
Freunde des Microbloggens,
es geschehen wundersame Dinge, in der großen bunten Welt von Twitter. Nachdem das Listen-Feature für alle zugänglich gemacht wurde, schlug eine Liste namens “Kann ich nicht leiden” große Wellen. Nettes Feature, diese Listen, leider hat jemand verpasst, den Usern zu ermöglichen sich selbst von Listen zu entfernen. Damit kann man natürlich allerlei Schabernack treiben.
Seit gestern wird das neue Retweet-Feature an viele User ausgerollt. Vielleicht mal eine kurze Zusammenfassung über… alles. Was waren Retweets? Ursprünglich lief es so ab: Jemand schreibt etwas, ein anderer findet es gut, kopiert den Tweet, schreibt “RT @benutzername” davor und schickt diesen Tweet somit an all seine Follower. Viele Twitter-Clients haben diese Funktion aufgenommen und vereinfacht, so muss man bei den meisten nur noch einen Knopf drücken, um einen Tweet zu retweeten.
Man retweete also etwas, um eine Information zu teilen, oder Anerkennung auszudrücken, oder was auch immer. Manchmal sogar noch mit einem Kommentar vor dem “RT @benutzername”. Jetzt wird es kompliziert. Es gibt die Menschen, die Twitter nicht nur nutzen um zu erzählen, was sie gerade essen, sondern versuchen aus jedem Tweet eine Art kleines Kunstwerk zu machen. Seien es Wortspiele, Wirklichsehrkurzgeschichten, oder irgendwas anderes. In diesem Bereich der Twitterwelt gibt es eine Währung. Favs, also Favorisierungen, die durch den kleinen Stern neben einem Tweet ausgeführt werden (Variiert nach Programm).
Dann gibt es Seiten wie favstar.fm, die die Twitterwelt crawlen und schauen, wer wen gefavt hat und wer von wem gefavt wurde. Hier kann man sehen, wer mich so favt, wie oft und welcher Tweet am meisten gefavt wurde.
Interessant hierbei ist, dass es sich da wirklich nur um einen “kleinen” Benutzerkreis handelt. Alle anderen, die dieses Fav-Ranking nicht beachten, nutzen das Favorisieren-Feature eigentlich gar nicht, höchstens mal, um sich einen Linktipp später anzusehen. Eine Favorisierung ist eigentlich Bauchpinselei für denjenigen, der es geschrieben hat. Leider bekam er es bisher, nutzte er nicht externe Seiten, wie favstar.fm, gar nicht mit. Der Fav war also, außer für den Favorisierenden, wirkungslos. Verpufft. Nichtig.
Jan baute sogar einen Twitter-Bot, der einem @replies schreibt, wenn man neue Favorisierungen auf favstar.fm hat. Und der wird durchaus auch benutzt. Es besteht also das Verlangen, zu wissen, wann man von wem gefavt wurde.
Retweeten war also irgendwie favorisieren. Immerhin sagte man damit, dass man den Tweet so gut findet, dass man ihn an seine Follower schicken möchte.
Jetzt gibt es das neue Retweet-Feature. Ein direkt von Twitter unterstütztes, das allerdings noch nicht allen Usern zugänglich gemacht wurde. Das funktioniert so: User A schreibt etwas. “Hallo, ich mag Hunde und hier ist ein lustiges Hundevideo. Link.”, das sehen alle Leute, die User A folgen. User B folgt User A und mag auch Hunde. Also klickt er jetzt auf den neuen Retweet-Button.
Folgendes passiert jetzt: Alle, die zwar User B, aber nicht dem eigentlichen Autoren, User A folgen, erhalten jetzt den Original-Tweet von User A in ihrer Timeline. Weil User B ihn retweetet hat. Sie sehen also das User-Icon von User A, das sie vorher natürlich noch nicht kannten, weil sie User A nicht folgen, und sehen, markiert durch ein kleines Icon, dass es sich um einen Retweet handelt. Unten drunter steht dann noch, wer es retweetet hat. Das ist soweit gut. Da retweeten weiterhin Ausdruck von Mögigkeit ist, also jemand, dem man folgt, sagt, dass der Tweet gut ist, gibt es eine automatische Qualitätskontrolle der Fremdtweets, die einem in die Timeline gelangen. Retweeten mehrere Personen einen Tweet, verlängert sich unter dem Tweet die Liste der Menschen, die diesen Tweet retweetet haben. Die Timeline wird also nicht unnötig mit Tweets vollgespammt, die man eh schon kennt.
