Provokation als Stilmittel.

Alle Jubeljahre ist es an der Zeit für einen selbstreferentiellen Beitrag. Dieser wird so einer sein. Ich weiß, dass man ihn nicht schreiben müsste, ich weiß auch, dass es Dinge gibt, über die nicht weiter nachgedacht werden muss, weil sie eigentlich egal sind, mir auch, irgendwie und trotzdem belagern sie mein Hirn und müssen irgendwie zumindest mal zu Cyberspace gebracht werden. Cyberspace ist sowieso ein Wort, das viel häufiger genutzt werden sollte. So. Was ist eigentlich mit Blogs los? Gerade war wieder das, von vielen total lustig “Klassentreffen” genannte, Internetdings re:publica und ich kam nicht umhin mir einen groben Überblick über die aktuelle deutsche Bloglandschaft zu machen.
Schaue ich in meinen Feedreader, hat sich im letzten halben Jahr folgendes verändert: Es kamen viele Blogs hinzu. Davon aus Deutschland: Keiner. Jetzt liegt es nahe, dass ich einfach hier frage, was lesenswerte deutsche Blogs sind, das Problem an dieser Frage ist aber leider, dass daraufhin massig Scheiße vorgeschlagen wird.
Folgendes sind (in meinen Augen) keine guten Blogs:
- Linksammlungen, die Kram bloggen, der vor drei Wochen schon alt war.
- Von 14 Jährigen geschriebene Tagebuchblogs, die zwar total persönlich, aber absolut uninteressant über ihren Alltag berichten.
- Blogs, die klingen, als wären sie betrunken aus miesen Zeitschriften wie der NEON abgeschrieben worden. (Titten, Pimmel, Sex, wir sind superhip.)
- Blogs über Netzpolitik (die sind interessant, aber mehr als zwei brauche ich davon nicht)
- Lifestyleblogs, die mir sagen, was gerade cool ist, welcher DJ wo spielt und was in der Szene gerade voll angesagt ist.
- Musikblogs
- Schlechte Techblogs
- Blogs unbekannter/aufstrebender Autoren. Ja, die Texte mögen gut sein, aber ich will mehr als Ausgedachtes. Echtes. Leben, nämlich.
Was ich stattdessen will:
Blogs mit Persönlichkeit. Tatsächlich mit Persönlichkeiten hinter den Blogs. Ich mochte, als Yannick noch bloggte, ich konnte mir vorstellen, was er für ein Typ ist, weil er einigermaßen unterhaltsam von seinem Leben berichtete. Ich mag noch immer, was Philipp macht, weil es kreativ ist, weil er sich hinsetzt und Sachen erstellt, ich liebe viele der Beiträge bei Steffen, weil sie unterhaltsamer und persönlicher nicht sein könnten. Gleiches gilt für die neuen Stylespion-Beiträge. Abgesehen davon, dass ich Kai sowieso gut leiden kann, war die beste Entscheidung von ihm tatsächlich dieses Lifestyleding an den Nagel zu hängen und persönlicher zu werden. Viele der Fashionblogs sind so, allerdings auf einem anderen Niveau, mir fehlt da etwas der… Pfiff, falls ich dieses Wort in meinem Alter schon benutzen darf.
Ich vermisse das, was bei den Amerikanern normal ist, ein Gesicht zum Blog, einen Blogbetreiber, den man nach ein paar Beiträgen zu kennen glaubt, bei dem man weiß, warum man sich auf seinem Blog herumtreibt. Weil man ihn gut, oder gar nicht leiden kann. Wenn ich jemanden interessant finde, lese ich auch, was er zu irgendeinem Fotografieding zu schreiben hat, von dem ich keine Ahnung habe, was es macht. Weil ich mich für die Person interessiere. Das Thema wird dann zweitrangig.
Es ist jetzt nicht so wirklich lange her, dass ich die Kommentare bei einigen Beiträgen abgeschaltet habe, trotzdem kann ich jetzt schon sagen, dass das die beste Entscheidung seit langem war. Tatsächlich überlege ich sogar die Kommentare bei Beiträgen abzuschalten, in denen ich eine Diskussion für sinnvoll und interessant erachten würde. In der Hoffnung, dass jemand einen Blogeintrag schreibt, in dem er auf meinen Beitrag eingeht. Als Kommentar, sozusagen, in seinem Blog. Das hätte zur Folge, dass derjenige gezwungen ist, sich länger als zwei Sekunden Gedanken zu machen und allerlei Profanitäten durch diesen Umstand erst gar nicht niedergeschrieben werden würden. Desweiteren würde es die Blogwelt beleben und mit Mehrwert füttern, weil mehr durchdachte Meinungen zu Themen nicht schaden können. Die Amerikaner machen es so, die Netzpolitik- und Postprivacy-Heinis machen es so, warum macht das sonst niemand? Warum mache ich es nicht? Weil ich keine Beiträge finde, die eines Kommentars würdig sind. Warum ist das der Fall? Weil ich nur amerikanische Blogs lese, die mit meinen Kommentaren hier wenig anfangen könnten und die Blogs aus Deutschlands, wie bereits beschrieben, nichts taugen.
Twitter ist für Blogs tatsächlich kein Ersatz, ich nehme einen Twitter-Stream nicht so ernst, wie einen Blog. Ich will Meinungen, Meinungen passen nicht in einen 140 Zeichen Tweet. Das ist auch der Grund, warum ich meinen Blog noch habe. Klar, Twitter ist super, unterhaltsam, kurzweilig. Aber das ist genau das Ding. Man merkt hier, dass sich die Beiträge verändert haben. Der absolute Blödsinn wanderte zu Twitter ab und ich versuche hier persönliche oder informative Beiträge zu bringen. Oder wichtige tagebuchähnliche. Davon will ich mehr. Keine Diskussionen zu Netzneutralität und Politik, kleiner, feiner. Das ist doch nicht so schwer.
Macht mal was.