☰ Lifedrawing, kinetische Energie und ein Webcomic.

Kinetische Energie

Aus Gründen konnte ich vorhin relativ ausführlich das testen, was ursprünglich als Projekt Natal bekannt wurde und jetzt Microsoft Kinect heißt. Unter Umständen komme ich in das Vergnügen den Kram zeitnah noch ausführlicher unter die Lupe zu nehmen, hiermit also erstmal ein kleines “krasses Teil, bin gespannt auf mehr!”. Tatsächlich ziemlich spaßig. Bild klaute ich von Sven, rechts sieht man meine Beine und Füße. Habe nämlich auch Gliedmaßen. Glied. :kch

Lifedrawing

Außerdem habe ich ein paar Überlegungen gemacht. Ich treibe mich seit Jahren in Foren rum, in denen es um Zeichnungen, Zeichnen, Design, Illustration und was auch immer geht. Und immer ist der Weisheit letzter Dings, dass man üben muss. Klar, soweit möchte ich nichts in Frage stellen. Was mich aber bisher immer ein wenig wunderte, war die Versessenheit aufs Lifedrawing und das Hinstellen eben dieser Methode, als einzig vernünftige. Ich stelle also folgende Gedanken an: Warum soll man schneller und besser zeichnen lernen, wenn man raus geht und echte Menschen zeichnet? Oder in Aktmal/zeichnenkurse und echte nackige Menschen zeichnet?

Einzige logische Antwort ist für mich, dass man nicht unendlich viel Zeit hat das Gegenüber zu zeichnen. Zeichnet man von einem Bild ab, kann man so lange das statische Ding betrachten und studieren, bis man es mehr oder weniger perfekt reproduziert hat. Vielleicht ist es aber auch etwas vollkommen anderes und es hat mit Tiefenwahrnehmung oder was auch immer zu tun. Ich weiß es nicht. Aber ich behaupte hiermit, dass man vergleichbare Erfolge vorweisen kann, wenn man von Bildern abzeichnet. Posemaniacs erwähnte ich schon. Die 30-90 Sekunden Funktion auch. Ich denke, dass das genau das ist, was einen dazu bringt Körper, Haltungen und Anatomie zu verstehen. Mit schnellen Blicken erfassen müssen was die wesentlichen Linien sind und diese zu Papier bringen. Ob ich mir nun 30 Sekunden ein Posemaniacs-Dings anschaue, oder 30 Sekunden eine nackte Frau auf einer Bühne vor mir, wo ist der Unterscheid? Ich frage mich das ernsthaft und will damit gar nicht provozieren.

Posemaniacs hin und her, das hilft nur bei Anatomiedingen und dem ganzen Körper. Heute hatte ich den Einfall, dass man vergleichbares für Gesichter und bestimmte Dinge, Füße, Hände, was einem gerade einfällt, braucht. Also ein Tool das einen einfach Bilder vorsetzt, die man dann zeichnen muss. Am besten nicht in Flash, weil es dann auch zB auf dem iPad benutzbar ist. Wie cool wäre also eine Seite auf der man einfach ein paar Tags eingibt, die gewünschte Anzeigezeit der der Bilder und los gehts? Jap, sehr cool. Heute Morgen wünschte ich es mir, jetzt hat Florian sie fertig. Der Hammer. Florian führt übrigens einen von Deutschlands besten Blogs über Themen. Sollte man gesehen haben. Fotografdracula.de

30 Seconds Drawing Tool für alles, was man möchte, mit echten Menschen und Trara. :party

Ein Webcomic

Kurz vorm Einschlafen las ich die letzten Tage The Meek, ein Webcomic, den ich irgendwo gefunden habe, der noch nicht vollendet ist, der fantastisch aussieht, eine unglaublich tiefe Story aufzubauen scheint und hiermit als unfassbar starke Leseempfehlung ausgesprochen werden soll. Sowohl wegen der Story, als auch wegen der Optik. Beides beeindruckend. Tatsächlich sind die Gedanken und Anmerkungen zu jeder einzelnen Seite (drunter) meist auch lesenswert. Verschafft einem einen umfassenden Einblick hinter die Gedanken von jemandem, der ernsthaft einen Webcomic betreibt. Hier geht es zur ersten Seite.

Kommentare

  1. Ich denke die lifesache hat, wie auch bei landschaften und gebäude nicht die zeit, sondern das auge als lim itierenden faktor. schwierig ist ja beim zeichnen perspektive zu erkennen, und dann verjüngungen sowie tiefe in die zeichnung zu übertragen. ein foto ist forgekaut in tonwerten, in perspektive. es ist schließlich so flach (2d) wie die zeichnung, die du erstellen willst. 2d zu 2d ist wesentlich einfacher als 3d zu 2d. teste es, du wirst es merken.