Das ist gleichzeitig ein Nachteil. Retweets sind jetzt keine normalen Tweets mehr, wird man also retweetet bekommt man auch keine @reply mehr für jeden Retweet, es erscheint dort einfach nicht mehr. Stattdessen gibt es einen weiteren Menüpunkt, der sich wiederrum in drei Reiter aufteilt, die einem folgendes anbieten: Das ansehen, was andere, denen man folgt, retweetet haben, ansehen, was man selbst retweetet hat, und zu guter letzt, ansehen was von einem selbst retweetet wurde. Das scheint jetzt wie ein Luxusproblem, aber drei Klicks um herauszufinden, ob man retweetet wurde, ist erheblich zuviel. Twittert man etwas, und es wird mehrfach retweetet weiß man “Okay, das war gute Arbeit, ich bin ein guter Twitterer und alle mögen mich total gern.” oder so. Jetzt rücken die Retweets, die zwar irgendwie in den Vordergrund rückten, aber erheblich weiter nach hinten, weil man sie nicht mehr direkt überblicken kann.
Ich schreibe diesen Text und kann mir gerade selbst nicht mehr folgen, aber jetzt wird es noch komplexer. Jetzt kommt das Hauptproblem: Twittert Person A etwas, das von Person B retweetet wird, passiert in der Timeline von allen, die den beiden(!) folgen, gar nichts. Zumindest nicht auf den ersten Blick. Folgendes (höhö, Wortspiel) Beispiel: Ein Freundeskreis, alle folgen sich untereinander. Person A ist am Hauptbahnhof. Person B liest das und ist auch gerade da, retweetet es also, was soviel heißt wie “Ich übernehme diese Aussage und mache sie mir zu eigen.”. Der Tweet war nicht gut, die einzige Interpretationsmöglichkeit ist also, dass es dem Retweeter genauso geht. Jetzt bekommen alle anderen Freunde aus diesem Freundeskreis das aber nicht mehr mit.
Person C, die, wie schon gesagt, Person A und Person B folgt, bekommt jetzt den Tweet von Person A nicht durch Person B in seine Timeline retweetet. Stattdessen erscheint für alle Personen einfach nur ein “Retweetet von Person B” unter dem Original-Tweet von Person A. Person C erfährt also, solange sie nicht dauernd die alten Tweets checkt, nicht, dass sowohl Person A und Person B am Bahnhof sind.
Versteht man das noch? Wie auch immer. Was ich glaube, wohin das führen wird: Die neue Retweet-Funktion löst das Favorisieren ab, wobei da die Funktion fehlt, die einen sehen lässt, was Person XY geretweetet, also favorisiert hat. Außerdem wird der alte RT-Syntax, wie auch immer der dann aussehen mag, weiter bestehen, weil niemand darauf verzichten wird, seinen eigenen Kommentar zu einem Tweet eines anderen abzulassen.
So. Keks für denjenigen, der mir folgen kann. Und ich meine nicht auf Twitter.
Vielleicht binde ich das und lasse es als Buch drucken.
Folgen, wohin?
Folgerichtig.
Lass uns Studiengänge tauschen!
@Herr W.: Lass uns heute Abend gemeinsam Abendbrot essen!
Finde nur ich es arrogant, alle 2 Minuten auf Favstar oder wo auch immer (nun mit 2 Klicks mehr) zu schauen, ob man der Geilste ist oder die Anderen einen dafür halten?
Meiner Meinung nach sind Tweets für die Leser (Ich hasse das Wort Follower) und nich dafür, sich selbst einen Keks auf seine eigene Geilheit zu freuen, weil die Leser die Tweets durch RTs oder Favs honorieren.
@Benny: Ja, ich blogge auch nur für mich selbst und schaue nie auf meine Statistiken, weil das mein Internettagebuch ist, und mir egal ist, ob es jemand liest, oder gut findet.
Schwachsiiiinn.
Hmm wenn ich nun bei Google nach tweet, retweet, twittern und folgen suche, landet der Post auf Platz 1? :P
@uarrr!: Du hast mein Argument, indem du es lächerlich machst, nicht widerlegt. Schon klar, oder?
und twitter… das war jetzt nochmal was genau?
@Benny: Du hast meine Widerlegung lediglich nicht verstanden.
Hier die lange Version: Wenn man vernünftigen Kram macht, macht man ihn nicht für sich selbst, sondern automatisch immer für andere. Was für einen Grund sollte es sonst geben, das im Internetz zu veröffentlichen?
Wenn man einen Tagebuchblog führt, dann kann es sein, dass man nicht wissen will, wer ihn liest, aber es liest ihn auch keine Sau, weils niemanden interessiert, solange du nicht unbedingt Jesus oder eine andere bekannte Person bist.
Wenn du aber einen Blog mit Inhalt führst, der Menschen helfen und interessieren soll, BIST du daran interessiert, wer und wieviele es lesen, sonst würdest du es nicht schreiben. Ich muss keinen Text über Twitter schreiben, weil ich das vorher schon alles wusste, was ich schrieb, ich tat es für andere.
Und die Menschen, von denen ich spreche, die menschen die Favstar nutzen, schreiben GUTE Tweets, mit der ABSICHT andere Menschen zu UNTERHALTEN. Wenn man dann ein Werkzeug hat, das einem zeigt, wie gut ankommt, was man schreibt, benutzt man es auch.
Wenn du allerdings nur scheiße Twitterst und einen langweiligen Haustier-Blog führst, ists klar, dass es nicht nachvollziehbar ist.
