Wie unterhalte ich mich mit Leuten, die ich nicht kenne?

Da ich als Publizist auch einen Bildungsauftrag zu erfüllen habe, greife ich an dieser Stelle eine Suchanfrage auf, die offenbar einer Antwort bedarf. Wie unterhält man sich also mit unbekannten Menschen?
Mein genereller Rat wäre: Gar nicht. Zumindest nicht, wenn man kein großes Interesse an sozialen Kontakten und einem intakten Leben hat. Gespräche mit Menschen ziehen unangenehm häufig Probleme nach sich. Vielleicht findet man sich sympathisch, passt kurz nicht auf und findet sich in einer Ehe mit dem kürzlich noch fremden Gesprächspartner wieder, hat drei Kinder und einen fetten Kredit am Arsch.
Vermutlich ist das aber nicht die Antwort, die erwartet wird. Also. Bevor man ein Gespräch führt, mit einer Person, die man nicht kennt, sollte man sich darüber im klaren sein, wie es einem geht. Möchte ich ein gutes Gespräch führen und am Ende vielleicht eine postive neue Bekanntschaft gemacht haben? Oder habe ich kein Interesse daran neue soziale Kontakte zu knüpfen? Ist letzteres der Fall, hat man einen Freifahrtsschein, kann Dinge probieren, ein totaler Arsch sein, oder ausnahmsweise total freundlich und einfühlsam, nur um zu testen was passiert. Das sind, davon ausgehend, dass die meisten Menschen langweilig sind, oft die besseren Gespräche, weil man Spaß mit sich selbst hat. Monologmasturbation. Man kann der Person im vollen Ernst davon erzählen, dass man sizilianischer Mafiaboss war, bis man als Kronzeuge rauskam und jetzt unter neuem Namen woanders lebt. Vielleicht glauben sie es nicht, aber erzählt man es geschickt, können sie es auch nicht abstreiten. Moralisch ist das überaus fragwürdig, hat man aber genug Freunde und weiß, dass man auf den Gesprächspartner pfeifen kann… ein Versuch ist es wert. Versprochen.
Zum sozialen Teil. Ich gehe davon aus, dass der Fragensteller eine verzweifelte Persönlichkeit ist. Sonst würde er diese Frage nicht an Google weitergeben. Außerdem ist die Person offenbar etwas dumm, sonst würde sie es schaffen diese Frage ohne Rechtschreibfehler abzusenden. Kombiniert man diese Eigenschaften, haben wir einen normalen Menschen (Misanthropie, olé!) der darauf erpicht ist, von allen anerkannt und gemocht zu werden. Ausgehend von diesem Fall, ist es ein leichtes ein Gespräch zu führen, das für beide Gesprächspartner zu einem positiven Ende (sprich: Kein Hass.) gebracht werden kann.
Die Situation ist, dass wir uns in einem Gespräch mit einer Person befinden, die wir nicht kennen. Wie es dazu kam, man weiß es nicht, aber steckt man bis zum Hals im Sozialwasser, da muss man durch. Eloquent und charmant, wie wir nunmal sind, umschiffen wir den Smalltalk. Ja, das kommt überraschend, aber ich habe schon diverse Ratgeber zu Kommunikationsverhalten geschrieben und bin offenbar Experte auf dem Gebiet. Warum lassen wir den Smalltalk aus? Weil das zwar der naheliegendste Gesprächseinstieg ist, hingegen aber zu 98% aus losen Worthülsen besteht. Wir müssen davon ausgehen, dass unser Gegenüber gut unterhalten werden will. Es ist also erfolgsversprechender ein Gespräch mit “Auf dem Mars haben sie Wasser gefunden.” anzufangen, als mit “Ja, schönes Wetter heute.” Warum? Auf die Marsaussage können zwei Dinge folgen. Erstens: Ein interessiertes “Bitte was?”, weil das Gegenüber diesen ungewöhnlichen Gesprächseinstieg nicht erwartete, oder ein “Ja, habe ich auch gehört, wirklich faszinierend, was in unserer Zeit alles passiert.” Zack, mitten im Gespräch. Beim Wetter hingegen landet man automatisch in einer Sackgasse. “Ja, wirklich schön.” “Hmmhmm… tja…” Ende. Das braucht niemand. Papperlapapp.
