemand will wirklich zehn Minuten auf kino.to verbringen, fünf gefakete Play-Buttons umschiffen, dreizehn Pop-Ups und Overlays wegklicken müssen, um irgendwann auf eine Seite zu kommen, die einen 60 Sekunden Countdown bis zum Stream hat, nur damit man dann wieder fünf Overlays und drei Fakeplaybuttons bekommt, bevor man sieht, dass der Stream kaputt ist und man wieder auf kino.to anfangen kann.
Das macht niemandem Spaß, aber man nimmt es in Kauf, weil die Alternative zwar leicht, aber weniger aktuell (Filmauswahl) und erheblich teurer wäre.
Ich bin kein sonderlicher Menschenfreund und ich glaube auch nicht an das Gute im Menschen, aber ich bin mir sicher, dass Netflix und Spotify das sind, was den Durchschnittsdeutschen vom Raubkopieren wegbringen würde. Aus Faulheit. Und weil ich weiß, dass sich jetzt vermutlich jeder fragt, wie ich es geschafft habe Spotify-Premium in Deutschland zu benutzen ohne abgefahrene VNC-Proxy-HaXx0rLösungen in Kauf zu nehmen, werde ich das ganze bald in einem eigenen Post beantworten.
Wäre ich übrigens schlecht verdienender Schüler, würde ich vermutlich auch keine 15€ im Monat für einen Spotify-Account aufbringen können. Aber glücklicherweise gibt es auch sichere Wege des Raubkopierens.