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Kommentarunkultur.

14. April 2011

Tatsächlich schrieb ich diesen Beitrag auf der Bahnfahrt nach Berlin, wenn ich mich richtig an das erinnere, was ich schrieb, tauchen hier einige Dinge auf, die Sascha Lobo auf seiner Keynote auch erwähnte. Nur um das vorweg zu nehmen.

Manchmal mache ich mir tatsächlich darüber Gedanken, warum Dinge so sind, wie sie sind. Dazu gehört die Beschaffenheit von Reiswaffeln und woraus Reiswaffeln überhaupt bestehen. Obwohl, eigentlich dachte ich nicht darüber nach, bis Ivy mich darauf hinwies, dass die Waffeln aus Reis sind und man Reis tatsächlich, wie Mais, aufploppen lassen kann.

Reiswaffeln interessieren aber auch keinen Menschen. Außer vielleicht IrÁre. Oder Menschen mit einem starken Interesse an Reiswaffeln. Dazu gehöre ich allerdings nicht und von etwaigen Lesern dieses literarisch wertlosen Textes wohl auch niemand.

Bekanntlich bin ich Hobbypsychologe und mache damit sehr wenig Geld. Gar keines. Trotzdem denke ich, dass Kommentare automatisch dumm werden, weil der Durchschnittsmensch einen Hang zur Selbstdarstellung hat. Das ist prinzipiell okay, aber es gibt zwei Arten der Selbstdarstellung. Die Selbstprofilierung durch Wissen, weil sie den Rezipienten einen Mehrwert liefert. Der Veröffentlicher hat die Genugtuung seine Gedanken unter das Volk gebracht zu haben, die Leser wissen danach, im Idealfall zumindest, mehr als zuvor.

Menschen sind allerdings im Schnitt ziemlich blöd. Das ist kein Geheimnis, man muss sich nur für zwei Minuten in den Touristenbereich einer beliebigen Großstadt stellen. Was vollkommen okay ist, nicht jeder muss in jedem Thema ein Spezialist sein. Gibt man einem Durchschnittsmenschen nun aber die Möglichkeit seine Meinung zu proklamieren, nimmt er sie. Nein, er ergreift sie und würgt sie, schmeißt sie dann auf den Boden, trampelt und spuckt auf sie und steckt alle möglichen Dinge in alle möglichen Öffnungen, die so eine Möglichkeit der Meinungspräsentation zu bieten hat. Soll heißen: An Stammtischen und in Kommentarbereichen treibt sich der Pöbel rum. Dieser hat zwar nicht viel Ahnung, aber viel zu sagen.

Das Thema Technik, beispielsweise. Jeder nur marginal Informierte hat eine Meinung. Diese wird ihm von irgendwelchen Medien vorgekaut. Android ist offen und damit besser als iOS und damit iPhones. Außerdem kann man damit ja viel mehr machen. Das ist das gesamte Wissen genannter Personen. Was — ganz nebenbei erwähnt — vollkommen okay ist, man muss nicht, und ich wiederhole mich da, Experte auf jedem Gebiet sein. Man muss nichtmal gut informiert sein. Man muss einfach nur die Fresse halten können.

Das Problem ist nicht, dass ich hochgradig kritikunfähig und fürchterlich menschenfeindlich bin, das Problem ist, dass ich eine dumme Meinung erkenne, wenn ich sie sehe. Wenn ich ein Bild meines kaputten iPhones poste, übe ich damit tatsächlich Kritik an Apple und der Stabilität der Produkte. Besonders, wenn ich das zwei Mal innerhalb kürzester Zeit mache. Inwiefern ist die Reaktion eines dahergelaufenen, anonymen Kommentators dann sinnvoll, wenn er mir schreibt, dass Apple voll scheiße und Android viel besser ist? Gar nicht. Stimmt.

Im Alter zwischen sieben und 16 hatte ich den Drang immer etwas sagen zu müssen, sobald im öffentlichen Raum, seien es Klassenräume oder irgendwelche Freundesgruppierungen, Themen aufkamen, von denen ich auch nur mal gehört hatte. Prinzipiell findet das gleiche in Kommentarbereichen statt. Hier verstärkt, weil jeder irgendwie versucht mir möglichst ans Bein zu pissen. iPhone? Scheiße, Android ist besser, habe ich auf Spiegel Online gelesen, die Android-Leute verkaufen viel mehr Telefone! T-Mobile? Scheiße, andere Firmen haben auch Handyverträge und die sind generell für jeden Menschen besser. Display kaputt? Du bist dumm, haha, du bist so dumm ey, dein Display ist kaputt, mein Telefon war noch nie kaputt, haha, bist du dumm, außerdem habe ich gelesen, dass die Antenne nicht geht.

Vielleicht hilft es also uns allen, wenn wir manchmal den Drang unterdrücken uns unbedingt mitteilen zu müssen, wenn wir insgeheim nicht das Gefühl haben, wirklich etwas beitragen zu können. Das ist anfangs schwer, ich habe mir das auch angewöhnen müssen. Aber man fühlt sich tatsächlich irgendwann entspannter, wenn man weiß, dass es einem auch gut geht, ohne sich bei jeder Gelegenheit zu profilieren.

Dieser Beitrag war weder sonderlich informativ, noch ist es irgendwie logisch, dass ausgerechnet ich davon schreibe, dass Selbstprofilierung nicht immer Not tut, aber ich will mich hier ja auch nur wichtig machen. Nämlich.

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