Wichtig ist Fingerspitzengefühl und ein gesundes Sortiment an Themen, sie müssen nicht weltbewegend sein, nur grundlegend besprechbar. Merkt man im Laufe des Gesprächs, dass das Gegenüber unglaublich langweilig ist, kann man noch immer in den Monologmasturbationsmodus schalten und davon erzählen, dass man zu der Mission gehörte, die das Wasser entdeckte. Lustige Geschichte, bin da einfach so reingeraten. Wollte gar nicht in die Weltraumforschung, war eher so der Sportler, man suchte dann im Weltraumzentrum Oldenburg Ost sportliche Typen, ich meldete mich und zwei Jahre später fand ich mich tatsächlich auf dem Mars wieder, klingt komisch, oder? Tja… Ja, was man so hört, Astronauten und das ganz große Geld… nee, das stimmt nicht, totaler Blödsinn, am meisten macht das Bodenpersonal, die an den Bildschirmen…
Und so.
Mir war danach.
Vieeeeeel zu lang für die Zeit :P Muss ich mir mal morgen bei Tageslicht genauer anscheuen…
Man kann auch einfach mal versuchen, seinem Gegenüber Crushed Ice in den Kragen zu kippen u_u
“Weltraumzentrum Oldenburg Ost”
Moment, war ich das, oder Jan? Oder du? Der Abend ist leicht verschwommen.
verschwommene erinnerungen.
sehr schöner Artikel, Herr Wichmann.
Ich bin begeistert!
Verschwommen ist gut ausgedrückt …
Du hattest die Freude der unerwarteten Erfrischung. Gern geschehen
Ah, ja, ich erinnere mich.
Nagut, war vermutlich begründet und verdient. Julia kippte mir in einer ähnlichen Situation mal anderthalb Liter Rotwein über… alles.
Wunderbar, auch wenn du auf mich immer etwas arogant wirkst – Ahnung hast du ja von dem was du so machst. Respekt, ich mag dich, ganz egal ob du mich hasst oder nicht.
Immer weiter so (:
Glaube nicht dass es begründet und/oder verdient war :/ Aber wie gesagt, eher verschwommen das alles.
Wie gut, dass ich dich schon kenne und ich schon Alles über dein Leben als Biber-Züchter weiß.
Achja, ich habe dir ja versprochen, diesen Muttermilchersatz zu nennen, wodrauf die Biber in Bayern so abfahren aber mein Lieferant ist bankrott gegangen, deswegen dauert das bis ich ihn erreiche. Er kann die Telefonrechnung nicht zahlen, deswegen muss ich Samstag selbst dort vorbeifahren. Da ich aber letzte Woche wegen Trunkenheit am Steuer meinen Führerschein verloren habe, werde ich trampen müssen. Nunja, ich sag dir dann Bescheid.
(ich wollts mal ausprobieren)
Wenn ich keine Lust auf neue Bekanntschaften habe, andere Personen mich jedoch in dieser Unlust stören und belästigen, gebe ich mich gern als Mario aus: Aufgewachsen in einem Chemnitzer Hinterhof, verbrachte ich meine Kindheit in einer Proletengang, meine Jugend widmete ich dem Hasch, Speed und gelegentlich auch eine Prise Heroin, landete hart auf dem kalten Berliner Asphalt und machte nach erfolgreicher Rehabilitation in einer Kinderdrogenklinik in Worpswede mein Abitur mit 3,1 und nenne mich nun BWL-Bachelor.
Je nachdem, wie weit ich im Gespräch komme, ziehen die Leute schon eine Fresse oder heucheln Mitgefühl über den späten, bescheidenen Erfolg. Immer wieder ein Genuss, dieses obskure Schauspiel zu verfolgen.
Ich könnte mich nie als jemand ausgeben, der ich nicht bin. Muss auch schon wieder weg, die Kamele wollen versorgt werden.
Julia findet diesen Kommentar besser als Jesus.
Tja, was soll ich sagen … wie immer ein Genuss.
Thihihi.
Mal so nebenbei: Ich würde hier gerne Kommentare faven können. Danke!
Kommt mit der Pro-Version. Projektname “BLOG 2000″. Kein Scherz. Viele weitere coole andere Funktionen auch.
Das wird bestimmt total toll!
Weis nicht warum, aber irgendwie hatte ich nie so recht den Mut mich als jemand völlig anderes zu präsentieren. Vielleicht wegen sehr schlechter Erfahrung mit Lügen-rattenschwänzen, vllt auch nur weil ich zu doof bin mir spontan was gutes einfallen zu lassen. Sicher ersteres!