  2. Was die sache mit den Lifedrawing angeht: Ich denek ein nicht unerheblicher Teil des lerneffektes kommt daher zu stande, dass du ein 3-dimensionales objekt betrachtest und damit ein Gespür für formen bekommst. Beim Abzeichnen von Figuren von Bildern bekommst du mit sicherheit ein gespür von Proportionen, aber das mit der Teife der einzelnen Teile eines Objektes geht – denke ich – sicherlich einfacher, bzw. ist schneller zu erlernen, wenn man sich dabei auch ein Objekt ansieht, was Tiefe hat.

    Was ich mir in dem Zusammenhang als Notlösung noch vorstellen könnte, wären 3D Bilder, die unserem Auge zumindest einen recht glaubwürdigen Eindruck von Tiefe vorgaukeln. Allerdings gibt es 3D-Bilder im vergleich zu anderen Motiven eher spärrlich. Und die Methode wäre ebenso zweifelhaft.

  3. Aber ist das, was wir sehen, also das Bild, das im Kopf ankommt, nicht irgendwie auch einfach nur 2D? Also letztendlich sehen wir das gleiche, wie eine Fotografie festhält, Tiefen durch Farb- und Helligkeitsänderungen, etc. Und wenn ich an Punkt A stehe und das zu zeichnende Objekt an Punkt B, ändert sich ja auch an meiner Sicht auf das Objekt nicht wirklich irgendwas.

    :weissnich

    1. dann hätten wir eigentlich nur ein auge. Unser gehirn bastelt ja aus den Stereoskopischen bildern unseres Gehirns mit absicht ein 3D Bild. Der Vorteil gegenüber 2D liegt darin, dass man Entfernungen besser wahrnehmen kann. Oder zum beispiel Geschwindigkeiten besser einschätzen etc. Eigentlich hat das wieder mit wilden Raubtieren und reflexen und so weiter zu tun.
      Wir sehen wie gesagt nicht das gleiche wie auf einer Fotografie. Ich denke Kunstprofessoren könenn da noch deutlich mehr senf zu geben als ich als laie. Aber was dein Gehirn verarbeitet und dir als “ein” Bild ausgibt sind in wirklichkeit 2 Bilder. Das kannst du auhc schnell testen, wenn du mal das eine Auge und dann das eine Auge zukneifst und die beiden Bilder vergleichst. sie werden sich durch den abstand deiner Augen zueinander verändern.

      1. Jaja, das weiß und kenne ich alles. Aber inwiefern beeinflusst das meine Fähigkeit zu zeichnen? Letztendlich ist das Ergebnis, ob von echter Person, oder von Bild, genau das gleiche. Behaupte ich hiermit. :zzz

      2. und ich behaupte es wird dir durch diese Methode schwieriger fallen, wenn anfängst Personen zu Konstruieren, also einfach aus dem Kopf heraus zeichnest. Denn dann benötigst du deine aufgenommenen erfahrungen der Teife von einem Objekt. Jedenfalls, wenn du ein realistisches oder glaubwürdiges Ergebnis erstellen willst.
        Aber wie gesagt: auch das ist nur meine Einschätzung und muss nicht heißen, dass das Gesetz ist.

  4. Also Grundaussage ist: Von echten Menschen ist schwerer, weil das Gehirn von 3D auf 2D umdenken muss und darum lernt man besser. Wenn ich mich nicht täusche. Hm.

  5. Ich glaube ein mix aus beiden also einfach abzeichnen und sich in den park oder die bahn setzen und leute zeichen macht es aus.
    mehr kann ich nicht sagen, bin nähmlich hellauf begeistert von dieser Miss Posemaniacs
    (ich glaube sie mag mich)
    habe schon mein ganzes papier aufgebraucht, diese 30 sec. machen süchtig! besser als ein internetgame!

  6. also diese posemanics-geschichte ist sicher nicht schlecht, aber ersetzt meiner meinung nicht ansatzweise reales aktzeichnen … wie schon gesagt ist die übersetzung von 3d in 2d eine zusätzliche herausforderung, da man so auch oft durch perspektivische Verkürzung merkt, das man bestimmte stellen falsch zeichnen muss, damit sie abgebildet real aussehen. unbezahlbare einsicht 😉
    zudem kommen diese posemanics-teile ja auch aus einem 3d-programm oder so und genau wie bei der fotografie ist die perspektivische darstellung da wesentlich anders, als die des menschlichen auges. und letztendlich sieht ein geübtes auge das eben auch an der zeichnung.

  7. Marcel, ich glaube, ich liebe dich. Auf eine verstörende, asexuelle Weise. Vielen Dank für das Tool. Vielleicht noch hinter “Time to change” “(in seconds)” schreiben, das wär auch alles. Dankedanke.