@uarrr!: Alles klar, vielen Dank für die ausführliche Antwort. Besser wäre es für Twitter, sie legten den “Your tweets, retweeted”-Tab direkt hinter den “Retweeted”-Link in der Sidebar. Dann spart man sich einen Klick. Zu wissen (oder zu überprüfen), ob das Fabrizierte bei den Lesern ankommt und man somit “auf der richtigen Spur” ist, streite ich garnicht ab, nur tu ich das persönlich nicht alle 5 Minuten, weshalb es mir lediglich unverständlich war, über 1-2 Mausklicks mehr rumzumosern. Aber vielleicht nimmt Twitter sich das Feedback ja zu Herzen und ändert das nochmal.
Mit dem Verlorengehen einiger RTs in einem Freundeskreis stimme ich voll und ganz überein. Schade das.
ich frage mich die ganze zeit ob die leute bei twitter (also die entwickler) das auch wissen und sich trotzdem entschieden haben es so wie es jetzt ist umzusetzen oder ob sie schlicht und einfach nicht ganz kapiert haben was reetweets sind :brain
51 von 1019 wörtern des textes beinhalten “tweet”. makro zur eingabeerleichterung genutzt? :zwitscher
@lukas: Ich mich auch. Andersrum ists auch gar nicht dumm. Damals, als die @reply-Funktion umgebaut wurde, man also nur noch Replys an Menschen sah, denen man selbst folgt, motzten zuerst auch alle rum, mitlerweile finde ich es so sogar besser.
Die Retweet-Funktion von Twitter gleicht das eigentlich wieder aus, nur gefiltert. Man kann wieder Leute entdecken, durch empfehlungen. Nicht dumm, aber halt nicht retweetretro.
Oh, danke. Jetzt weiß ich auch, was alle die letzte Zeit damit meinten. Wieder ein wenig schlauer.
Danke für den Keks. Bin außerdem absolut deiner Meinung.
Keks, please. Hoffe mal Twitter wird sich der Sache bald annehmen.
Bin ich der einzige der bei dem Bild oben abwegige Gedanken hat? :69
@stomi: Befürchte schon. Willkommen in der Pubertät.
Mhm, lecker Keks!
Leider habe ich jetzt Kopfweh und noch viel weniger Lust, jemals twitter zu benutzen
Trotzdem hast Du den Gedankesalat wunderbar aufs virtuelle Papier gebracht.
Super Erklärung. Jetzt merke ich noch eher, dass diese Retweet-Funktion totaler Unsinn ist. Man hätte diese Retweet-Syntax einfach so implementieren sollen, wie sie in den meisten Twitter-Clients ist: “RT @dingens: Inhalt” oder halt “Inhalt (via @dingens)”, dazu hätte man dann halt einfach noch eine Statistik-Seite einrichten sollen, wie oft man von wem Retweeted wurde, also ein “integriertes favstar.fm” für RT’s, oder ist mein Gedanke, abgesehen davon, dass man ihn nie umsetzt, totaler Schwachfug?
@stomi: Dein Gedanke ist ja nun doch eher verdammt pubertär. Kein Wunder, dass du homophobe Witze und so lustig findest (siehe Blog).
@Dominik.: Nee klar, kann man so sehen und machen.
Ich muss aber sagen, dass ich das neue Retweet-Feature nicht schlecht finde. Gut finde ich es sogar, aber es ist halt was anderes, als das, was alle anderen unter Retweet verstehen.
@uarrr!: Wahrscheinlich ist es auch einfach verdammt ungewohnt. Und ich habe es mir nun auch noch nicht richtig angeschaut, aber mein erster Gedanke war halt, dass es doch irgendwie verdammt anders und merkwürdig ist.
Finde die neue Retweet Funktion auch nicht so knallermäßig, weil ich jetzt in meiner Timeline Tweets drinstehen habe, die mich absolut nicht interessieren und auch solche, die ich nicht lesen will. Ich will nur Tweets von Leuten lesen, denen ich auch folge und nicht von irgendjemand anderen. Fand die gute handgemachte RT Sache besser, weil man dadurch nicht irgendein “Fremder” in die Timeline gelandet ist, sondern nur derjenige, der das gut findet…
Ist wirklich hochkomplex irgendwie, wenn man ausdrücken will, was jetzt gut oder schlecht ist, weil sich die Begriffe irgendwie alle ähneln o_O” oder?
CiAO Fr34k
@Fr34k: Wenn jemand anderes es Retweetet hast du es doch auch in der Timeline.
Nur mit einem anderen Icon und irgendwelchem RT @Username Blödsinn davor.
@Dominik.: Ich habe homophobe witze auf meinem Blog? O.o
@stomi: Nein. Am besten sollten wir uns darüber woanders austauschen, und nicht hier, wo es überhaupt nicht passt. Hier nervt es nur.
[...] welchen Retweet zu sehen bekommt (Marcel hat übrigens einen interessanten Artikel zu diesem Thema verfasst, der euch sicherlich verzweifeln [...]