Ich hoffe dir ist noch öfter danach.
»Monologmasturbationsmodus« = Wort der Woche!
Das klingt alles so logisch..
Monologmasturbationsmodus wird demnächst mal ausprobiert
herzallerliebst!
Wenn man das nicht gleich ausprobieren mag.
2000 Anhänge sind so 1998..
Das ist der Witz. Julia, ey.
So, auch wenn du mich gestern “Idiot” genannt hast, werde ich jetzt nach dem Lesen des Artikels trotzdem sagen: Schön geworden. Bitte gerne.
Viel zu lang. Das lese ich nicht. Harr!
Der Mensch ist doch eh ein Egoist. Es würde mich mal interessieren, ob man sich jemals für die Situation eines unbekannten Gesprächspartner ernsthaft interessiert. Ich find diese ganzen Menschen irgendwie komisch. Und gruselig.
Faule Sau
ich höre meinen gesprächspartnern grundsätzlich nicht zu. ich warte einfach nur, bis ich wieder mit reden dran bin. in der zwischenzeit summe ich die titelmelodie von biene maja in meinem kopf und stelle mir vor, wie minderjährige minensucher explodieren.
Und ich krieg Anfragen, ob man ‘nem Date hinterherheulen soll… Hätten wir nicht tauschen können, oder so?
Der Artikel enthält einige nette Ideen und Einstiegshilfen. Leider beantwortet er die zugrundeliegende Frage aber nicht wirklich abschliessend. Hätte mir an der Stelle etwas mehr Ausführlichkeit gewünscht. Aber wer weiss, vielleicht kann man das ja bald in »Monologmasturbationsmodus« TEIL2 nachlesen?
Da sind wir uns ganz ähnlich! Nur summe ich andere Lieder und stelle mir andere Sachen vor.
Und falls das alles nicht funktioniert kann man dem unbekannten Gegenüber immer noch einen UARRR-Sticker auf die Hose pappen oder Salz auf die Schulter kippen und gucken, was passiert.
Für Fortgeschrittene.
Na der Beitrag passt ja “super” zu meiner jetztigen Stimmung. Eine sonst anonyme Verfolgerin deines Blogs, die immer gerne deine künstlerischen Tätigkeiten bewundert, muss jetzt mal sagen, dass sie es nicht gut findet, wie du über Konservationen mit fremden Menschen sprichst.
Ist es denn wirklich wichtig, dass dein Gegenüber so super interessant sein muss? Und findest du, dass dein Dialogpartner es echt verdient hat wegen einer Laune von dir so verarscht zu werden? Da bekomme ich ja noch weniger Lust mit anderen Menschen zu reden als ich jetzt schon habe.
Und genau dieses Verhalten, welches du beschreibst und gut findest, kotzt mich an 90% der Menschheit so an. Du bist nämlich kein Einzelfall. Es denken viele sie seien etwas Besseres als ein anderer Mensch und gehen genauso oberflächlich wie du an einer Konversation heran. Das i-Tüpfelchen danach ist dann noch das Abgelästere, wie scheiße das Gespräch mit der Person gewesen war. Wenn man nicht reden möchte, dann ist man kreativ und geht der Konversation einfach geschickt aus dem Weg anstatt Zeit ätzend zu vergeuden und die Person eventuell noch mit seiner Scheißart zuverletzen. Findet ihr das alle so cool ja? Tolle Leistung. Man seid ihr Helden.
Und zu deinem Satz: “Vielleicht findet man sich sympathisch, passt kurz nicht auf und findet sich in einer Ehe mit dem kürzlich noch fremden Gesprächspartner wieder, hat drei Kinder und einen fetten Kredit am Arsch. ”
Man ist ja auch nicht so blöd und kommt einfach irgendwie mit irgendwem zusammen, der gar nicht zu einem passt. Außer natürlich man ist extrem oberflächlich
Eine Ehe kann sicherlich schön sein, wenn man zueinander passt. Und da freut man sich dann über seine 3 Kinder und der Kredit stört einem auch nicht, denn man ist einfach glücklich so wie es ist.
Das mit dem Humor haste nicht so, oder?
Monologmasturbation ist wirklich eine super Sache – auch als erfolgreich erprobt bei Dates, die man bereut, eingegangen zu sein.
Für mich persönlich leider gar nicht hilfreich.
Trotzdem gern gelesen, weil ein bisschen witzig und so.