  8. Hm, also zu der Zeichnen-Life-Drawing-Sache. Ich weiß, dass die Profs bei uns es erschreckenderweise immer sehen können, wenn man von einem Foto abgezeichnet oder gemalt hat. Ich hab schon so oft versucht die zu verarschen und immer haben die kleinen Säcke das mit ihrem Rötgenauge gesehen! Diese Mr. Burnse. Habe mich dann immer gefragt, wieso ich die nicht verarschen kann und wieso ich nur süffisante Lächelns (hihi, Gehirns) von den Profs ernte, wenn die mal mein verstecktes Foto unter meinem Pulli hervorblitzen sehen. Ja, so verpönt ist das! Ich muss das Foto neben meinen Brüsten (hihi, Brüste) verstecken!
    Mit der Zeit bin ich etwas dahinter gestiegen, durchblicke es aber noch nicht ganz. Also, aufgepasst, ich denke nicht, dass man das unbedingt was mit der Perspektive, unseren Gehirns oder Gehirnen oder irgendwelchen Umwandlungen zu tun hat, sondern damit, dass man Gefahr läuft in Klischees zu verfallen, wenn man von Fotos zeichnet. Man geht nicht wirklich ins Detail. Oft. Nicht immer. Man zeichnet dann Gegenstände so wie man sie zu sehen erwartet, nicht so wie man sie wirklich sieht. Zudem kann man sich nicht wirklich mit einem Gegenstand vollends beschäftigen. In der Kunst geht es ja nicht nur darum etwas abzubilden, sondern Gegenstände künstlerisch wirklich zu untersuchen und das geht eben nur, indem man sie real vor sich hat. Sonst untersucht man ja nur die Abbildung nicht das Ding. Man kann dann immer nur darauf gucken, aber nicht die Qualität der Oberfläche, die Kühle oder Wärme etc. mit einfließen lassen in die Zeichnung. Also, wenn ich z.B. einen, ähm, Pfirsich male, dann muss ich den Pfirsich fühlen, damit ich die Oberfläche richtig darstellen kann. Jeder Blödi denkt ja sofort “oh, voll schön, ein saftiger Pfirsich mit einem schönen kleinen Fellchen und schön weich”. Ha! Was ist denn, wenn es z.B. ein total unreifer Pfirsich ist?! Dann ist der nämlich total hart, glänzt noch und schmeckt total eklig. Wenn man von Fotos zeichnet, zeichnet man vielleicht eher die erstere Variante, weil man dann viel zu assoziativ arbeitet. Ist, zugegeben, nicht das exzellenteste Beispiel. Aber das ist, glaub ich das. Verstese?! Ich hör hier aber auf, ich schreib mich ja hier noch um Kopf und Kragen.
    Ist jetzt etwas philosophischer geraten als ich wollte. Auch etwas mehr einseitig als ich wollte wegen persönliche Erfahrung und so. Auch etwas mehr verwirrender. Und vielleicht etwas mehr unverständlich. Aber ich schreibe eben für den klugen Kopf und hoffe jetzt einfach mal, dass ich euch jetzt nicht mehr verwirrt habe als mich selbst. Achso, und ich studiere Kunst. Nicht Design oder Illustration oder so’n Kinderkram, deswegen kann es sein, dass sich da die Ansätze unterscheiden. Kann aber auch nicht sein, oder?!

    1. Ich konnte übrigens aus deiner Art zu schreiben herauslesen, dass du Kunst studierst, dachte es mir also auch schon vorm vorletzten Satz. Es ist, nichts für ungut, eine fürchterliche Art zu schreiben.

      Und ich sehe trotzdem nicht ein, dass das Abbild eines unreifen Pfirsichs, der dann halt auch auf dem Foto glänzt und gar nicht weich aussieht, mich dazu bringen sollte, einen weichen und unglänzenden Pfirsich zu zeichnen, weil ich nicht sehe, sondern assoziiere. Das ist doch Blödsinn. :weissnich2

    2. Ah, und ich lasse es mal aus gutem Grund unkommentiert, dass du als Kunststudentin Design und Illustration als Kinderkram abtust. Aber ich habe dazu eine Meinung. 🙂

  9. Scheiße, nein, ich wär die Letzte, die das niedermacht! Ich finde dieses Getue von Kunststudenten ja selbst kacke, deswegen die Ironie. Und das war auch nicht die Wiedergabe meiner persönlichen Meinung, sondern das, was ich seitens der Lehrenden mitbekommen habe. Ich versteh das ja selbst nicht und praktizier es auch nicht so. Übrigens bin ich in erster Linie Germanistikstudentin, aber scheiß drauf. 😀

  10. Mach doch ein kleines Experiment und zeichne das Selbe einmal live und einmal vom Foto, lade das ganze hier hoch und lass uns gemeinsam herausfinden, was besser gefällt und ob überhaupt ein Unterschied festzustellen ist.